Definitionsmacht Baby!

Die nächsten Wochen und Monate werden für die Piraten sehr interessant werden. Durch die Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen muss der Landesverband bereits am nächsten Wochenende eine Landesliste für die Landtagswahl am 13.5.2012 aufstellen. Während in Münster die NRW-Liste aufgestellt werden wird, finden gleichzeitig die Landtagswahlen im Saarland statt. Hier stehen die Piraten in aktuellen Umfragen bei 6%. Eine Woche vor der Berlin-Wahl hatten wir Umfragen zufolge 9%. Damals machten wir in der U-Bahn Werbung mit „Vertraue keiner Umfrage, wähle selbst!“. Gute Umfrageergebnisse sollten uns nicht faul oder genügsam werden lassen. Ich selbst empfinde 0% als ein deutlich anspornenderes Umfrageergebnis als neun oder 13, wie aktuell in Berlin. Nichtsdestotrotz kann uns im Saarland der zweite Einzug in ein Landesparlament gelingen, es würde uns mit Sicherheit weiter Auftrieb verleihen. Nicht zu vergessen findet grade in Schleswig-Holstein ein Wahlkampf statt, auch hier stehen wir mit aktuell 5% in den Umfragen. Gleichzeitig waren wir im Bund seit der Berlin-Wahl meines Wissens in keiner Umfrage unter fünf Prozent. Wenn wir uns also nicht mit einem übergroßen Kaliber ins Knie schießen, so könnte uns sogar 2013 der Einzug in den Deutschen Bundestag gelingen. Eigentlich ein Grund zur Freude. Warum bin ich nachdenklich?

Weil wir hier in Berlin seit einem halben Jahr mit Realpolitik konfrontiert sind und ich mir deswegen immer wieder dieselben Fragen stelle. Einige sind eher global, andere sind sehr kleinteilig. Im Kern dreht sich aber alles um die Frage, was wir als Partei in Deutschland verändern wollen und welche Prinzipien dieser Veränderung zu Grunde liegen sollen. Wir reden viel über Transparenz und Bürgerbeteiligung. Was es für uns konkret bedeutet haben wir nicht definiert. Wir reden über „Themen statt Köpfe“ und Basisdemokratie. Was das konkret bedeuten soll haben wir ebenfalls nicht definiert. Wir wollen nicht so werden wie „die Anderen“ haben aber noch gar nicht klar, was wir an „den Anderen“ gut oder schlecht finden. Alles in Allem: Wir hantieren parteiintern wie extern mit allerhand Vokabular herum, das vielleicht griffig, aber oft einfach nicht definiert ist. Das kann meiner Meinung nach eine Gefahr für uns werden. Wenn es uns nicht gelingt die Dinge, über die wir die ganze Zeit sprechen zu definieren, dann werden sie uns im Parlament auf die Füße fallen, dann werden andere sie für uns definieren und im Zweifelsfall ihre Definition gegen uns verwenden.

Bei all der Realpolitik und all den Dingen, um die wir uns momentan in Berlin im Parlament kümmern müssen, denke ich oft darüber nach, dass wir uns vor lauter Kleinkram nicht verlieren dürfen, sondern weiterhin eine große Linie verfolgen müssen. Für diese ist es aber unabdingbar, dass wir die Dinge, über die wir die ganze Zeit reden, endlich einmal definieren. Es muss um die Fragen gehen, was uns als Partei ausmacht: Was ist für uns ein anderer Politikstil? Was läuft an unserem momentanen politischen System gut/schlecht und was wollen wir daran wie verändern? Was ist Transparenz in Politik und Verwaltung, was ist Bürgerbeteiligung, was ist Basisdemokratie? Was sind unsere Lebenslügen? Wie wollen wir, vor allem parteiintern, mit Macht, Verantwortung und Führung umgehen? Wollen wir und wenn ja mit welcher anderen Partei, Regierungsverantwortung anstreben? Was ist unser Gesellschaftsentwurf? Wie wollen wir als Gesellschaft in 50 Jahren miteinander leben?

