Ich habe ADHS – und das ist auch gut so

In der gestrigen ARD Doku „Piraten in der Politik – 100 Tage einer Aufsteigerpartei“ wurde unter anderem thematisiert, dass ich ADHS habe. Da ich heute viele Mails mit Fragen bekommen habe, möchte ich an dieser Stelle ein paar Dinge zu ADHS und meinem Outing schreiben.

Vorab: Die Thematisierung geschah in Absprache, das heißt ich wurde hier nicht übers Ohr gehauen. Es war meine bewusste Entscheidung, das Thema ADHS im Rahmen der Doku zur Sprache zu bringen.

Was ist eigentlich ADHS? Hinter den Buchstaben verbirgt sich Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom. Was bedeutet das? Man nimmt die Welt anders wahr. Das ist natürlich eine sehr saloppe Beschreibung, aber das ist ADHS für mich. Eine genaue Beschreibung findet ihr in der Wikipedia.

Durch ADHS habe ich gegenüber Menschen, die kein ADHS haben Vor- und Nachteile. So kann es von Vorteil sein, in einer komplexen Situation viele Details schnell erfassen und zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen fügen zu können. Es kann aber auch einfach nur nerven, wenn man in einem Restaurant sitzt und jedes Gespräch im Raum genau so wahrnimmt, wie das Gespräch mit dem Gegenüber. Leuten, die wissen wollen wie das ist, empfehle ich immer diese Szene aus Sherlock Holmes mit Robert Downey Jr.

Ich habe ADHS mein Leben lang, es wurde bei mir jedoch erst Mitte 2011 diagnostiziert. Ich habe also ADHS im Erwachsenenalter und 27 Jahre normal gelebt. Ich benutze das Wort „normal“ hier sehr bewusst, denn Leben mit ADHS ist mein Normal. Die landläufige Meinung, dass es sich bei ADHS um eine Kinderkrankheit handelt ist falsch. ADHS ist nichts, was auf Schlag mit dem 18. Lebensjahr aufhört, es ist ein Wahrnehmungszustand, der einen das ganze Leben lang begleitet.

Schon bei der Diagnose durch den Neurologen fiel mir auf, dass er sich mir gegenüber so verhielt, als müsste er mir eine schlimme Nachricht überbringen. Mich verwunderte das. Je mehr ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe, desto deutlicher wurde mir klar, dass Menschen mit ADHS mit Vorurteilen begegnet wird. Aufgrund der Nachteile, die ADHS mit sich bringt, wird unterstellt, an einer furchtbaren Krankheit zu leiden.

Um es ganz klar zu sagen: Ich leide nicht an einer furchtbaren Krankheit. Die Diagnose war für mich ein sehr wichtiger Moment, denn auf einmal konnte ich sehr viele Ereignisse in meiner Biographie erklären. ADHS soll nichts rechtfertigen oder entschuldigen, es hilft mir, mich in der Welt einzuordnen.

Nach der Diagnose machte ich in meinem Bekanntenkreis und auf Twitter kein Geheimnis daraus, dass ich ADHS habe. Im Gegenteil, ich gehe sehr offen damit um. Ich möchte das Bewusstsein und die Akzeptanz für einen Zustand schaffen, mit dem ca. 2-5% der erwachsenen Bevölkerung leben.

Ich nehme Methylphenidat. Dies ist der Name eines Präparates, welches einem breiteren Publikum unter dem Handelsnamen „Ritalin“ bekannt geworden ist. Allerdings gibt es Generika diverser Firmen. Wichtig ist: Ich nehme Methylphenidat wegen und nicht gegen ADHS. Ich empfinde es als großes Glück, 27 Jahre normal gelebt zu haben und durch das Medikament für 2,5 Stunden oder länger in eine Welt eintauchen zu können, die mir vorher verschlossen war. Ich bin gelassener und es macht meinen Alltag, insbesondere im Umgang mit anderen Menschen, einfacher. Das bedeutet nicht, dass ich ohne das Medikament nicht mehr klarkommen würde. Die Einnahme von Methylphenidat ist ein bewusster Akt und ein Zugeständnis an eine Gesellschaft, in der 95% der Menschen eben kein ADHS haben.

Mit meinem Schritt in die Öffentlichkeit möchte ich andere ADHSler dazu bewegen, mutig, selbstbewusst und offen mit diesem Zustand umzugehen. Vor allem möchte ich, dass in der öffentlichen Diskussion die Vorteile von ADHS in den Vordergrund rücken. Nichtlineares, asynchrones Denken ist eine Bereicherung für alle. ADHS im Erwachsenenalter ist ein wichtiges Thema. Ich bin wegen, nicht trotz ADHS so wie ich bin.

Ich habe ADHS – und das ist auch gut so.

72 Kommentare

  1. Wurde in meiner Kindheit auch diagnostiziert, wobei immer gesagt wurde “das geht mit der Pubertät weg”, was ich nicht so glaube. Aber vieles was du an dieser und an anderer Stelle beschreibst kenn ich auch, oder wird mir jetzt erst klarer.

  2. “Methylphenidat” kann man übrigens auch sehr gut als Text auf “feliz navidad” singen.

  3. Du hast mich gestern in der Sendung schwer beeindruckt, einfach großartig, wie natürlich und menschlich Du rüberkamst. Sowas bin ich von Politikern nicht gewöhnt.

  4. Moin, Glückwunsch.

    Ich hab das selbe durch allerdings nicht mit ADHS und nicht erst mit 27.
    Ich bin Legastheniker und das ist schon bekannt seit der 3 Klasse.
    Nichts desto trotz sind meine Empfindungen ähnlich, den ähnlich wie ADHS ist auch Legasthenie eine Wahrnehmungsstörung. Kann also recht gut nachempfinden wie es dir geht, leider gibts für mich keine Medikamente die das nach bedarf Ausblenden/Vermindern, wen man es Braucht.
    Na ja mach weiter so und bleib wie du bist.

    Grüße aus Bremen Jojo

  5. (leser, piratenpad- und piratenwiki-contributor.)

    …ich hätte es für etwas konstruktiver gehalten, wenn das thema ADHS bei Christopher nicht derart zum hauptthema in der gestrigen – von dir ja auch per twitter via twitter-reaktionen beobachteten – ARD-doku ausgewalzt worden wäre.

    was ADHS für dich persönlich bedeutet, ist dein privatanliegen, als piraten-mitglied und abgeordneter der berliner piratenfraktion sollte es einfach themen geben, die grundsätzlich wichtiger sind – auch für dich, gerade in einer ARD-doku. die verantwortung für das breitwalzen liegt meiner meinung nach v.a. bei Nicola Graef und Torsten Mandalka, bei dir liegt die veantwortung dafür, dass du dem breitwalzen zugestimmt hast.

    das ist genau die form der personalisierung in der politik, die den piraten – auch dir, Christoph – per selbstverständnis zuwider sein sollten.

    ich teile die meinung vieler mit-tweeter zum gestrigen film: etwas weniger seife, etwas mehr inhalt.

    • Christopher Lauer

      Wenn Du Inhalte willst google doch mal einfach meinen Namen und geh auf News. Schultrojaner, Schutzpolizeilaufbahnverordnung, Funkzellenabfrage. Die Piraten im AGH arbeiten auch thematisch.

  6. Ich finde es gut, dass Du so offen damit umgehst. Ich kann mir noch immer noch so recht vorstellen, wie sich das Ganze in Deinem Alltag darstellt, inwieweit es Dich “behindert” oder wo Du auch Vorteile daraus ziehst.

    Nach dem wie Du es beschreibst und auch das, was ich im Wikipedia-Artikel nachgelesen habe, kann ich Ansätze/Teilsymptome davon auch bei mir feststellen. Es steht aber auch zu lesen, dass es unterschiedliche Grade der Symptome gibt.

    Normalität ist für mich ein recht schwieriger Begriff wenn es um menschliche Eigenschaften geht. Jeder hat doch irgendetwas, was von der “Norm” abweicht. Aber macht nicht gerade das einen Menschen aus, dass er eben ist wie er ist – anders als andere?

    Von daher: Du bist so, wie Du bist. Ob wegen oder trotz ADHS ist hierbei mAn nicht von Belang. Man sollte sein Gegenüber einfach so akzeptieren wie es ist!

  7. @Leser: Würdest Du ähnliches Dinge fordern, wenn Christopher schwarz wäre? Jüdischen Glaubens? Im Rollstuhl sitzen würde? ADHS wird kaum thematisiert – ist es deswegen weniger erwähnenswert? Christopher hat im obigen Artikel dargelegt, warum er es in dieser Doku mit erwähnt hat. Dies halte ich für legitim.

    Es ist ein Teil von ihm. In der Doku hat es meiner Meinung nach nur einen Bruchteil der Dokuzeit eingenommen. Breitgewalzt geht anders.

