Der Spiegel über unsere „Lustreise“

Ich möchte die Leser meines Blogs darauf hinweisen, dass im aktuellen Spiegel unter dem Titel „Wodka, Rum und Dosenbier“ ein Bericht über die Island-Reise von Alexander, Martin, Michael und mir ist, über die hier, hier hier, und hier schon berichtet worden ist. Es wird von mir noch einen ausführlichen Blogbeitrag über unsere Reise geben, denn sie war interessant und aufschlussreich. Da es naturgemäß schwierig ist sieben Tage auf zwei Din-A4 Seiten ausführlich zu beschreiben möchte ich hier das im Spiegel Geschriebene ein wenig ergänzen.

Zuerst einmal unser Terminplan in Reykjavik. Ich muss hier betonen, dass es sich nur um die Veranstaltungen handelt, an denen ich teilgenommen habe. Da Michael eine Gastfamilie zum Couchsurfen gefunden hatte verbrachte er viel Zeit mit den Locals, aber darüber wird er sicher selbst noch einmal berichten. Es kann auch sein, dass ich das Eine oder Andere vergessen haben, vieles wurde spontan organisiert. Alle Ereignisse an denen der Redakteur des Spiegel anwesend war sind mit einem „*“ gekennzeichnet.

Montag 17.10.:

15:20 Uhr: Landung Kevlavik Flughafen*

Dann: fahrt nach Reykjavik*

18:33 Uhr: Buchung des Hotels über eine Internetseite.*

Danach: Fußmarsch zum Hotel und Check In.

20:00 Uhr: Treffen mit Heiða Helgadóttir (Beste Partei) im Lokal Frù Berglaug, Dort wurden dann die Termine für die restliche Woche besprochen.*

Dienstag 18.10.:

13:00 Uhr: Treffen mit Jón Gnarr und der Besten Partei im Rathaus von Reykjavik, danach Teilnahme an Sitzung des Stadtrates.*

15:00 Uhr: Treffen mit der Abgeordneten Birgitta Jónsdóttir im Cafe Hressó und Austausch über den Stand der Icelandic Modern Media Initiative (IMMI).*

18:00 Uhr: Treffen mit einem Isländischem Aktivisten in der Íslenski Barinn, Austausch über den Prozess des Neuschreibens der isländischen Verfassung und über LiquidFeedback.

20:00 Uhr: Interview mit der Reykjavik Grapevine im Cafe Hressó.

Mittwoch 19.10.:

10:30 Uhr: Treffen mit dem Abgeordneten Guðmundur Steingrímsson, der in Island eine neue Partei gründen möchte. Führung durch das isländische Parlament durch Steingrímsson, Austausch über insbesondere den Aufbau einer Partei und Erläutern von Liquid Feedback in der Parteiarbeit.*

16:00 Uhr: Teilnahme am Start der Plattform Better Reykjavik und LiquidFeedback-Präsentation für die Entwickler von Better Reykjavik und Mitglieder der Besten Partei.*

21:00 Uhr: Treffen mit IMMI-Aktivisten und Diskussion über den Stand des Projektes.

Donnerstag 20.10.:

Ab 12:00 Uhr: Auf Wunsch des Spiegelredakteurs unternehmen wir eine Fahrt in die Natur. Der vom Spiegel bezahlte Fotograf ist gleichzeitig Touristenführer und wir bekommen einiges von Islands einmaliger Landschaft zu sehen.*

Freitag 21.10.:

10:00 Uhr: Interview mit Isländischer Zeitung im Cafe Hressó.

11:00 Uhr: Gespräch mit dem Deutschen Botschafter in Reykjavik.

15:30 Uhr: Unterzeichnung „Declaration of Nothing“ zwischen Bester Partei und Piraten im Hús Höfði.*

Samstag 22.10.:

10:00 Uhr: Whalewatching (leider kein Wal gesehen, darf dafür aber jetzt so oft kostenlos mitfahren bis ich einen sehe, hurra)

16:00 Uhr: LiquidFeedback-Vortrag an der Universität Reykjavik

19:00 Uhr: Treffen mit Locals und gemütlicher Ausklang des Abends

Sonntag 23.10.:

Ausklang der Reise, kein besonderes Programm

Montag 24.10.:

Rückflug nach Berlin

So, nun zum Artikel im Spiegel:

Es wird berichtet, am Montag nach der Landung wären wir direkt von der Isländischen Kontaktperson versetzt worden. Die Isländische Kontaktperson war Heiða Helgadóttir, ihres Zeichens einzige Bezahlte Kraft der Besten Partei und zweifache Alleinerziehende Mutter. Nach der Landung schrieb sie mir per SMS, dass sie sich noch in Reykjavik befände und später käme. Statt darauf zu bestehen, dass sie vom 47 km entfernten Reykjavik nach Kevlavik kommt entschieden wir uns mit dem Bus zu fahren. Allerdings bot uns der freundliche Spiegelredakteur an, uns mit seinem Mietwagen mitzunehmen. Wir verteilten uns auf den Mietwagen des Spiegels und der dapd und fuhren in die Innenstadt. Dort angekommen buchten wir uns über eine Internetseite ein Hotel, weil, das ist ja das praktische am Internet, es gibt es überall auf der Welt wo es Internet gibt. Um 20:00 Uhr trafen wir uns dann mit Heiða (Spiegelredakteur war mit dabei) und wir besprachen den Verlauf der Woche.

Es wird berichtet, dass wir unsere Software LiquidFeedback vorstellen, aber nicht unsere Server in Isländische Rechenzentren stellen können:

1. Wir haben LiquidFeedback Guðmundur Steingrímsson vorgestellt, der wie gesagt eine neue Partei in Island gründen möchte, die, so wurde mir berichtet (kann ich nicht bestätigen) in den Umfragen jetzt schon bei 30% steht. Steingrímsson hat übrigens zwei Ministerpräsidenten in seiner Familie, seinen Vater und seinen Großvater. Wir haben LiquidFeedback den Machern von Better Reykjavik vorgestellt, eine von der Stadt eingesetzte Software zum Diskutieren von Problemen. Die Macher zeigten sich schwer begeistert und würden gerne schauen, wie sie LiquidFeedback in Reykjavik produktiv einsetzen können. Wir hatten die Möglichkeit LiquidFeedback an der Reykjaviker Universität vorzustellen und auch hier war das Interesse an einer produktiven Nutzung groß.

2. Wir können unsere Server natürlich in alle Rechenzentren stellen wie wir lustig sind, aber es wäre natürlich besonders attraktiv wenn ein Gesetz wie die IMMI bereits beschlossen wäre. Wir waren zugegebenermaßen überrascht, dass dem noch nicht so ist. Kein Problem, helfen wir jetzt halt dabei mit, dass IMMI realität wird und schaffen durch unseren Trip nochmal ein wenig Aufmerksamkeit für das Projekt.

Es wird darüber berichtet, wie uns am vierten Tag die Realität einholt, wie ich in einem Jeep mit einer Tagesspiegelredakteurin telefoniere. Warum sitze ich auf einmal in einem Jeep? Achja, der Spiegel wollte ein paar Fotos von uns in isländischer Landschaft haben und so fuhren wir alle gemeinsam mit einem Reiseführer los. Auf einem Berg angekommen klingelte das Telefon. Wie das möglich war ist mir bis jetzt ein Rätsel, fleißige isländische Ingenieure müssen vieles richtig gemacht haben, damit man am Arsch der Welt in einem fahrenden Auto noch halbwegs Empfang hat. Der Tagesspiegel berichtete darüber, dass es von Michael einen Antrag zur Reisekostenerstattung von 2000 Euro an die Fraktion gab. Dieser Antrag wurde aus verschiedensten Gründen abgelehnt, insbesondere deswegen, weil eine Zahlung des Geldes illegal gewesen wäre. Ich sollte nun im Jeep dazu Stellung beziehen. Der Jeep war laut, der Empfang war scheiße und der Redakteur des Spiegels lachte mit Alexander und Martin im Hintergrund. Um 20:19 Uhr schickte mir der Redakteur eine Mail mit dem Text des Tagesspiegels, ich Twitterte „Wenn unser Versuch Politik transparent zu gestalten konsequent skandalisiert werden wird, fickt sich die Gesellschaft selbst ins Knie.“ was auch vollkommen richtig zitiert wird.

Ich kann natürlich verstehen, dass man eine Reisegruppe von zukünftigen Abgeordneten, die sich mit dem Bürgermeister einer Hauptstadt, zwei Mitgliedern des Landesparlamentes, dem dortigen Deutschen Botschafter und allen möglichen Aktivsten eines Landes trifft und dabei auch noch eine neue Demokratieform vorstellt, auf eine Flasche Rum, eine Flasche Wodka und zwei Paletten Bier und ein Telefonat in einem Jeep reduzieren möchte. Ich kann auch verstehen, dass man einfach einen Beitrag der dapd über die gleiche Reise nimmt, mit ein paar vermeintlich brisanten Details anreichert und dann nochmal im Spiegel abdruckt.