Sehr viele Fragen. Beim aufschreiben denke ich mir, man müsste sie im Rahmen einer eigenen Konferenz kären. Neben der Open Mind, die ja explizit an ein breites Publikum gerichtet ist, brauchen wir wahrscheinlich ein Treffen, an der die Piratenpartei weiter gedacht wird. Falls ihr Interesse an der Teilnahme an sowas hättet, lasst es mich bitte wissen.

 

 

47 Kommentare

  1. *Interesse anmeld* (guter Artikel, danke!)

  2. Björn 'xpac' Hansen

    Das trifft momentan ziemlich genau meine Gedankengänge. Ich bin zwar seit 2009 Pirat, aber erst vor circa zwei Monaten wirklich aktiv geworden (vorher eher als Sympathisant).
    Nachdem ich mich in den letzten Wochen versucht habe, mit den Bundesvorstandskandidaten auseinanderzusetzen, hat mir NRW kurzfristig noch ne Wahl vor die Füße geworfen, und das gerade in bester „Ich sollte in den nächsten zwei Wochen meine Bachelor-Arbeit abgeben“.
    Ich möchte mich gerne aktiv einbringen, stelle aber beim Studieren von Profilen, Bewerben, Fragen und Antworten fest – dass die Piraten momentan eine wilde Sammlung für alle Leute sind, die es „anders“ und „besser“ machen wollen als bisher – aber wie, da tut man sich an den Definitionen echt schwer.
    Ich stelle für mich selbst fest, dass ich viel anders machen wollte – aber wenn es um konkrete Themen geht – abseits von „einfachen“ Themen, wie „Kein ACTA“, „Keine Netzsperren“ usw. – dann wird es schwierig.
    Es wirkt so, als wenn in wichtigen Themengebieten – wie Finanzen, Wirtschaft usw. – in vielen Landesverbänden vor allem kurz vor LPT und Wahl die Leute aktiv wuseln – aber ansonsten entfällt 75% z.B. des Mailinglistenverkehrs, der Stammtischdiskussionen nicht auf politische Themen, sondern auf parteiinterne, auf organisatorische Punkte.
    Wir können uns super im Internet kommunizieren, Infostände organisieren und und und… aber bei einer gemeinsamen Linie fällt es uns bei vielen Themen noch schwer, und selbst die Realisierung von Kernthemen wie Transparenz, sind in der genauen Definition viel schwieriger, als sie im Wahlkampf und in Talkshows dann klingen.

    Von daher – klares Interesse an einer solchen Konferenz. Abseits von GO- und Kandidaten-Diskussionen, das wäre schön.

  3. Ursula Bub-Hielscher

    Danke, dass du all diese zentralen Fragen stellst, es ist unbedingt wichtig, dass wir uns darüber verständigen. Ich finde die Idee zu solch einer Konferenz großartig und würde auf alle Fälle teilnehmen. Gerade in einer Zeit von Wahlkämpfen und Parteiversammlungen dürfen wir die inhaltliche Weiterentwicklung nicht vergessen. Würde mich sehr freuen, wenn die Konferenz stattfinden würde und gern bei der Vorbereitung helfen.

  4. Achim Schäfer

    Hi Christopher,
    warum kommt ihr da jetzt erst drauf? Das habe ich (Ex-Mitglied im Kreisvorstand Nürnberg) – und nicht nur ich – schon vor 2 Jahren nach der BTW 2009 dauern „gepredigt“, aber niemand wollte es hören…
    Selbst die CSU hatte sich zunächst mal überlegt, was sie will und dann losgelegt – dass sie dann sozusagen vom Weg abkam, steht auf einem anderen Blatt.
    Also bitte, lass deinen Worten Taten folgen!
    so long
    Achim

  5. In meiner Erfahrung (in der sehr realpolitischen Kommunalpolitik) ist, dass ein entscheidender Wert der Piraten, und vor allem unser zentrales Alleinstellungsmerkmal, ist: Wir machen den Scheiß nicht schon seit 20 Jahren.