  8. Hallo, Christopher.

    Ich finde es sehr mutig von dir, dass du auch Teile deines persönlichen Lebens als öffentliche Person in den Kontext deiner Arbeit stellst. Einige werden denken, dass dies Teil deiner Selbstvermarktungsstrategie sein würde, doch sie tauschen dein Statement für die ernsthaft an ADHS Leidenden einfach gegen ein bisschen Aufmerksamkeit, die sie als lediglich an Neid und Ehrgeiz erkrankte, ansonsten gesunde Menschen ohne eine kritische Bemerkung nicht erhalten würden.

    Du weist zu Recht auf die gefährliche Leichtfertigkeit vieler erwachsener Menschen hin, ADHS wäre als Konzentrationsschwäche und einem sehr aktivem Verhalten eine Kinderkrankheit, weil Erwachsene und leider auch Eltern das Verhalten von Kindern nach Erwachsenenmaßstäben bewerten. Gefährlich, weil einige Eltern einen Arzt suchen, die diese Diagnose bestätigen und Beruhigungsmittel für das Kind kaufen – damit es nicht mehr schreit, nicht mehr singt, nicht mehr tobt und nicht mehr spielt und sich “ganz normal” zombiehaft still verhält. Eine der vielen neuen Formen der Ignoranz, die die Gesellschaft befallen hat, gegen die es, anders als für ADHS, keine Pharmaka gibt.

    Du weißt bestimmt schon, dass das Syndrom dir bei deiner politischen Arbeit in einem gewissen Maße behilflich ist. Nicht nur bei verschämt verschwiegenen Machtspielen hättest du den natürlichen Vorteil, ein Netz von “Intrigen” zu durchschauen, sondern auch bei komplexen politischen Sachverhalten kannst du rasch einen Überblick gewinnen. Wie gut bist du im Schach?

    Andere Spitzenpolitiker weisen, und das wird auch verschwiegen, zumindest ferndiagnostisch ebenfalls Symptome für psychische Beeinträchtigungen auf, die ihnen entweder im politischen Arbeitsleben einen Vorteil verschaffen oder in seltenen Fällen auch einer der Gründe für ihre Aktivität in der Politik sind. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass du vermehrt Leidensgenossen im Abgeordnetenhaus oder in Führungspositionen in Organisationen und Firmen finden würdest.

    Die Diagnose psychischer Einschränkungen wie ADHS ist also bei weitem nicht so folgenreich, wie gemeinhin vermutet und bestätigt optimistisch betrachtet ein natürliches, mit Nachteilen verbundenes Talent. Aber wie die meisten psychischen Einschränkungen und auch ernsthaften Erkrankungen wird ADHS von der Gesellschaft nicht wirklich ernst genommen, so wie auch Burnout als Modekrankheit verlacht wird, die aber den meisten der 15 Piraten am Ende ihrer Amtszeit, und nicht nur ihnen, droht!

    Ich bin froh, dass dich diese Einschränkung in deinem Alltag nicht schwerwiegend beeinträchtigt und dass du dich weitestgehend damit arrangieren konntest.

    Alles Gute.

    PS: Von einigen, die mich näher kennen, werden Symptome für das Asperger Syndrom an mir abgezählt. Schulterzuckend habe ich mich nie darauf untersuchen lassen, weil es mich bisher einfach nicht beeinträchtigt hat, falls ich es denn wirklich hätte. Sozialpathologische Hypochondrie im Bekanntenkreis ist einfach zu komisch.

  9. Simone Rahimpour

    Lieber Christoph,
    Dein Bekenntnis ist im Moment unpassend. Wenn dem so wäre, dass die etablierten Parteien in einer Lauerstellung verweilen und die Piraten, bzw. die Wahrnehmung der Piratenpartei durch die Allgemeinheit, beobachten, dann hat auch das Zugeständnis jeden Abend eine Tafel Schokolade zum Einschlafen zu brauchen in so einem 100 Tage Resüme einfach nichts zu suchen. Es schwächt die Partei und stärkt sie nicht. Und glaube mir, ich weiß von was ich spreche. Deine geschilderte Wahrnehmung Deiner Umwelt in den letzten 27 Jahren, erlebe ich genauso, wie Du sie geschildert hast und ich habe definitiv kein ADHS.
    Unsere Gesellschaft kann noch nicht damit umgehen, exebizinistisches Outing als friedliches Wahrnehmungsangebot zu verstehen und sich geehrt zu fühlen, dem Vorbild nacheifernd, dasselbe zutun. Die Deutschen sind noch lange nicht so weit. du tust das mit Dir, was die bild mit wulff macht. Glaubst Du, die paar die wissen, dass sie ADHS haben und zufälligerweise nun auch informiert wären, dass Du es ebenfalls hast und nun öffentlich dazu stehst, glaubst Du, dass diese paar eine Wahl entscheiden könnten? Ist es nicht vielmehr so, dass Du glaubst etwas Gutes getan zu haben, ehrlich, authentisch gewesen zu sein und das sich die Strategen der etablierten Parteien nicht nass machen vor lachen. von allen bekannten Köpfen Eurer Partei, warst Du der, der mir am gefährlichsten schien und jetzt. Jetzt hast Du dich selber entwaffnet. Gut es ist nur bildlich, aber der O-Ton der Reportage war nicht für, sondern gegen Euch. Es war ein Abwasch und es tut mir leid. Ich stamme aus einem antipolitischen Haushalt, meine eltern sind nicht intellektuell und ich kann mit dem Internet und dem PC nicht gut umgehen und doch wollte ich mich eigentlich bei Euch politisch involvieren. aber ich kann keiner destruktiven Struktur beitreten. Wenn Du frustriert bist, wenn es nicht so läuft wie du es Dir wünschst und wenn Du Konkreteres, Zielorientierteres oder was auch immer Dir wünschst, dann ist das so ok und ungeduld ist auch ein Zeichen von Verantwortungsbewußtsein, warum soll das therapiert werden? Ich kann gespräche an anderen Tischen auch alle unnormal laut hören und nehme mehr wahr als meine tischnachbarn. Da kann man doch stolz drauf sein, aber man erzählt es nicht offentlich. Wenn einen niemand versteht, dann wird man auch schnell mißverstanden und man wird in eine falsche Schublade gesteckt. Souverän zu wirken, schafft Vertrauen, in einer Zeit der Vertrauenslosigkeit. Zu viel Offenheit schafft oft Mißtrauen. Wer sind eure Berater? H. hat nicht mit Dir gelacht, erhat über Dich gelacht. Möge sein Lachen ihm im Halse stecken bleiben.
    Ich achte Dich als Mensch und wünsche mir aber ein Vorbild als Politiker. Einen starken Politiker, der mir Sicherheit suggeriert, zumindest seine Chancen anständig wahrzunehmen und sich durchsetzen zu können. Warum gibt es nur eine Frau und die ist erst 19? Ich muß mir die nächsten Tage mal anständig Zeit nehmen und das Parteiprogramm oder zumindest das vorläufige Konzept besser studieren. Mich jedenfalls hat die Reportage Euch gegenüber eher verunsichert als etwas für mich gebracht. LG, Simone R.

  10. Hey Christopher. Danke für deinen Beitrag – er erinnert mich sehr an mein Outing welches eher provokant war und dementsprechend gewisse Wellen geschlagen hat.

    http://monah.ch/blog/2011/08/26/ritalin-ist-kein-sugus/

    Ich Lebe ohne Medikamente und versuche so gut es geht mit gewissen Tricks & Tasks durch mein Leben zu gehen. Die Personen im meinem Leben wissen wie ich Ticke und nehmen mich (zum Glück) so wie ich bin.

    Wünsche dir weiterhin viel Kraft und Power!

    Liebe Grüsse Monah

  11. Piratensympathisant

    Ich finde das entscheidende bei Dir Christopher, und das gilt nicht nur unter den Piraten, sondern unter allen derzeitigen Politiker, du steckst unheimlich viel Enthusiasmus und Herzblut in deine Reden. Ich finde vom rethorischen Grad her bist Du mit einer derjenigen, die noch viel erreichen werden! Ob das nun an ADHS liegt, dass Du so entschlossen und Zielstrebig sprichst, mag ich nicht zu behaupten. Aber negativ beeinflusst hat es deine Redekunst bisher nicht. Ich finde du hast vor allem etwas, was meiner Meinung nach der derzeitig beste Redner im Bundestag hat, nämlich Gregor Gysi, und das ist der gewisse gesunde Hang zum Sarkasmus bzw. Zynismus. Mach weiter so wie bisher und halte deinen Kurs, egal ob ADHSoder nicht. Du machst einen spitzen Job!!