Ich finds nur schade. Ich finds schade, denn das wird der Reise einfach nicht gerecht. Ich finde es schade in einem Artikel als unreif bezeichnet zu werden, angesichts des Pensums das wir in dieser Woche abgefrühstückt haben. Ich bin gegenüber der Presse sehr offen und mache mich dadurch angreifbar. Ich bin aber so offen weil ich mir wünsche, dass dieser Vertrauensvorschuss als solcher geschätzt wird und Verhalten und Gesprochenes im Kontext gesehen wird. Die Presse hat genausowenig Bock auf abgelutschte Sprachregelungen wie wir. Berichterstattung wie diese führt aber dazu, dass man zur Skandalvermeidung nur noch das sagen wird, was eben nicht skandalisierbar ist. Es wird darüber geklagt, dass Politik und Politiker so weit entfernt vom Geschehen wären und den Kontakt zur Außenwelt verloren hätten. Wie soll ich denn jemanden an meinen Erfahrungen teilhaben lassen, wenn versucht wird, selbst aus einem korrekt abgelehnten Antrag eines Bezirksverordneten eine Affäre zu basteln? Ich will auch weiterhin gegenüber Sympathisanten, Wählern, Menschen und vor allem auch der Presse offen und authentisch sein. Das geht aber nur dann, wenn man anerkennt, dass die, über die berichtet wird, sich im Zweifelsfall eine Gegenöffentlichkeit verschaffen. Ich lasse meine Arbeit als zukünftiger Abgeordneter und als Parteimitglied nicht auf den Konsum von Spirituosen und Belanglosigkeiten während einer voll Arbeitstreffen gepackten Reise reduzieren.

(p.s.: Der Artikel wurde spät nachts geschrieben, ich bin müde, er wird viele Fehler haben. Wenn ihr mögt könnt ihr mir ne korrigierte Fassung an die hier im Blog hinterlegte Emailadresse schicken. Danke)

47 Kommentare

  1. Tjaja, das „Sturmgeschütz der Demokratie“ mal wieder. Ich kann Rudolf Augstein förmlich rotieren hören. m(

  2. Und wieder einmal wird mir bewusst, warum ich mein langjähriges Spiegel-Abo vor knapp einem Jahr gekündigt habe: Erst ging SPON immer mehr auf das Niveau einer BILD, nun folgt unaufhörlich die Printausgabe.

    Aber: Solche Artikel kommen und gehen – machen Sie sich keine Gedanken darum.

  3. Vermutlich muss auch die Presse erst einmal lernen, mit Leuten umzugehen, die ihr offen gegenübertreten. Irgendwie finde ich es wirklich armselig, wenn Menschen, die sich der objektiven Berichterstattung verschrieben haben, ellenlange Interviews führen, dann einfach nur das bringen, was zur Tendenz des Berichts passt, den sie schreiben wollen und mir am Ende auch noch vorlügen, dass Interviews gar nicht so lang gewesen wären wie sie tatsächlich waren. Der Gipfel der Genüsse ist es dann, wenn aus 90 Minuten Interview 30 Sekunden mit zwei halben Sätzen im Bericht auftauchen und mir erklärt wird, das seien die „spannendsten Stellen“ gewesen.

    Ja, ich denke, Journalisten müssen in Deutschland tatsächlich erst wieder lernen, was Objektivität ist, sie müssen wirklich erst wieder an den Punkt kommen, an dem sie berichten, was ist und nicht das, was sie gern sehen möchten (oder eventuell andere Leute, von denen sie entsprechend beauftragt sind).

  4. Lass dich nicht unterkriegen. Vor allem nicht von einem Spassblatt wie dem Spiegel, einem ehemaligen Nachrichtenmagazin…

  5. „Der Spiegel“ ist schon lang nix anderes mehr als die BILD-Zeitung für die „gehobenen Stände“ (oder die sich dafür halten). Es soll alles bleiben, wie es ist. Besitztstandswahrung ist das einz´ge Ziel. Und damit das klappt, beschäftigt BILD die Leute mit Titten und Ärschen und der SPIEGEL mit Gerüchten, Skandälchen und Berichten über „Wer mit Wem?“. Manchmal tauschen sie die Rollen auch.

    Nicht ärgern, weitermachen!