    Das bringt neben den Schwierigkeiten – man muss sich langwierig einarbeiten in alles Mögliche, ist weniger effizient und schlagfertig – vor allem mit sich, dass wir nicht aus Persönlichen Seilschaften, Feindschaften oder Parteitaktik heraus handeln. Dadurch werden vernünftige Lösungen für echte Probleme bevorzugt gegenüber Ablehnungen aus Gehässigkeit oder Parteidisziplin.
    So weit so banal, das könnte auch eine x-beliebige „Neue Leute“-Partei leisten, die dann nach 20 Jahren eine Parodie ihrer selbst ist und ihrerseits ersetzt wird.

    Die Piratenpartei hat nun unter Anderem zwei entscheidende Vorteile:
    Erstens besteht unsere Bewegung zum großen Teil aus lösungsorientiert, logisch und pragmatisch denkenden Menschen. Es ist uns schlicht zu blöd, Sachfragen über die Schulter durchs Knie ins Auge zu lösen, damit irgendein Anschein gewahrt oder eine Tradition bedient wird. Wenn wir uns das bewahren können, sind wir ein Stück weit gefeit gegen sich einschleifende, sinnlose Rituale wie sie die Parteiendemokratie prägen.
    Zweitens gehören zu unseren Zielen Instrumente, die geeignet sind, die Allmacht der Parteien zurückzudrängen. Daten offenzulegen, Verwaltungsvorgänge verständlich und von außen beeinflussbar zu machen, demokratische Legitimations- und Beteiligungsmöglichkeiten neu zu schaffen – all das ermöglicht es Menschen, denen Parteien an sich zu blöd oder zu unflexibel sind, die Gesellschaft zu beeinflussen und weiterzubringen.

    Das sind sturkturelle Vorteile, die wir haben, aber wir müssen ihnen auch treu bleiben, und sie bilden noch keine Inhalte. Wir müssen auch inhaltliche gesellschaftliche Visionen entwickeln, die uns neben dem „anders sein“ antreiben.

    Deshalb ist das Gespräch, das Du suchst, wahrscheinlich genau das richtige.

  6. Gaby Unbekannt

    Gut, dass DU diese Fagen stellst, denn manchmal hatte ich bisher den Eindruck, dass solche Fragen nicht unbedingt erwünscht sind. Als ich die Piraten einmal als „liebvoll chaotisch“ bezeichnete, dachte ich schon, ich müsste wieder austreten, ich gehöre nicht dazu…
    ich hätte ein sehr großes Interesse an solch einer Konferenz, allerdings müsste man sich hier im Vorfeld Gedanken darüber machen, wie viele und wer daran teilnehmen sollte. Ich denke, dass an einem Wochenende mit spontan versammelten Piraten nicht viel dabei herauskommt, was bitte nicht heißen soll, dass nicht jeder Einzelne wichtig für uns ist.
    Wir sollten hierfür das breite Spektrum der Fachkompenz der Piraten nutzen und etwas erarbeiten, was selbstverständlich diskutiert werden soll, was dann aber auch „verabschiedet“ werden sollte. Jeder muss sich einfach im Klaren sein, dass wir nie allen piratischen Visionen, Zielen gerecht werden können.
    Bürgerbeteilung z. B.? Hervorragend! Immer? Wann? Wann nicht? Immer, bedeutet sicher auch, dass die Umsetzung gewisser Notwendigkeiten uferlos lange dauern könnte (dauert ja jetzt schon Vieles) und unnötige Kosten verursacht werden usw. usw.
    Naja, und dass wir nicht so werden wollen wie die „Anderen“, das liegt einzig und allein an uns selbst und daran, wie viel Supervision wir bei unserer Arbeit zulassen. Erst wenn wir aufgehört haben, unser eigenes Agieren zu hinterfragen, erst dann – so meine ich – sind wir wie die „Anderen“. Sich zu verändern bedeutet also nicht zwangsläufig, so zu werden wie die Etablierten.
    Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen…

  7. Pupskartoffel

    Ich habe zum Beispiel den Eindruck, dass wir im Gegensatz zur FDP eine klare Definition von liberal haben. Zumindest stimmt diese nach außen und innen überein.