  12. Frau von Hempel

    gefällt mir…
    auch ich hab adhs und ich bin meist ganz glücklich damit…
    klar,wenn ich keinen leidensdruck gehabt hätt, wär ich auch nie zum doc gegangen aber dann war da auf einmal ein ahaeffect, der mir geholfen hat erlebnisse und erfahrungen besser einzuordnen…
    jetzt seh ich mich ganz klar im vorteil, also eher adhs-begabt als adhs-krank,auch wenn das ein wenig großkopfert klingt.
    ich mags wie du dein adhs siehst, ich hab die diagnose schon länger und hab viel ehrenamtliche arbeit mit adhs kids und erwachsenen gemacht, und bin grad auf dem weg das zu professionalisieren und ich bin der meinung das sowas genau die adsler brauchen (ich sag auch bewusst net adhs betroffene) nämlich jemand der öffendlich zeigt das man mit adhs normal ist und kein freak. den kids hab ich immer erklärt dass man adhsler und nichtadhsler vergleichen kann wie zwei betriebsysteme bei computern… jedes hat stärken und schwachstellen aber beide funktioniern trotzdem prima…
    lange rede-
    mach weiter so, auch beiden piraten!
    liebr grüße
    frau von hempel

  13. @Simone

    Das Ganze mit der schäbigen Medienprogrammatik einer überflüssigen Boulevard-”Zeitung” zu vergleichen ist schon sehr abwegig und unpassend.

    Ich achte Dich als Mensch und wünsche mir aber ein Vorbild als Politiker. Einen starken Politiker, der mir Sicherheit suggeriert, zumindest seine Chancen anständig wahrzunehmen und sich durchsetzen zu können.

    Und das kann jemand nicht, weil er zu einem Teil seiner Persönlichkeit steht?

  14. Wolfgang Britzl

    Du sprichst mir aus dem Herzen, glaube ich…. Ich konnte so viel Text nicht am Stück lesen und freue mich auf meinen baldigen Arzttermin! Ich hoffe wirklich dadurch mein Leben auf die Reihe zu bekommen.

  15. Okay, es ist vielleicht etwas zu privat und unhöflich, trotzdem erlaube ich mir diese Frage:

    Wie bist Du auf die Idee gekommen, dass du ADHS hast? Wie hast Du einen Arzt gefunden, der sich mit ADHS im “Erwachsenen”-Alter auskennt?

    Was rätst Du möglicherweise Betroffenen zu tun? Hausarzt? Psychologe? Direkt zum Neurologen?

  16. Ich bin in die Piratenpartei eingetreten mit der Vorstellung, hier “etwas” für die unter AD(H)S leidenden zu tun (manche leiden datunter mehr, manche weniger. Am wichtigsten ist es sicherlich, die Akzeptanz zu erhöhen (narürlich spreche ich aus eigener Erfahrung), und ich stelle mir vor, dass du in dieser Hinsicht durch den Film etwas Positives geleistet hast. Es gibt sicherlich eine Menge Mitbetroffene bei den Piraten, vielleicht erreichen wir zusammen etwas.

  17. Was hältst du denn davon, dass AD(H)S ein bisschen zur Modekrankheit geworden ist? Meine Mutter ist Grundschullehrerin und meint, dass mittlerweile viele “auffällige” Kinder diese Diagnose kriegen und man es sich damit manchmal zu einfach mache. Durch diese Diagnose würden sich die Kinder nämlich in gewisser Weise darauf ausruhen (“Ich bin halt anders”) und weniger bemüht sein, auch mal länger konzentriert an einem Thema zu arbeiten. Das soll auf keinen Fall heißen, dass es die Krankheit nicht gibt, allerdings sehe ich die Gefahr, dass es zu häufig diagnostiziert wird. Was denkst du dazu?
    Grundsätzlich fand ich deinen “Auftritt” in der Sendung sehr gelungen und das Format interessant. :)

  18. Aus welchem Grund warst Du beim Neurologen? Hattest Du eine Vermutung o.ä.?

  19. @Lennart ich glaube, wenn Kinder versuchen, weniger “leisten zu müssen”, dann läuft schon etwas total falsch. Und das sage ich mit der Lebenserfahrung von jmd, der sich in der Schule entweder zu Tode gelangweilt hat oder (teils sozial) überfordert war, der noch nie eine Prüfung oder einen Test nicht bestanden hat und trotzdem keine Ahnung hat, was das alles soll. Als jemand, der sich immer auf “ohne lernen geht’s auch” ausgeruht hat weil die vorgegebenen Strukturen nicht auszuhalten waren und der am liebsten alles gleichzeitig durchdacht und gemacht hätte, sich aber immer wie das Reh in Schockstarre im Fernlicht des herannahenden Sportwagens gefühlt hat. Was ich (vielleicht?) sagen will: Für manche (und ich fürchte sogar für viele) sind die Lernbedingungen einfach furchtbar. Zu glauben, Kinder würden es sich gerne “leicht” machen, indem sie auf ein Defizit verweisen, ist m.E. irgendwie intrinsisch mit das Problem und vielleicht sogar self-fulfilling-prophecy – oder so…
    tl;dw

  20. Hallo Christopher, die Doku der ARD hat mir, gerade wenn es um dich ging, sehr gefallen! Die Form der Transparenz, die du versuchst rüberzubringen scheint für mich das rechte Maß zu sein. Die Vorwürfe, dass du ein Machtmensch bist, wie es ihn in jeder anderen Partei auch gibt, lasse ich nicht gelten. Du bist ein ein Machtinteressierter in dem Umfeld, welches zu dir thematisch passt, und das ist gut so. Demokratie würde sonst gar nicht funktionieren. Mach weiter so und versuch nicht allzuviele Sympathisanten zu vergräzen. ;)

  21. Hallo Herr Lauer,
    ich finde ihr outing sehr mutig. Dafür verdienen Sie respekt!

  22. Ich bin Piraten Wähler, sonst aber selber nicht aktiv.
    Ich kann den Vorwurf, dass C. den Bericht für sein Anliegen “gekapert haben soll” (hoho) so gar nicht nachvollziehen.
    Ich habe den Bericht in seiner Gesamtheit als Bericht über die Piraten empfunden. Es kam einiges von Euren Anliegen rüber.
    Das Outing von C. war nur ein “Nebenschauplatz”, der ihn für mich nicht als Freak sondern als menschlich rüber brachte.
    Und genau das ist es, warum ich die Piraten (neben einigen sehr guten Programmpunkten wie dem BGE) gewählt habe: Menschlichkeit der Protagonisten, die sich so wohltuend von dem gleich geföhntem Einheitsbrei abheben.
    Und gerade C. eignet sich doch prima als Vorbild: hoch motiviert und engagiert, eloquent und sogar ‘nen Anzug kann er problemlos tragen! ;)

  23. Du bist in der Doku durch dein Outing als Mensch rübergekommen, das macht dich sympathisch. Sympathische Menschen will man, dass sie einen in Parlamenten vertreten. Der Mut, den dein Outing erfordert, zeigt, dass du als Pirat Transparenz wirklich lebst. Von daher: Daumen hoch! Alles Gute wünsche ich dir als Pirat und Mensch gleichermaßen.

    MfG
    fernetpunker

    PS: Ich bin selbst psychisch krank und muss Medikamente nehmen und ich hätte mich nicht geoutet, weil mich das angreifbar machen würde. Gerade wenn ich wie du in der Öffentlichkeit stünde, hätte ich es nicht gebracht.

  24. Andreas Sommer

    Ich denke ja auch das man damit sehr wohl sehr öffentlich umgehen kann. Was sollte daran auch schlecht sein. Es ist halt eine Erbkrankheit die nun mal da ist aber trotz allem doch kein Makel oder sonst irgendwas das einen aus der Gesellschaft ausschließt.
    Normal ist ein subjektiver Zustand. Du bist dein Leben lang doch trotzdem gut klar gekommen und es war für Dich normal wie es scheint, wieso sollte das plötzlich wo du die Diagnose vom Arzt hast anders sein, da finde ich seine Reaktion völlig unangemessen und überflüssig.
    Deinen Gefühlsausbruch, sollte er nicht nur Show gewesen sein, fand ich klasse. Das zeig das da wirklich ein Mensch dahinter steckt der sich keine Gedanken um die Reaktion der anderen macht sondern frei lebt wie er lebt und so agiert nach den Werten wie er sie erlernt hat. Emotionale Nähe ist mir wichtig bei allem was man tut und somit auch in solchen Situationen.
    Auch sehe ich es nicht wie vorher kommentiert als Outing sondern einfach nur als Feststellung der Tatsachen. Ihr wollt doch offen sein also ohne Geheimnisse voran schreiten und das ist ein Weg dies auch völlig klar zu stellen.
    Das einzige was ich jetzt nicht so gut fand, aber das ist ja nun mal Ansichtssache, ist die Kopie des Satzes von Hr Wowereit. Auch wenn ihr neu seid, oder vielmehr gerade deswegen solltet ihr wenn ihr neue Wege gehen wollt auch eigene und neue Schlagworte ins Leben setzen und nicht die alten derer verwenden die aus einem System stammen das Ihr zumindest ein wenig revolutionieren und nicht nachahmen wollt.