  6. kann verstehen, dass du enttäuscht bist. Aber scheiß drauf. Ernsthaft.

  7. Nenn doch mal den Namen des Journalisten. Falsch dargestellte dürfen IMHO gerne auch mal zurückschlagen.

  8. Mach ne Gegendarstellung mit dem Zeitplan. Wahrscheinlich lohnt der Aufwand aber nicht, weil sich der Spiegel dagegen wehren würde.

  9. Das war in letzter Zeit schon öfter mein Gefühl: dass eine unehrliche Presse mit grünen Sprechblasen in der Gesellschaft absichtlich unfrieden stiftet. Ich verstehe auch nicht, wie ein Redakteur noch lokal mit euch scherzen und lachen kann, um dann wieder zuhause angekommen loszuhetzen – da wäre ich auch von dieser Person menschlich enttäuscht.

  10. Sorry, ihr liegt hier ganz falsch. Die „Presse“ muss lernen? Wieso, die haben doch ihr Ziel erreicht. Und das klingt wirklich furchtbar. Vom „Spiegel“ im Mietauto mitgenommen (wer hat gezahlt), gerne auch von dapdf, vom „Spiegel“ eine Outdoor-Action mit Jeep spendiert bekommen (wg. der schönen Fotos) – das ist nicht lustig sondern korrupt. Klar, dass so einer dann keinen Respekt mehr vor Euch hat.

  11. GrumpyOldMan

    Da sieht man die Unwissenheit der deutschen Presse – ist Ihnen doch die Skandalisierungsmöglichkeit par excellence durch die Finger geflutscht.

    Sonst hättet Ihr (natürlich völlig unverfänglich) nach der Whalewatching-Tour das weltgrößte isländische Penismuseum (Hið Íslenzka Reðasafn) besucht & wäret gebeten worden, Euch doch um den Walphallus zu versammeln … so als Männerpartei …

    (und ich habe Penis gesagt).

  12. Beim ersten Lesen hört sich das Ganze echt lustig an, trotzdem muss ich F!XMBR02 recht geben. So eine „Mitfahrgelegenheit“ kann auch ganz schnell mal nach hinten losgehen – leider.

  13. Alexander Hauf

    Ich sag einfach mal nein!
    Sorry, es ist ist sicherlich blöd, wenn Presse oder grundsätzlich Information verkürzt wird. Ich gehe jedoch davon aus, dass dies Teil unserer Gesellschaft ist. Es ist einfach bedenkenswert, wenn wirklich die Erwartung besteht, jeden Kontext, jede gesellschaftliche Interpretation und Schlussfolgerung in einer Kommunikaiton mit zu berücksichtigen.

    Kurz: unschöne Geschichte, verkürzt dargestellt, ausschlachtend. Aber hey, so war es schon IMMER und es ist an uns, Kontext entlang unserer Sichtweisen zu suchen um eine Geschichte für uns stimmig zu machen.

  14. Michael Panreck

    Ich hab das Gefühl, viele Leute von der Presse wollen die Piraten total nieder machen. Das Problem: Die Presse kann schon fast entscheiden, wer gewählt werden soll.

  15. @F!XMBR02:
    Die haben ihr Ziel erreicht? Welches Ziel denn? Eine Patei falsch darzustellen? Dann aber herzlichen Glückwunsch!

  16. Es ist einfach nur Neid!
    Ich glaube einige Redakteure tun sich damit schwer,
    daß man mit etwas Mut und einer gesunden Einstellung doch
    etwas bewegen kann.
    Sie würden sich das auch gerne mal trauen, aber
    die Angst vorm Chef ist größer.

  17. Auch eine Beschwerde an den Dt. Presserat wäre sachgerecht.

  18. Da hat sich Niggemeier ja einen tollen neuen Arbeitgeber gesucht, den Artikel werde ich wohl nicht kaufen nur um ihn zu kritisieren ;)

    Vielleicht solltet Ihr die generelle Pflicht auf eine eine digitale Gegendarstellung fordern: Bei allen Berichten, muss auf die Website der Betroffenen verlinkt werden (ok, Papierzeitungen müsse noch sterben).

  19. @F!XMBR Und Du weisst das aus welcher Quelle?