  8. Stefan Schimanowski

    „Die Partei ist nicht das, was dir jemand erzählt (oder in diesem Falle niederschreibt), sondern das, was du daraus machst.“

    Mir ist dein Gedankengang völlig einleuchtend, ich finde es auch nicht verkehrt einiges mal genauer zu umreißen. Über viele Punkte haben wir alle sicherlich recht ähnliche Grundgedanken, aber mir reicht es völlig zu sagen, was wir in etwa darunter verstehen als es genau zu definieren. Und das liegt in einem der Punkte selbst begründet.

    Du hast es selbst schon oft gesagt, wir sind die Partei, die die gesellschaftliche Veränderung unter anderem durch das Internet verstanden und die daraus entstehenden Chancen verstanden hat. Soweit klar, was ich aber mit den Piraten erreichen möchte – und hier sehe ich den Unterschied zu den anderen Parteien – ist eine permanente Weiterentwicklung. Ich möchte nicht an immer denselben Werten festhalten, an ganz bestimmtem Vorstellungen, wie eine Gesellschaft sein soll (oder sich wünschenswerterweise entwickelt). Es wird nicht alles so laufen wie wir uns vorstellen, wir wissen aber, es wird Veränderungen permanent geben und ich möchte als Partei darauf reagieren können, ohne dass wir vorab gewisse Dinge festgeschrieben haben und gefangen sind in unserem begrenzten Denken.

    Begriffe aller Art können gerne in Wahlprogrammen spezifisch erläutert und gefordert werden, aber sie vorab als Gesamtpartei festzulegen halte ich für überflüssig.

  9. Du sprichst mir aus der Seele, und klarer, als ich die Themen immer wieder mal angedacht habe.
    Ein paar Stichworte aus solchen Überlegungen (zum Thema Transparenz):
    – Wir sind der Staat, und haben das Recht (als Bürger, als Abgeordnete), zu überprüfen, ob unsere gewählte Exekutive korrekt mit unserer Verfassung und unseren Steuergeldern umgeht.
    – Sollten Entscheidungen über Ausgabe öffentlicher Gelder vielleicht vorher dem Bundes/Landesrechnungshof vorgelegt werden, statt nachträglich sanktionslos angeprangert zu werden?
    – Sollten Gesetzestexte vielleicht vorher dem BVerfG zur Prüfung vorgelegt werden, statt Jahre später, mit weiteren Jahresfristen, als verfassungswidrig erklärt zu werden?
    – Sollten Sitzungen gewählter Gremien grundsätzlich öffentlich sein, gestreamt und archiviert werden, ausser wenn im Einzelfall die Öffentlichkeit mit nachvollziehbarer Begründung ausgeschlossen wird?
    – Sollten Texte, die die Arbeit von Legislative und Exekutive dokumentieren, grundsätzlich öffentlich verfügbar sein, ausser wenn im Einzelfall eine befristete Geheimhaltung mit nachvollziehbarer Begründung ausgesprochen wird?
    – Sollten die Hartz 4-Aufstockungsgelder öffentlich dokumentiert werden (ohne Angabe des direkten Empfängers, wg. Datenschutz, aber mit Angabe dessen Arbeitgebers, zwecks Fehlersuche und meinetwegen auch etwas Anprangerung ;^)?
    Fragen über Fragen…

  10. Dennis Klüver

    Es müssen nicht alle Fragen auf einmal beantwortet werden, aber einige Antworten wären schon schön. Das Wachsen der Piraten und das Miteinander von alten und neuen Piraten gehört aktuell dazu. Bin an dem Treffen interessiert.