    Trotzdem weiter so
    Andreas

  25. Ich habe die Sendung nicht gesehen.
    Danke für den Text.
    Ich werde mit “Klarmachen zum Ändern” in den Tag, durch den Tag, durch die Zeit gehen.
    Danke.

  26. Stinos = Stinknormale oder fachmännischer “Neurotypiker” sind die Mehrheit. Aber 10-20 Prozent der Menschen sind “anders”. Erfreulich genug sind unter den ADHS-Erwachsenen nun extrem viele engagierte Leute. Menschen, die Betriebssysteme bzw. Firmen gründen. Menschen, die sich in Vereinen und eben auch in der Politik engagieren. Menschen, die es aber in unserer Gesellschaft verdammt schwer haben, wenn in den ersten Jahren ihres Lebens eben diese besondere Art der Wahrnehmung, der Informationsverarbeitung etc nicht erkannt bzw. angemessen berücksichtigt wird. Dann ist es wie mit einem PC, bei dem zu viele Dateien offen sind. Es kommt zu Abstürzen, es kommt zur Verlangsamung. (Klar auf einem Mac passiert das seltener…).

    Nicht ADHS oder die Medikation ist das Thema. Sondern der Umgang damit. Ich finde, dass kommt im Beitrag gut rüber.
    Ich bin derzeit nicht politisch engagiert. Aber ich weiss, dass in vielen Parteien ADHSler sind. Wenn die Poltik- und Gesellschaftsverdrossenheit sich ändern soll, brauchen wir eben mehr Andersdenkende in der Gesellschaft. Mehr Ehrlichkeit, mehr Offenheit und auch Mut zu eigenen Schwächen.

    ADHS ist keine Störung. Aber ADHS können Störungen als Indiaktorkinder eben sensitiver aufnehmen. Und das ist gut so.

  27. Von “normalen” Menschen zu reden ist sowieso Quatsch. Der “normale” Mensch ist wahrscheinlich das seltenste Exemplar, das es gibt.
    Farbenblindheit? (In welcher Version auch immer) Schließt einen z.B. von einigen Berufen aus. Extreme Höhenangst? Ebenfalls. Allergien und Asthma. Und so weiter.

    Ich habe z.B. keine Grünrezeptoren in den Augen (Deuteranopia). Für alle “Normal”sichtigen: das dritte Bild sehe ich so wie das erste. http://de.wikipedia.org/wiki/Farbenblindheit

  28. AD(H)S haben oder nicht. Es sind die “normalen” die damit nicht klarkommen und es nicht verstehen das man anders ist … , anders denkt …, anders handelt …
    Alles hat zwei Seiten. Die Evolution hätte diese Krankheit rigeros ausgemerzt. Wäre sie schlecht gewesen.
    Aber siehe

    http://wiki.mobbing-gegner.de/Krankheit/ADS/bekannte_Pers%C3%B6nlichkeiten_mit_ADHS

    http://www.adhdrelief.com/famous.html

    Think big: der Mensch wäre nie zu neuen Ufern aufgebrochen. Ob es gut ist oder schlecht ist wo wir im Moment stehen, sei mal dahingestellt.
    Menschen mit AD(H)S sind etwas besonderes. Erkennt ihre besonderen Fähigkeiten und nutzt sie …

    Der Fakt das dieses Syndrom in letzter Zeit häufiger diagnostiziert wird als früher ist nicht von der Hand zu weisen. Googelt mal nach Studien über den Zusammenhang: Einsatz von Herbiziden in der Landwirtschaft und den statistisch gehäuften Auftreten von AD(H)S in den Industrieländern. Als These zumindestens nicht von der Hand zu weisen.

  29. Ich empfehle dir Medikinet Retard als Medikament. Das wirkt durch die langsame Abgabe des Methylphenidats bis zu 6 Stunden. Wir haben drei Kinder mit AD(H)S und das Retard ist super.

    Meine Frau ist übrigens als eine der ersten Deutschlandweit als ADHS im Erwachsenenalter “Betroffene” diagnostiziert worden. Ich selbst habe mich nie testen lassen, aber da Methylphenidat mich nicht aufputscht, sondern beruhigt, weiß ich woran ich bin.

    Interessant ist übrigens ein sozialer Aspekt: ADHS sucht ADHS. Also rein emotional. Daraus folgt dann, dass die Chance bei einem Paar bei dem beide Partner ADHS haben auch die Kinder ADHS haben.

    Und ich sehe es übrigens auch nicht als Krankheit, sondern eher als Vorteil. Und wenn ich es mal etwas ruhiger brauche -> Methylphenidat.

  30. Ich finde sehr gut das jemand aus der Politik sich derart öffnet. Ich habe selber ADHS und hätte (im Moment) nicht den Mut mich derart zu outen. Das ist auch darin begründet das ich bisher in der Regel ein negatives Feedback erhalten wenn ich mich jemandem der nicht in der Thematik ist gegenüber geoutet hatte. Das Thema ist in weiten Teilen der Bevölkerung negativ besetzt und öffentliche Bekenntnisse von menschen die (mehr oder weniger) in der öffentlichkeit stehen können von mir von daher nur gut geheißen werden. Das dieses Thema so ” plattgewalzt” wird zeigt doch nur allzu deutlich, dass eben das Bedürfniss da ist dieses Thema an zu gehen. Und wer, wenn nicht die Piraten, ist geeignet im politischen Spektrum über dieses Thema zu diskutieren. Ncit wegen des Rufs der Chaospartei sondern weil hier eben (nach meinem Verständnis) ein aufklärerischer frischer Geist zu spüren ist!

    Lieber Christopher Lauer, vielen Dank für dieses Outing und mögen sie andere Erfahrungen damit machen als ich es getan habe!

    Liebe Grüße
    tybalt

  31. Das ist Transparenz! Finde ich gut! Übrigens kann ich auch morgens dem Nachrichtensprecher und meiner Frau beim Frühstückstalk gleichzeitig folgen – Klasse diese Gabe! Manch einer hält das für eine verminderte Aufmerksamkeit dem Gegenüber – aber nur, weil er/sie sich das nicht vorstellen können!

  32. Hallo Christopher,

    hab`die Doku leider nicht gesehen, aber allein Deine Stellungnahme

    hier macht mich so neugierig auf Dich, dass ich dieses Versäumnis

    möglichst bald nachholen werde.

    Bin 51, hab` das AD(H)S -natürlich- auch schon solang ich denken

    kann, wurde aber -auch das für Menschen meines Alters eher “natürlich”

    - erst über das Auftreten der AD(H)S bei meinen Kindern mit der

    eigenen Diagnose konfrontiert.

    Kann Deine Aussagen wirklich zu 100% nur unterstreichen und freue

    mich, wenn das Thema AD(H)S mit dieser Grundeinstellung von Dir

    weiterhin in der Öffentlichkeit vertreten wird – pass nur auf, dass Du Dich

    jetzt von uns oder den Medien nicht auf dieses Thema reduzieren lässt.

    Bin in der Pflege tätig und sehe meine Anliegen in diesem Bereich -was

    die Öffentlichkeitsarbeit betrifft- eigentlich seit Jahrzehnten von den

    immer gleichen Nasen vertreten, was der Sache meiner Meinung nach

    nicht wirklich dienlich ist, Stichwort:”Ach, DER schon wieder.”

    Alles Gute für Dich

    Michael

  33. Hallo Christopher,

    Alles richtig gemacht!

    Von Wegen: „Du wärst mit ADHS möglicherweise kein Vorbild“, Du würdest anderen Parteien „Angriffsfläche“ geben, Du hättest zu viel Selbstdarstellung betrieben, oder gar: „Wähler bräuchten ein Vorbild als Politiker. Einen starken Politiker, der (mir) Sicherheit suggeriert“ @Simone: Solche Politiker hinterlassen am Ende meist nur unglückliche Menschen und enden als Gazprom-Berater oder gar Bundespräsident.

    Es ist völlig ok, den berühmten Satz von Wowereit zu zitieren. Denn: Wir alle sind wie wir sind – und das ist auch gut so. Wenn wir nicht wären, wie wir sind wären wir niemand.