  20. Das erste was mir zu diesem Blogeintrag und der Reaktion einiger Piraten einfällt ist: Doppelmoral. Die Artikel über andere Parteien sind meist auch nicht objektiv und fair werden aber, auch von Piraten, trotzdem als Wahrheit genommen und genutzt. Und wenn ich mir den Zeitplan anschaue… Also wenn du dich über das Pensum beschwerst… Da hat ja ein engagierter Kommunalpolitiker gerne mal mehr in einer Woche… Dann sollte man sich vlt auch nochmal überlegen wie man zum Arbeitspensum von MdBs und MdEPs steht die ja nie im Plenum sind und nie etwas arbeiten…

  21. Markus Zschoch

    Ich finde, wenn man jemand anbietet, eine Strecke mitzufahren, die man eh fährt, ist halb so wild und hat nichts mit Korruption zu tun. Wer in der politischen Landschaft üblicherweise Fototermine bezahlt, weiß ich nicht.

    Mir sind Leute wie die Piraten, die ehrlich versuchen eine bessere und transparentere Politik als die etablierten Parteien anzubieten auf jeden Fall lieber, als eine Regierungen, die das Grundgesetz am laufenden Band missachtet. Selbst wenn die mal in Fettnäpfchen treten.

  22. Ich bezweifele nicht die Aufrichtigkeit des oben geschilderten Terminplans und des guten Willens, den die Piraten der Presse gegenüber auf dieser Reise zeigen wollten.

    Aber ich finde die Frage oder Bemerkung von FIXMBR02 durchaus berechtigt: Wieso laßt ihr Euch vom Spiegel eine Besichtigungstour bezahlen? Das hat was von Vorteilsnahme und eben auch seinen Preis.

    Wo ist der Unterschied, ob ihr Euch den Jeep und die Fahrt mit dem Jeep bezahlen laßt oder ob sich ein Bundestagsmitglied eine Reise oder einen Ferienaufenthalt in einem Gästehaus einer Firma sponsern läßt?

    Ich bin enttäuscht von der Naivität, die aus solchen Handlungen spricht.

    Und ja: Der Reisekostenzuschuß wurde korrekt abgelehnt. Aber warum wurde er überhaupt erst gestellt? Würdet ihr denn nicht darüber lästern, wenn ein CDU-Abgeordneter einen solchen Antrag stellen würde und er abgelehnt würde? Wäre das dann etwa nicht ein Zeichen für die Entfremdung der Prominenz von der Basis?
    Für Euch gelten dieselben Regeln.

  23. Ja, soweit verkommen ist unsere Gesellschaft inzwischen, dass nur noch mit Sensationen Aufmerksamkeit erreicht wird! Christophers Reise wurde durch die Gefälligkeiten vom Spiegel korrumpiert. Da seid ziemlich blauäugig rein gestolpert. Merke: den wenigsten Journalisten kann man vertrauen!

  24. @Jochen: Das sagt ja schmidtlepp selber. Es ist imho für Politiker ein totales No go sich von Journalisten für was auch immer einladen zu lassen. Die haben einen Jeep-Tagesausflug gemacht und der „Spiegel“ hast bezahlt – angeblich wegen Fotos. Schau Dir mal die „Fotos“ an, die da beim Spiegel rausgekommen sind. Die hätten das genauso gut vor dem Hotel machen können. Ausserdem spürt man doch im Spiegel Artikel, den ich schlecht finde, die Kumpanei, die aus jedem Satz quillt.
    Und was daraus folgt: Schlage vor, du hörst dir mal fefes und Franks neues „Alternativlos“ an. Da wird das genau beschrieben von Schirrmacher: erst bauen Medien eine Authentizität auf und damit sie dann als Enttarnet dastehen können, zerstören sie sie wieder. Hat nix mit der Wirklichkeit zu tun. Und die Piraten fallen gerade darauf rein. http://alternativlos.org/

  25. […] gibt es auch noch eine Richtigstellung von Christopher Lauer zu dieser Reportage. Für mich die wichtigste […]

  26. von Esmeralda:
    …“Ja, ich denke, Journalisten müssen in Deutschland tatsächlich erst wieder lernen, was Objektivität ist, sie müssen wirklich erst wieder an den Punkt kommen, an dem sie berichten, was ist und nicht das, was sie gern sehen möchten (oder eventuell andere Leute, von denen sie entsprechend beauftragt sind)“…

    PUNKT. So ist es!