  11. Sehr sehr gute und wichtige Gedanken! Im Moment sind diese guten Umfragewerte ganz einfach Vorschuss-Vertrauen! Und das bekommt man nicht lange. Vielleicht wäre es gut ein regelmäßiges Event da raus zu machen. Eins bei dem es explizit NICHT darum geht sofort alles offiziell zu beschließen. Dafür sind Parteitage da.
    Finde die Idee sehr gut. Würde mich beteiligen.

  12. Instant interest.
    Just add caffeine.

  13. Sehr guter Gedankengang!
    Ähnliche Fragen gingen mir in den letzten Tagen auch durch den Kopf!
    ergo: interesse an einer solchen Veranstaltung!

  14. Wenn die Antwort auf Fragen wie „Was ist für uns ein anderer Politikstil? […] was ist Basisdemokratie?“ nicht im Hinterzimmer ausbaldowert wird, sondern in einem anderen Politikstil und basisdemokratisch … ja, dann habe ich Interesse. Großes Interesse.

  15. Tobias Conrad

    Was hier gesucht wird, sind Antworten und keine Definitionen! So hast Du Fragen gestellt und keine Objekte gezeigt, die es zu bestimmen gilt.

    Sicherlich sollte man definieren, worüber man spricht. Man muss sich dabei aber bewusst bleiben, dass immer Undefiniertes übrig bleiben wird, was dann z. B. als Dogma Grundlage bleibt. Also selbst wenn Dein Wunsch nach Definitionen erfüllt wird, muss der Einsatz dieser Definitionen z. B. in der Tagespolitk (weiterhin) dem Versuch ähneln, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Herausforderungen ziehen zu wollen!

    Ich denke mal, dass Deine Forderung nach Antworten auf die von Dir oben formulierten Bedeutungsfragen eher dem Wunsch folgt, dass wir Piraten argumentativ zwingender und kohärenter auftreten sollten!

    Sprachlich unschön an Deiner salopp formulierten Überschrift finde ich übrigens, dass Du durch diese andeutest, dass für dich eine Macht in Ordnung ginge, die Dir die gewünschten Antworten liefert!

  16. Stephan Urbach

    Ich habe Interesse an dieser Fragestellung (und auch an der Antwortsfindung)

  17. Eine Konferenz ist gut. Es scheint mir jedoch, dass viele Themen präziser gefaßt werden sollten. Wie wäre es deswegen mit thematischen Abendveranstaltungen, zu denen jeweils auch Kompetenz von außen kommt, damit man in der Auseinandersetzung schärfer die eigene Position fassen kann.
    Ich helfe gern beim Organisieren.
    Ein Thema ist für mich zum Beispiel: liberal oder links? Das rechts- links Schema paßt nicht mehr. Aber stehen – am Beispiel des Urheberrechts – die individuellen Rechte und die geistige Schöpfungskraft des Einzelnen im Vordergrund oder hat die Userperspektive mehr Gewicht, dass alles auf früheren Ideen beruht, deswegen nicht schützenswert ist und kopiert werden kann. Das Spannungsfeld Aufklärung – (Selbst-)Entmündigung – Postdemokratie steht dahinter. Wenn man möchte, kann man dieses Thema auch unter einem populäreren Begriff diskutieren, indem man das Schlagwort „Content-Mafia“ seziert.

  18. Wär ick sofort dabei, genau so siehts nämlich aus…

    Danke

  19. Bei „öffentlich“ sind wir schon auf recht gutem Weg (auch wenn der noch lang‘ ist, die Richtung passt) – aber das sind auch erst einmal nur Rohdaten. Wichtige Grundlage, aber nur der allererste Schritt.

    Für Transparenz, also Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit fehlt da noch einiges. Und da müssen wir kräftig ‚dran arbeiten.

    Schlussendlich dann Politik zum Mitmachen/Mitmischen. Und dabei sollten wir nicht nur in einer Richtung denken.

    Für alle drei Schritte brauchen Ideen,Kreativität und Mut, altes weiterzudenken und neues auszuprobieren.