    Alles in Allem finde ich die Berliner Piraten ein tolle Mischung. Jeder von euch ist anders aber jeder ist wichtig.

    habe selbst auch ADS (ohne Hyperaktivität) – blöder Weise erst mit 47 Jahren nach „komorbider Depression“ entdeckt. Sei also froh: Schließlich gewinnst Du im Vergleich zu mir 20 spannende Jahre und Methylphenidat erspart Dir auch das Risiko von AD(H)S Spätfolgen.

    Tipp in Sachen Methylphenidat: Lass Dir ein „retardierendes“ Präparat verschreiben (Mediknet retard, Concerta o.ä.) Diese Dinger wirken 6 oder 12 Stunden und Du musst nicht alle 3 Stunden dran denken es einzunehmen. So kannst Du auch den „Rebound-Effekt“ vermeiden, wenn du z.B. die Einnahme vergisst.

    Übrigens: Den Patrick Lindner solltet ihr einfach anheuern. Wäre schade, wenn der einzige Sympathieträger der FDP mit der Partei untergehen würde.

  34. @Steve:

    Du siehst also keine Vorteile darin, komplexe zusamenhänge zu analysieren, und schnell das wesentliche zu erkennen, in einer komplexen Welt? Ich finde, dass es grade ein riesen Vorteil ist, wenn man damit gesegnet ist. Sicherlich sind Menschenansammlungen, und damit viele Gespräche, die auf einen einprasseln, weil man das nicht Ausblenden kann, nicht angenehm, aber alles hat auch seine Schattenseiten. Menschenassen kann man zwar nicht umgehen, aber man kann versuchen damit klar zu kommen.

  35. Bilch: I call bullshit

    Es gilt inzwischen als erwiesen, dass AD(H)S maßgeblich auf erbliche Faktoren zurückzuführen ist. Eine Diagnose ist ohnehin erst seit Ende der 70er Jahre möglich. Erst dann wurde AD(H)S in ICD-9 bzw. DSM aufgenommen. Das bedeutet noch lange nicht, dass die “Krankheit”/Störung/Besonderheit ab diesem Zeitpunkt allen Ärzten bekannt war.

    Ich habe mich ab ca. 2001/2002 mit dem Thema auseinandergesetzt und damals war es bei der deutschen Ärzteschaft noch mit extrem vielen Mythen durchsetzt. Nur wenige Ärzte waren in der Lage eine ernstzunehmende Diagnose zu stellen. Die meisten operierten mehr auf dem Niveau von: “Sie haben mir nun 15 Minuten zugehört. Sie haben kein ADHS”. Inzwischen hat sich die Situation leicht gebessert.

    Höhere Diagnosezahlen lassen sich leicht dadurch erklären, dass das Kind jetzt a) einen Namen hat und b) sich mehr Mediziner damit auseinandersetzen und Patienten mit hohem Leidensdruck nicht mit den Worten “Das Kind ist hochbegabt, hat eine Lese-Rechtschreibschwäche und ansonsten können wir ihm nicht helfen” nach Hause schicken, wie mir geschehen.

    AD(H)S ist alt und war noch nie selten. Es gibt ein ganzes, weltberühmtes Buch über AD(H)S-Kinder. Es nennt sich Struwwelpeter. Nahezu alle typischen Symptome sind darin beschrieben. Vom Tagträumer über den Hochsensiblen bis zum Zappelphillip.

    AD(H)S nannte man es erst, nachdem es nicht mehr gesellschaftlich akzeptiert war, die unerwünschten Verhaltensweisen aus den Kindern herauszuprügeln und sie – unbeschönigt – frühzeitig zu brechen.

    Das es nun höhere Diagnosezahlen gibt ist _gut_ und nicht schlecht. Auch wenn AD(H)Sler sehr viele Vorzüge haben (die die Gesellschaft sich leider kaum zu Nutze macht), sie haben auch eine höhere Neigung zu Süchten (durch instinktive, unterbewusste Versuche der Selbstmedikation), durch Probleme mit der Impulskontrolle eine höhere Neigung zu Straftaten oder risikoreichem Verhalten und dadurch wieder eine höhere Unfallneigung. Die Folgeerscheinungen von gänzlich unbehandeltem AD(H)S wie Depressionen/Burnout, Angststörungen etc. sind auch nicht gerade für Weicheier. Flächendeckend bessere Erkennung von AD(H)S und die Versorgung der Betroffenen mit Medikamenten und Therapiemöglichkeiten, ist daher vollauf zu begrüßen. Dazu gehörte auch, dass endlich alle AD(H)S-Medikamente auch für Erwachsene zugelassen und von den Kassen bezahlt werden.

  36. Natürlich ist es immer kritisch solche “DInge” der Öffentlichkeit zu präsentieren.
    Die politischen Gegner können sich auch drauf stürzen und ausschlachten, aber am Ende wenn es richtig eng wird werden genau diese DInge dann irgendwann ausgegraben werden und Karrieren zerstört.
    Ich persönlich finde es absolut richtig die “Leichen aus dem Keller” so früh wie möglich zu verräumen. Vielleicht gibt es momentan tatsächlich einen leichten Dämpfer im Wählervertrauen aber wie man auch hier sieht:
    1. Sind Menschen sehr vergesslich
    2. Lügen haben kurze Beine ( siehe Wulff )
    3. Ehrlichkeit währt am längsten!

    Liebe Piraten bitte macht genau so ehrlich weiter!

  37. Gerade in unserer ach so ausgegklärten Zeit finde ich es wichtig, über psychische Krankheiten/Störungen zu reden. Das nimmt den Betroffenen die Angst sich jemandem anzuvertrauen.

    Ich bin selbst betroffen, habe ADS, Depressionen und letztes Jahr einen Burnout.

    Wenn ich all das verheimlicht hätte vor Familie, Freunden oder Kollegen, wäre ich zugrunde gegangen.

    Wenn jemand einen Beinbruch hat, muß er das auch nicht verstecken.

    Eine bessere Akzeptanz gibt uns Betroffenen die Sicherheit aus unserem Schattendasein herauszutreten und keine Randgruppe zu sein.

  38. @daswarkeinhuhn

    Ich habe auch vor ein paar Jährchen Ritalin (Ritaline SR) ausprobiert. Habe mich für die eine Woche, in der ich es durchgehalten habe, gefühlt wie in einem Gefängnis.

    Ich habe statt dessen meine Lebensplanung in eine Richtung orientiert, in welcher mir ADHS als Gabe wirklich hilfreich ist.

    Und trotz einiger Probleme mit ADHS bin ich mehr als dankbar dafür, dass mir “das Leben” dieses wunderbare geschenk gegeben hat.

  39. Hallo,

    ich finde es großartig, dass Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, endlich mal ein Thema ansprechen, das durch so viele Vorurteile behaftet ist. Ich selber habe vor zwei Jahren die Diagnose bekommen; es war das Ende einer Odyssey, die mir alle meine Kräfte abverlangt hat.

    Ich bin im sozialen Bereich tätig und weiß was es bedeutet, ausgegrenzt zu werden.

    Ich ziehe meinen Hut und danke dir für deine Offenheit.

  40. ADS/ADHS sind keine Krankheiten, sie sind Persönlichkeitsmerkmale, wie z.B. Introvertiertheit. ADS/ADHS hat man dementsprechend auch sein Leben lang.
    Ein Referenzwerk zum Thema ist “Große Hilfe für kleine Chaoten. Ein ADS-Ratgeber”, 2008 von Dr. Roswitha Spallek, Kinderärztin und Kinderpsychologin mit eigener Praxis in Bad Wurzach und eine der wenigen wirklichen Expertinnen auf diesem Gebiet. Sehr lesenswert.

  41. Lieber Christopher!
    auf jeden Fall danke für dein Outing.
    Die Filmszene mit Holmes ist leider für uns nicht-spanisch-sprechende nicht besonders verständlich.

  42. Ganz klasse! Vielen Dank! Sie haben jetzt vielen Kindern und ihren Eltern geholfen, aus der “Schuldfalle” herauszukommen und sich und ihre Umwelt besser zu informieren. Weiter so! Je besser die Menschen über ADHS informiert sind, desto leichter wird es für die Familiern, sich nicht mehr als Außenseiter zu fühlen. Ich selber arbeite seit Jahren mit Kindern, auch mit Kindern, die die ADHS Diagnose haben. “ADS- So stärken Sie Ihr KInd” ist mein Buch darüber, das schon vor 10 Jahren im Herderverlag veröffentlicht wurde.
    Viel Erfolg weiterhin,
    Uta Reimann-Höhn

  43. @mathias:

    Ich habe schon verstanden, worin der “Vorteil” liegt. Meine Aussage

    “Ich kann mir noch immer noch so recht vorstellen, wie sich das Ganze in Deinem Alltag darstellt, inwieweit es Dich “behindert” oder wo Du auch Vorteile daraus ziehst”

    bezog sich vielmehr darauf, dass ich eben für mich nur schlecht werten kann, was im Alltag als Vorteil und was als Nachteil gewertet wird bzw. Christopher selbst als Vor- und Nachteil empfindet.