  27. Der einzige Fehler, den ihr gemacht habt, war, exklusiv mit einem Spiegel-Journalisten auf die Reise zu gehen. Der Spiegel ist DAS Organ der Hinterzimmer, der Durchstechereien, des Kampagnenjournalismus. Er schrieb einst Merkel hoch, davor Schröder, er manipuliert die traurigen Restbestände von innerparteilicher Demokratie, schweigt tot was ihm nicht passt, verhöhnt und verzerrt was seinen eigenen Zielen im Weg steht. Jede Woche ein „Kauft Steibrück! Steinbrück hilft gegen Falten, Pickel und hat viele wichtige Vitamine“-Werbeartikel. Einen Journalisten dieses Magazins bevorzugt zu behandeln und mitzunehmen war der Griff ins Klo. So gesehen: selber schuld, aber vielleicht könnt ihr das Erlebnis ja konstruktiv in euren Lernprozess integrieren, und zb. mal eine Arbeitsgruppe „Macht der Medien und Kampagnenjournalismus“ initiieren. Damit ihr dem nächstes Mal nicht so hilflos ausgeliefert seid.

  28. Also Ihr Kritiker,
    1) ich würde mich jedes mal wieder mitnehmen lassen. Warum? Weil wir Menschlichkeit
    nicht pervertieren lassen dürfen. Nur wenn man den Spiegelreportern vorlebt, was Offenheit und Vertrauen heißt, kann man sie ihre eigne Verkommenheit spüren lassen.
    2) Seit wann ist es Vorteilsame, wenn ein Reporterteam einen Fototermin machen will und was spektakuläres haben möchte und man dann gemeinsam hin fährt. Das ist doch wohl normal, nicht mit zwei Wagen zu fahren. Schon mal was von Ökologie gehört??

    Es ist nur wichtig zu wissen, was die daraus machen wollen und es ihnen auch offen ins Gesicht zu sagen. Offenheit und Transparenz muß auch für die Gegenseite gelten. Also nichts ändern, aber wissen was die anderen daraus machen wollen. Wenn ihr offenen Auges in die Gefahr geht, ist es keine mehr und wichtig zusammenhalten.

  29. Hallo,

    ich möchte mich mal als Teilzeitjournalist im Anfangsstadium bezeichnen. Schwerpunktthema Sport. Man versucht wirklich über ein geschehen zu Berichten, möglichst nichts wichtiges auszulassen und den Leser so zu informieren dass, wenn überhaupt nur wenige Fragen offenbleiben. Ich bekomme keinen Cent dafür. Da sieht man mal was es für Leute gibt und wie sehr sie ihren Job noch ernst nehmen. Für mich sind diese genauso weit wie die etablierten Politiker in diesem Land von der Realität entfernt.
    Ich kann nur hoffen ihr macht weiterhin für uns Leser solch eine Öffentlichkeitsarbeit.
    Vielen Dank!

    PS: Tretet den etablierten mal so richitig in den …

  30. Danke Chjristopher für deinen Kommentar zum SPIEGEL-Artikel. Ich hoffe, dass möglichst viele Journalisten diesen lesen und ernst nehmen – im Interesse einer neuen Medienkultur, in der Politiker wieder ehrlich und offen sein können.

    Zumindest die, die es so wie die PIRATEN auch wirklich sein wollen.

    Gruß
    Matthias

  31. Kopf hoch, Christopher. Ich kann mich den Kommentaren hier nur anschließen.

  32. Lasst euch von sowas nicht unterkriegen, bleibt einfach authentisch, das ist euer Markenkern. Sonst gewinnen eure Kritiker. Seid einfach vorsichtig was Einladungen, Reisekosten, Vergünstigungen etc betrifft, eine skeptische Grundhaltung was das betrifft kann zweifellos nicht schaden.
    Die Presse verdreht am Ende alles in ihrem Sinne. Reicht ja schon, wenn so wie hier Nebensächlichkeiten überbetont und wichtiges nur am Rande oder überhaupt nicht erwähnt wird. Die subtile Beeinflussung durch geschickte Wortwahl und Betonung ist leider genau das, wovon die Presse am meisten versteht und womit die Öffentlichkeit aufgestachelt wird…

    Eben gefunden, der isländische Genforscher Kári Stefánssonaus über den deutschen Journalismus:

    „Kári, Sie können deutsche Journalisten nicht ausstehen“ … „Warum ist Ihnen unsere Truppe so unsympathisch?“