    Für mich ist das Beschriebene schlicht eine persönliche Eigenschaft die Christopher u.a. zu dem Menschen macht, der er ist.

  44. Kann ich nur sagen: Willkommen im Club… :-D

    Es scheint wohl eine Eigenart der Piraten zu sein, mit ADS beglückt zu sein. Kein Fehler, sondern eher ein Vorteil, steht es doch auch für neue Wege und unkonventionellem Verhalten. Und das ist auch gut so, denn nur so können verkrustete und überholte Strukturen aufgebrochen werden.

  45. Nicht Pirat, aber nahe dran

    Christopher, danke für Dein Statement. Auch ich bekam vor kurzem die Diagnose ADHS. Bin allerdings gut 20 Jahre älter als Du ;) Daher habe ich mit dem ganzen Kram ungefähr 20 Jahre länger herumschleppen müssen, bis irgendwann alle Puzzle-Teile zusammenpassten. Mit den Piraten habe ich es mal so, mal so (gewählt mangels Alternative…), aber so ein Outing macht mir den Laden auf einmal sympathisch, da menschlich. Aufklärung ist eine feine und absolut notwendige Sache. Grüße.

  46. Hallo Christopher,

    vielen Dank für Dein Outing, Dein Bekenntnis zu ADHS!

    Es bestärkt mich noch mehr auf meinem Kurs, denn ich befinde mich aktuell mit meinen 35 Jahren, nach jahrelangem Zick-Zack-Kurs, unzähligen Stürmen und letztendlichem Schiffbruch, in den letzten Zügen der ADHS-Diagnostik. Das Ergebnis steht im Grunde schon fest, der Verdacht lag ohnehin seit Jahren nahe, doch nun mache ich mich mit der (bald sicheren) Erkenntnis endlich daran mein Leben neu aufzubauen. Vielen Dank an dieser Stelle für Dein klares Bekenntnis zu Methylphenidat und vor allem die äußerst lebendige Beschreibung, wie Du die “neue Welt” empfindest!

    Zum Abschluß möchte ich Dir, allen anderen Betroffenen, den Familien und Freunden sowie allen Interessierten das Buch “Eine andere Art, die Welt zu sehen: ADD” von Thom Hartmann ans Herz legen. Es vermittelt auf eine hervorragende und einzigartige Art Einblicke in die Wahrnehmung von ADHS’ler und ist sogar sehr gut für selbige lesbar.

    Für Deine politische Arbeit sowie Dein privates Glück wünsche ich Dir:

    Mast- und Schotbruch!

  47. [...] Christopher Lauer vom 24.01.2012: Ich habe ADHS – und das ist auch gut so [...]

  48. Hi,
    ich hab den Beitrag gestern nicht gesehen, bin durch einen Facebook-Link heute hier gelandet.
    Sehr guter Artikel über Dich, danke Dir dafür.

    Doch was mir aus Deinen Zeilen nicht hervorgeht, ist, ob Du ADS oder ADHS hast? Du bist also, da Du nur von ADHS redest, hyperaktiv? Warum stellst Du das nicht noch mehr hervor? Die Unruhe, Unkonzentriertheit, Unordnung, das kreative Chaos, das in Dir wütet?

    Ich weiss selbst erst seit ca. 5 Jahren, dass ich ADS habe, bin also der Traumtänzer, der ruhige, zeitweilig nach aussen hin phlegmatisch-lethargische Typ, nach innen aber auch mit innerer Unruhe, Chaos, Unordnung ausgestattet…

    Bis vor einem halben Jahr habe ich auch Methylphenidat genommen, jetzt bin ich auf Medikinet Retard umgestiegen – auch weil die Krankenkasse dies zahlt und ich nur noch die 5 Euro Zuzahlung habe.

    Ich hätte mehr erreicht in meinem Leben, wenn man das früher diagnostiziert hätte und ich nicht 12 Jahre bis zum – immerhin erfolgreichen – Studienabschluss gebraucht hätte. Aber ich hatte immer viel Spass im Leben – weil ich immer die Ablenkung suche…

    Viel Erfolg noch mit Deinem ADHS bei den Piraten und bring schön Unruhe aus Deinem Leben in das der Anderen =;)

    Servus,
    Götz

  49. @ Mela: klasse Beitrag!!

    @ Christopher: dank an Dich für Dein outing. Leider tun dies nur wenige in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten. Wenn man bedenkt, dass laut neuesten Untersuchung durch die EU von zehn Prozent ADS/ADHSler pro Jahrgang ausgegangen werden muss, sollte die Problematik viel deutlicher thematisiert werden – und vor allem bildungspolitische Konsequenzen gezogen werden. Ein ADHSler, der in 1970er oder 1980er zur Schule ging, hatte es deutlich leichter durchzukommen, als ein ADHSler von heute, der an Vierer- oder Sechsertische gepresst wird… Ach, es gebe so viel zu schreiben und zu klagen…

  50. Hallo Christopher,
    habe Dich vorgestern in der Doku auf RBB gesehen und finde Deine Offenheit zu ADHS sehr ansprechend. Für mich warf sich allerdings die Frage auf: Ist das wirklich ADHS oder vielleicht eher Hochsensitivität?
    Denn es gibt bei ADHS sehr viele Fehldiagnosen von Menschen, die eigentlich HSP(HochSensitive Person) sind. Näheres dazu siehe hier: http://wp.me/pBObX-5k
    oder hier: http://sensibel-beraten.dehochsensibilitaet

    Ich finde es toll, wie du das Thema in der Öffentlichkeit angehst und würde diese Diskussion gern um den Bereich HSP erweitern. Denn hierbei handelt es sich um 15-20 % der Bevölkerung, die definitiv auch keine “Krankheit” haben, und doch sehr anders (mehr und feiner) wahrnehmen als der Rest. Meiner Meinung nach wird gerade diese Art der Wahrnehmung gebraucht, wenn wir aus den bestehenden gesellschaftlichen Problemen herauskommen wollen, und sollte nicht medikamentös “begrenzt” werden, damit alles bleiben kann, wie es ist. Verstehe allerdings auch, dass man es in einem Umfeld wie dem Abgeordnetenhaus schwer aushält, ohne gewisses Begenzen. Ich als HSP halte mich eher aus manchen Lebensbereichen fern, da sie zu anstrengend für mich wären, als dass ich Medikamente nehmen würde. Denn ich möchte meine feine Wahrnehmung nicht aufs Spiel setzen, da sie meine Lebensqualität ausmacht und ich mich ohne sie sehr “eingeengt” fühlen würde. Doch auch Deine Position in der Öffentlichkeit ist wichtig, und dafür danke ich Dir.

    Gruß,
    Marion

  51. Hallo Christopher,
    ich danke Dir für die offenen Worte in der RBB Doku. und auch in diesem Blogbeitrag!

    Bei mir wurde ADHS sehr früh diagnostiziert und ich habe kein Methylphenidat genommen. Man kann ADHS auch als Geschenk annehmen, die Vorteile nutzen (wie Du es ja auch geschrieben und gesagt hast) und dann lernen die Nachteile neu zu kanalisieren und positiv zu nutzen. ;-)

    Viel Grüße nach Berlin!
    Ben

  52. Des Rätsels Lösung. Und ich fragte mich die ganze Zeit wie du das alles schaffst;)
    Alles Gute!
    Und weiterhin beste Gesundheit!
    deine Wählerin & Kieznachbarin
    (und Psychologin von Beruf)

    PS: Die Rede zu Wowereits Regierungserkärung übrigens auch super! Und 1,5 Minuten kürzer als erlaubt. Guten Morgen, lieber Senat! Ein neuer Tag ist angebrochen.

  53. Ahoi,
    ich hab auch AD(H)S und kann deine Schilderung sehr gut nachvollziehen. Kann Fluch und Segen sein.

    Grüße

  54. @ lennart: mela hat es gut auf den punkt gebracht.-
    @ adhs-papi: ja, es muss bildungspolitisch was getan werden. absolut!-
    nein, dass ein 1970/80 geborener ad(h)sler leichter durchkam.- das bewusstsein war überhaupt noch nicht da. die meidkamente in einer dosierung nur verf+gbar. kein retard, kein gar nix.- die meisten (kleinen)patienten falsch dosiert etc p.p.
    habe einen betroffenen zwillingsbruder(plus legasthenie) und 2 ad(h)s söhne-und naja, was mit mir ist… kann ich mir lagsam auch erklären ;)

    es ist anstrengend-aber immer notwenig, das man als mutter erst mal lang und breit aufklärunsgarbeit (zb bei lehrern) leisten zu müssen, damit das potential der kleinen (und nat grossen) menschen erkannt und gefördert wird. dazu tharapiert, aber nicht übertherapiert und vor allem erkannt und nicht verkannt. das allerschlimmste.
    dei unkenntnis, vorurteile, verwirrung, fehleinschätzung sind heute noch immer extrem gross.- pädagogen (kiga, sowie schule) müssten alle wneigstens einen info abend zum thema besuchen- das wäre das absolute miniminimum. <- selbstverständl. muss sowas auch im häuslichen bereich angestrebt werden. die smyptomatik umgibt ja die famile plus tagtäglich…
    auch viele eltern sind leider total auf der falschen fährte..

    zum thema sitzgruppen kann ich dir beipflichten. der grösste mist der je erfunden wurde!!!! ich mag am elternabend auch nicht kaffekränzchen mässig am besten mit dem rücken zum lehrer hocken, sondern in grosser runde.
    das “outing” muss ich nun mal youtubeln.
    grüsse an hr lauer, sowie s. speilberg, roman polanski, whoopi goldberg, etc pp ;)

  55. [...] Christopher Lauer: Ich habe ADHS – und das ist auch gut so (via [...]

  56. Hallo Christopher,
    ich habe die Doku gesehen und fand Dein “Outin” sehr gut. Mit als krankem Menschen (nicht ADHS) hat das sehr viel Mut gemacht. Nicht nur 100% gesunde Menschen können in unserem Land etwas verändern, einen wichtigen Beitrag leisten. Danke dafür! Für mich ein wichtiger Grund, auch bei der nächsten Wahl mein Kreuz wieder bei “Piratenpartei” zu machen. Denn so wünsche ich mir Politik/Politiker: offen, ehrlich, transparent.

  57. Simone Rahimpour

    @ Steve / leser :
    Erstemal Entschuldigung Christopher, dass ich Deinen Namen falsch geschrieben hatte, sorry!
    Lieber Steve,
    Du hast mich denke ich falsch verstanden !
    In meinen Augen gibt es Menschen, die Fähigkeiten besitzen,
    die Ihnen u.U. geneidet werden, weil man sie nicht verstehen kann.
    Mir fällt das nur auf, weil sensible Menschen öfter angegriffen werden und die angeblich konstrucktive Kritik einen auch erreicht.
    Dies wollte ich nicht tun und ich hoffe der um den es ging,
    hat mich richtig verstanden …
    und geht trotzdem irgendwann einen Kaffee mit mir trinken.
    Was ich sagen wollte ist, der Mensch mit psychischen Störungen,
    zeigt seine Menschlichkeit, nicht er gehört therapiert,
    die Anderen sind es, die mir Sorge machen.
    Ich will, dass die Piraten in den BT einziehen mit C.L. !

    Dir Steve habe ich auf Deinem Blog etwas hinterlassen.

    Der `leser´, is der Einzige,
    der das gesagt hat,
    was ich meinte, er hat sich kurz gefasst und
    i.d.S., das muß ich noch lernen, xD

    Liebe Grüsse aus der hess.Landeshauptstadt

  58. [...] Ich fühlte mich Christoph Lauer, der der Piratenpartei angehört äußerst verbunden, als er als “Betroffener” mit diesem Thema an die Öffentlichkeit ging, wie in diser Dokumentation: „Piraten in der Politik – 100 Tage einer Aufsteigerpartei“ . Hier z.B. auf seiner Homepage: christopherlauer.de/2012/01/24/adhs/ [...]

  59. mir bleibt grad die Spucke weg vor so viel Mut, ich ziehe meinen imaginären Hut!
    Ich hoffe sehr, dass Du damit ein paar Augen mehr öffnen konntest, und vor allem das “Doping-Stigma” etwas entkräften konntest …
    Im kleinen Rahmen versuche ich auch immer, mit meiner ADHS möglichst offen umzugehen – je mehr das tun, desto eher werden wir nicht mehr pauschal schief angeguckt.

    Bitte weiter so!

  60. ich habe auch ADHS und bin froh drum. mit diesen 4 buchstaben wird mir einfach nie langweilig ;)

  61. Erstens ich bin Piraten- Wähler. Zweitens ich möchte nicht wissen wieviele ADS’ler es in der Politik gibt die nicht dazu stehen. ADS ist für mich keine Krankheit sondern eine Form des Lebens . Ich bin 51 und bei mir wurde es erst jetzt diagnostiziert. Ich habe mich immer für etwas besonderes gehalten. Aber nur weil ich Fähidkeiten habe die ich nicht missen möchte und die vielen “normalos ” fehlen. Absolute Ehrlichkeit, extremes Einfühlungsvermögen usw. Ich hoffe sehr das die Piraten es in den BT schaffen und ich hoffe sehr das dann in Deutschland wieder die Menschlichkeit siegt und nicht die Profitgier. Ich wünsch Euch viel Erfolg !!!

  62. Also,dein Schritt erforderd Mut- dafür Respekt- ich bin da ähnlich vorgegangen. Nur musst du gucken, dass die Leute nicht nur Teile deiner Erklärungen filtern und sich derer widersetzen, und du und ADHS im Prinzip als Kranker bzw. Krankheit wahrgenommen wird. So geschehen im wikipedia Artikel über dich. Habe dass leicht umgeschrieben, nur wurde da auch von Krankheit geredet. Ganz ehrlich , dass ist dann scheiße. oK MACHT WEITER SO:

  63. Dank für den Post!!
    “Schon bei der Diagnose durch den Neurologen fiel mir auf, dass er sich mir gegenüber so verhielt, als müsste er mir eine schlimme Nachricht überbringen.”
    ich hab wohl auch undiagnostiziertes ADHS, wurde mir durch Ex-Arbeitgeber durch die rch Blumen gesteckt, ich habs nach 2 Jahren kapiert und dann selber diverse Diagnose-Tests im INet gemacht, kann mit Sicherheit sagen dass es zutrifft. Ist auch nicht so schwer zu unterscheiden von anderen Sachen wie z.B. Asperger etc.
    Der Arzt, bei dem ich vorstellig wurde und dem ich das vorgetragen habe und ob man das testen könne, hat mich dann angeguckt wie ein Auto, weitere Behandlung de facto verweigert und irgendwie hatte ich auch das Gefühl der behandelt mich jetzt wie einen Verrückten.
    Seitdem nicht mehr da gewesen, ist wohl sinnlos mit dem.
    Ein weiterer passender Baustein im Bild der offensichtlich in grossen Teilen ziemlich unfähigen, aber gehätschelten und überbezahlten dt. Ärzteschaft.

  64. Hallo,
    ich find das super-klasse, was Du schreibscht, ich bin schon bisschen älter, jetzt 44 Jahre alt, und bei wurde vor ca. fünf Jahren festgestellt, dass ich ADS (eher ohne H) habe. Mir wurde auch Methylphenidat empfohlen. Aber ich hab mich noch nie getraut, es zu nehmen, da ich auch gerne mal Alkohol trinke, und ich denke, es könnte gefährlich werden.
    Ich wollte auch nie Methylphenidat nehmen, weil ich dachte, es ist eine DROGE, mit der ich nicht mehr das bin, was ich bin? Ich wäre wirklich für eine Antwort dankbar, da ich sehr drunter leide, dass ich alles – vor allem im zwischenmenschlichen Bereicht – so extrem wahrnehme, dass es mich zu viel Kraft kostet.
    Danke

  65. Vielleicht sollte ich auch eine Frage hinzufügen, wenn ich schon für eine Antwort dankbar wäre.
    Meine Frage ist also: Muss man Methylphenidat täglich nehmen, damit es wirkt oder kann man es auch nur dann einnehmen, wenn man arbeiten geht, oder sonsiges machen möchte/muss, wofür man eine hohe Konzentration braucht?
    Und kann man trotz der Einnahme von MPD mal ‘einen trinken’ gehen (also nicht täglich, aber einfach auch ab und zu mal einen ‘drauf machen’)?
    Ja, ich weiß, das ist hier kein ADS-Forum, aber ich würd mich trotzdem über eine Antwort dazu freuen, da ich sonst einfach keine richtige Antwort dazu finde.
    Danke!

  66. [...] News auf euch. Nein im Ernst! Ich bin mir noch nicht sicher, was wichtiger ist. Die Tatsache, dass Ritalin-Pirat Christopher Lauer nicht mehr twittert oder, dass unser Universum zusammenbrechen [...]

  67. Danke fuer diesen mutmachenden Outing.

    – eine selbst (sehr stark) Betroffene.

    P.S. Diagnostiziert erst im 2012 – seitdem von mir eine Aufmerksamkeitsteilung stark eingefordert wurde, zuvor tat mir mein ADHS nicht *weh*.