    „Das liegt einfach daran, dass sie offensichtlich andere Anstandsregeln haben als die Journalisten im Rest der Welt. Deutsche Journalisten verstellen sich. Sie haben keine Skrupel zu täuschen und zu verschleiern, auf was sie in Wahrheit hinauswollen. Das widerspricht völlig den ethischen Grundsätzen des professionellen Journalismus“ … „In meiner Erfahrung mit deutschen Journalisten gab es leider keine einzige Ausnahme. Ich habe mit Journalisten aller großen deutschen Tageszeitungen und fast aller Fernsehsender gesprochen. Und wirklich jeder einzelne von ihnen verhielt sich gleich.“

    „Ich will mir kein Urteil über das Fachwissen deutscher Journalisten erlauben. Ich möchte nur sagen, dass sie alle ohne Ausnahme A………. („Pieces of shit“) sind. Vielleicht sind sie sehr gebildete A………., aber das ist mir gleich.“ … „Ich habe noch keinen anständigen deutschen Journalisten kennengelernt! Das ist wirklich seltsam…“

    Gefunden bei: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/pieces_of_shit/

  33. Da habt ihr eine Handvoll Termine gehabt und du redest von einem großen Pensum. Hast du dir mal die Terminkalender der Spitzenpoltiker anderer Parteien angesehen?

    Denkst du nicht, dass es anderen Poltikern teilweise ganz genauso geht? Sie reden mit den Journalisten auch viel offener als das nach aussen aussehen mag, für die haben du und die anderen Piraten aber nur Verachtung übrig. Mir gefällt es, wenn ihr mal am eigenen Leib das erlebt, was für Politker fieser Alltag ist. Es ist nicht einmal losgegangen und jetzt gibt es schon Geheule.

  34. Markus Knust

    Wie ich Dir schon bei Twitter mal geschrieben hatte, jedes Feedback ist ein Geschenk.

  35. Was für ein Gesocks die Johurnaille ist, hat schon Karl Kraus vor über 100 Jahren beschrieben. Es ist seitdem noch schlimmer geworden. Und dass der SPIEGEL inzwischen sowas von verkommen ist, pfeifen doch die Spatzen von den Dächern. Dafür wird die ehemals reaktionäre FAZ inzwischen ja richtig lesbar (in weiten Teilen).

  36. Mal im Ernst, was habt Ihr erwartet was der Spiegel daraus machen würde ?
    Aber ich mache selbst IMMER wieder diesen Fehler und lasse ihn mir auch nicht nehmen; denn : vertrauen schafft Vertrauen !

  37. „Lass dich nicht unterkriegen“ etc. bringt nichts! Mal ein Gesamtbild:

    zum Trojaner geschwiegen,
    Energie für das hochjagen von „bimsen“ verschwendet, während alle auf VERNETZUNG warteten: kein Wort zum Beispiel zu Frank Riechers Darstellung w i e der Trojaner gehackt wurde, stattdessen stolz gewittert, welches TV Team jetzt schon wieder da ist
    in Island gesoffen,
    über Autogrammkarten nachgedacht, als die Bundestagsdebatte lief,
    und sich vom Spiegel bezahlen lassen, der dieses Entgegenkommen mit Verachtung und Spott quittiert.
    und jetzt wieder Schmidtlepp, was er bei Blasberg wie und wo sagen wird

    es ist so ekelhaft.

    Die tweets von Afelia und Schmidtlepp während der letzten 2 Wochen sind unterirdisch. Dabei geht es nicht um: „Ich werde ja nicht bezahlt“ oder „Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich privat twittere.“ Es ist schlicht verantwortungslos.

  38. Twittert was und wann ihr wollt, sauft auf Island, macht halt kein gockeliges Empörungskekswichsen zum Bundestrojaner, lasst euch nicht von Klugscheißern verfefen, redet von mir aus auch mal ein Wort zu viel mit der Presse ABER (und da muß ich dem aus Gründen nicht mehr beachteten Blogger Herrn S. – der hier rantet – Recht geben): nehmt nichts an. Keine Mitfahrgelegenheit eines Redakteurs, keine Reiseleitung (aus welchem Grund auch immer), keine Tasse Kaffee, kein Kaugummi, nichts. Keinen Gefallen, keine geldwerte Leistung, kein augenzwinkerndes Irgendwas. NICHTS. Hier im bösen RL ist man damit am Ende immer der Dumme. Einfach ‚Nein‘ sagen, häufiger. Fledermausland, nicht anhalten.