  68. Auch ich habe ADHS und ich bin stolz darauf.
    Viele leute sagten zu mir als ich klein war das das eine Krankheit ist.
    Etwas negatives. Das hat sich in meinem kopf festgesetzt, bis einestages ein mädchen auf mich zu kam. Sie war viel damals in der 10 klasse und ich in der 7ten. Auch sie hatte diese “Krankheit” und sie sagte mir damals das ist keine krankheit das ist eine gabe, durch sie haben wir fähigkeiten die andere nicht haben, wir haben sozusagen superkräfte. Diese unterhaltung hat meine neigung komplett verändert und ich bekann somit nachzuforschen. Ich kam zu dem entschluss das ADHS lediglich eine Gesellschaftskrankheit ist ein neidfaktor der einfach als Krankheit abgestempelt wurde. Ich meine wie sagte man den vor hundert jahren zu ADHS kindern? Richtig es gab sie nicht! es gab vielleicht zappelphillipe oder sowas aber als Krankheit war das nicht angesehen. ADHS hat mich im leben hofft hinfallen lassen aber durch ADHS hatte ich auch die energie wieder aufzustehen, und all diese steine in meinem weg haben mich zu dem gemacht was ich bin. Ich sehe nur vorteile in dieser scheinbaren krankheit. ihr wollt beispiele? Ich liebe es auf der Bühne zu stehen im mittelpunkt wenn alle nur auf mich sehen und ich bin wirklich gut darin. Wenn mich etwas motiviert dann bin ich voll dabei und zieh es bis zum ende durch. Auserdem liebe ich es musik zuspielen da ich sie anders wahrnehme als normale menschen auserdem liebe ich es dazu zu singen und dank adhs kann ich trotz meiner schrecklichen stimme den gesang so verkaufen das er den leuten spaß macht. Ich nehme auserdem die umgebung und meine mitmenschen anders war ich kann die gefühle anderer menschen verstehn ich kann in sie hinein sehen. ADHS ist für mich alles in allem eine Superkraft wenn man das so bezeichen will. Ja sie hat ihre nachteile einer ist die konzentrationsschwäche welche sich bei mir wie es auch in diesem text auffällt auf die rechtschreibung legt, aber damit kann ich leben:)
    Also an alle ADHS kinder da drausen und auch an alle erwachsenen: Lasst euch nichts einreden!! Meine psychologin die es mir damals diagnostiziert hat meinte ich käme in ein paar jahren wieder und wäre dann entweder Alkoholsüchtig, Spielsüchtig oder ich wäre dann beteits tot, weil ADHS kinder für sowas anfällig wären. Wisst ihr was: Ich bin quick lebendig nicht spielsüchtig und habe eine alkohl allergie;D Was wir haben ist nur eine Krankheit der Gesellschaft in wirklichkeit haben wir SUPERKRÄFTE!!

  69. Toller Bericht, tolles Outing.

    Ich habe hochgradiges ADS. Also ohne H. Meine Kompensationsfähigkeit, um mit der täglichen 24/7 Reizüberflutung umzugehen ist ergo die Introvertiertheit. Das Tagträumen, intensiv, manchmal real wirkend… selten in eine Trance fallend die ewig erscheint aber IRL nur 10 Sekunden dauert. Insgesamt ist es für mich kein Problem Realität von Fiktion zu unterscheiden. Das ist ein – oder der – Grund, warum ich mir wohl eine sehr starke Immunität gegen “Placebos” und “Glauben” sowie allgemein “Ideologien” entwickelt habe.

    Seit ich denken kann, sehe ich die Welt direkt, offen, ehrlich, allumfassend und das tat mir nie gut. Ich sehe offensichtliche Missstände, die andere Menschen anscheinend nicht wahrnehmen (Sexismus in der Gesellschaft, Barbarei in der Tierhaltung) und muss jede Sekunde bewusst damit leben. Es folgte, dass ich seit klein an die Welt sehr melancholisch wahrnahm und ernste Probleme hatte, mich mit der Menschheit zu “arrangieren”. Wenn man schon als Kind merkt, dass man anders ist – aber keine Ahnung hat wieso – und einem niemand sagen kann, was los ist. Man einfach nur weg möchte. Wohin? Was weiss ich denn.

    Ich war und bin ein Stehaufmännchen erster Güte. Ich mogelte mich mit exorbitant hohen Absenzen durch Schule und Lehre aber mit überdurchschnittlich guten Zeugnissen. Durch mein Visuell-Räumliches Denken musste ich nie lernen. Durch den Hyperfocus – die mit Abstand beste Kompensationsfähigkeit – bin ich in der Lage ein tausendseitiges Buch innert ein paar Tage durchzu”rushen” und jedes noch so kleine Detail daraus wahrzunehmen. Ich verstehe komplexe Zusammenhänge ohne darüber nachdenken zu müssen. Mache Gedankensprünge, die mich zu einer vorauseilenden Schlussfolgerung kommen lassen. Sie ist korrekt, fast immer. Man schaute mich deswegen oft sehr komisch an und auf die Frage, wie ich darauf käme, muss ich jedesmal sagen: Ich weiss es nicht, es ist nur so ein Gefühl.

    Ich schlitterte durch meine Kindheit von einer Depression in die nächste, bis ich an einem Punkt vor über einem Jahr fast Suizid beging. Ich entschied mich anders, fand über das Internet endlich heraus was ich habe. Absolut jeder einzelne Punkt von ADS stimmte bei mir 100%-tig überein. Was folgte ist eine mehrmonatige Abklärung mit Gehirnscan… und da war ich nun.

    ADS.

    Ich kann mich noch exakt daran erinnern, wie ich zum ersten Mal in meinem Leben lediglich 5mg Methylphenidat einnahm. Innert 20 Minuten war ich ein anderer Mensch. Die Depression – weg. Die Melancholie, die mich seit jeher begleitete – weg. Der Nebel in meinem Kopf, der mich an manchen Tagen daran hinderte 1+1 zusammenzählen zu können und die Getrübtheit – weg. Die ewige Prokrastination, absolut gar nichts auf die Reihe kriegen zu können, nicht mal einfach aufräumen zu können – weg. All diese unterschiedlichen Reize, die mich oft einfach überforderten – weg.

    Ich konnte denken, klar, scharf, fokussiert. Wurde sehr schnell sehr selbstbewusst und zielstrebend und fing an zu leben.

    Inzwischen mache ich das Gymnasium nach. Mein Schnitt liegt aktuell bei 1.6 – immer noch fast ohne zu lernen aber mit genug Konzentration um das Wichtigste doch angehen zu können.

    Mit meiner Kindheit und Jugend habe ich abgeschlossen, mit sehr vielen Menschen von früher habe ich willentlich nichts mehr zu tun. ADS ist ein Fluch und ein Segen. Man starrt aus dem Fenster und sieht eine andere Welt, während man gleichzeitig alle Informationen im Unterricht aufsaugt wie ein Schwamm – unterbewusst – und alles vermischt sich. Bis die Lehrerin einen dumm anfickt, warum man so unkonzentriert wäre.

    Ist schon witzig.

    Ich verdiene inzwischen sehr viel Geld über das Stock Market Trading und werde nach der Schule studieren gehen. Das, was ich gelernt habe, ist, dass ich nicht in diese Gesellschaft passe und mit ihr auch nichts mehr zu tun haben will. Ich habe meine eigenen Pläne. So auch mein einziges Gedankengut; Leben und leben lassen. Ich urteile nicht, aber wenn man mich persönlich urteilt, dann nehme ich mir das Recht, mich energisch zu verteidigen. Was Medien und Politik angehen, habe ich mir eine “who cares” Einstellung antrainiert.

    Freunde habe ich nur noch einige sehr gute, denen ich mein ADS auch anvertrauen konnte, alle anderen habe ich entsorgt. Falsche Freunde oder Freunde aus Gelegenheit, nein danke.

    Jedem das Seine.

    Ich bin inzwischen zwar glücklich und die meiste Zeit sehr gut drauf aber immer noch sehnsüchtig in die Ferne starrend nach etwas anderem.

    Ich bin eben ein Träumer. =)

  70. Hallo…
    Habe mir gerade nochmal den Bericht durchgelesen und finde es super, die Krankheit so öffentlich zu thematisieren. ADHS wird leider nach wie vor viel zu wenig anerkannt – insbesondere weil keiner genau weiß was es wirklich heißt. Bei mir wurde es erst im letzten Jahr mit 31 Jahren festgestellt und ich bin überglücklich nun zu wissen, warum ich so anders bin. Ich möchte auch nicht tauschen – ich sehe viele Vorteile bei ADHS und kann mit den Nachteilen, nun in dem Wissen ADHS zu haben, sehr sehr gut leben :) LG Nina aus Bonn

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