  39. Carsten Beck

    @F!XMBR02:

    mir ist es scheißegal, wenn sich ein politiker von einem journalisten zu einem tagesausflug in die isländische wüste einladen läßt – ich will es nur wissen. mir ist dann dann schon selber klar, wie ich die umstände zu werten habe.

    die verhältnismäßigkeit darf man auch im vorliegenden fall ruhig auch mal im auge behalten – hier geht es schließlich nicht um 5-stellige nebeneinkünfte.

    mit deinem zweiten kommentar kann ich schon mehr anfangen – die schlafmütze mit der aufschrift bundestrojaner müssen sich die piraten wohl anziehen. die durch medien konstruierte pseudo-authentizität sehe ich schon wieder nicht als problem – wer sich über politik nur aus einer quelle informiert, begeht sowieso einen kardinalfehler.

    grüße, carsten

  40. Nur nicht unterkriegen lassen Herr Lauer, die Presse wird sich halt erst noch daran gewöhnen müssen, dass Politiker auch nur Menschen sind.

    Gruß, Paul

  41. […] Christopher Lauer » Der Spiegel über unsere “Lustreise” Der Spiegel über unsere “Lustreise”. Ich möchte die Leser meines Blogs darauf hinweisen, dass im aktuellen Spiegel unter dem Titel “Wodka, Rum und Dosenbier” ein Bericht über die Island-Reise von Alex… […]

  42. Die Zeiten ändern sich… wenn man Heute nicht nach 10 Minuten schon eine Stellungnahme zur Hand hat ist man eine Schlafmütze ?
    F!XMBR .. wie wäre es mit etwas RL ? Ich habe die Kritik an der Untätigkeit der Piraten noch VOR der Meldung über den Bundestrojaner gelesen.

    Gruß
    Hoax

  43. Ich habe den Artikel nach Deinem Blogeintrag mal gelesen und bin etwas verwundert. Ich frage mich, ob hier alle, die gleich wahllos auf den bösen Spiegel eindreschen, den Artikel überhaupt gelesen haben. Auch nach Deinen Ausführungen scheint erstens jede Zeile in dem Artikel zu stimmen und sich zweitens ein ziemlich ausgewogenes Bild eurer Partei zu ergeben.

    Der Artikel reduziert eure Reise nach Island überhaupt nicht „auf eine Flasche Rum, eine Flasche Wodka und zwei Paletten Bier und ein Telefonat in einem Jeep“ wie du schreibst. Das machen zwei Absätze aus und scheinen bloss die Sachen zu sein, die Dich am meisten stören, und die der Redakteur Deiner Meinung nach nicht hätte schreiben sollen – warum auch immer.

    Der Artikel beginnt ausführlich mit eurem Besuch im Rathaus, porträtiert den Bürgermeister von Rejkjavik, erwähnt euer „sensationelles Wahlergebnis“, die Auftritte bei Anne Will und Bärbel Höhn, beschreibt die „Methoden der Presse, die Intrigen der Opposition“ und die „Isländische Initiative zu modernen Medien“. Und unter anderem heißt es: „Die Beste Partei und die Berliner Piraten wollen sich lösen von den Dogmen der althergebrachten Politik. Sie wollen ehrliche Volksvertreter sein, die nicht alle Antworten wissen. Die sich öffentlich streiten, wenn es sein muss. Und für die Politik auch Humor haben darf.“

    Was wollt ihr eigentlich? Eine Zusammenfassung der Reise in eurem Sinne, weil ihr -im Gegenzug- gegenüber Journalisten immer so offen seid?

    Jonathan

    PS.: Wer mal einen wirklich bösen Artikel über einen Politiker lesen will, der trotzdem nicht so wehleidig reagiert hat wie ihr, dem empfehle ich: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65489970.html

  44. Auf einmal kommen die Neunmalschlauen und erzählen was von Vorteilsnahme, weil normale Bürger mit Journalisten im Mietauto mitfahren? Die sind erst seit gestern Abgeordnete. Auch wenn die in den Medien seit dem 18.9. als MdA verkauft werden.

    Weniger spiegel, stattdessen TFM lesen.

    Die Besten der Besten der Besten

  45. […] Christopher Lauer: Der Spiegel über unsere “Lustreise” Christopher Lauer: Der Spiegel über unsere “Lustreise”: […]

  46. […] der Textversion der Rede, die wir als Beispiel in 12 Sprachen übersetzen, bin ich auf ein weiteres brisantes Beispiel gestoßen. Nämlich eine klasse Reise einiger Piraten nach Island, wo gerade enorm andere, neue Politik […]

  47. […] Gnarr, Alexander Morlang, Martin Delius und Christopher Lauer nach der gestrigen Unterzeichnung im […]

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