  20. Rixdorfer Pirat

    Genau über all diese Fragen diskutieren wir seit Sommer 2009 jeden Freitag abend in unserer Crew. Und ich denke, dass hat du auch früher in deiner so gemacht. Über LQFB haben wir dann alle unsere Meinungen kundgetan, im Wiki verewigt und über die Piratenmailinglisten dieser Welt weiterverbreitet. Warum sollte das alles auf einmal nicht mehr funktionieren? Das ist und war immer schon die reale und gelebte Basisdemokratie, wo es um Themen statt Köpfe geht. Aufpassen mussen wir dagegen, dass auf solch einer Konferenz nicht auf einmal von wenigen Köpfen im Hauruck-Verfahren ein neues Grundsatzprogramm inkl. Visionen für die PP erstellt wird, und das ganz ohne den normalen basisdemokratischen Meinungsbildungsprozess, den wir alle seit Jahren sehr effolgreich praktizieren.

    Ich weiß, dass strapaziert wahrscheinlich wieder deine Geduld, aber das ist der Preis der Demokratie von Unten ;-)

  21. Fein,danke,das ist genau das was ich schon seit geraumer Zeit sage…Wie wollen wir weitermachen.Ich habe mich interessiert weil ich den neuen Stil als förderlich ansah.Aber im Moment sehe ich einen Stillstand.Trotz der ganzen Wahlen und den tollen und übersichtlichen Wahlkampf Aufstellungen.Da machen viele Hände eine wirklich gute Arbeit…Nur was dann?Nehmt bitte die weniger gebildeten auch mit bei der Findung neuer Ideen.

  22. Hab mich hier mal bedient und zitiere:
    „Erstens besteht unsere Bewegung zum großen Teil aus lösungsorientiert, logisch und pragmatisch denkenden Menschen. Es ist uns schlicht zu blöd, Sachfragen über die Schulter durchs Knie ins Auge zu lösen, damit irgendein Anschein gewahrt oder eine Tradition bedient wird. Wenn wir uns das bewahren können, sind wir ein Stück weit gefeit gegen sich einschleifende, sinnlose Rituale wie sie die Parteiendemokratie prägen.
    Zweitens gehören zu unseren Zielen Instrumente, die geeignet sind, die Allmacht der Parteien zurückzudrängen. Daten offenzulegen, Verwaltungsvorgänge verständlich und von außen beeinflussbar zu machen, demokratische Legitimations- und Beteiligungsmöglichkeiten neu zu schaffen – all das ermöglicht es Menschen, denen Parteien an sich zu blöd oder zu unflexibel sind, die Gesellschaft zu beeinflussen und weiterzubringen.“
    Mit dieser Massgabe habe ich auch Lust auf einen Workshop und dergl.

  23. bin kein pirat, wäre aber sofort dabei.

  24. Für mich ist die PP keine Partei im klassischen Sinne, sondern sowas wie eine demokratische „Spyware“ in einem abgeschlossenen, politischen System. Ich erwarte nicht, dass ihr über Jahrzehnte eingespielte Prozesse und Verfahrensweisen ad hoc umkrempelt oder reformiert. Das könnte über die Zeit als Nebeneffekt passieren, aber die etablierten Strukturen sind zu festgelegt, als dass man da mal eben die Axt ansetzen und eine schnelle Veränderung erwirken könnte.

    Was ich erwarte ist etwas anderes, nämlich dass ihr das tut, was ihr am besten könnt: Beobachten, Analysieren, Kommunizieren und das ganze als Prozess in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Ihr sollt soviel wie möglich nach Aussen tragen, von dem, was stets im Verborgenen ablief und aus dem Hintergrund wirkte und wirkt. Informationen, Protokolle, Verfahrensweisen, Absprachen, Lobby-Aktivitäten – das alles muss sichtbar werden, damit man es nachvollziehen und verstehen kann (ohne dafür selbst erstmal Teil dieses Systems werden zu müssen). Macht die Politik sichtbar, wie sie wirklich ist – hinter den redundant in Mikrofone gelaberten Null-Aussagen etablierter Amts- und Mandatsträger!

    Wenn ihr das dauerhaft hinbekommt – damit meine ich schlicht, wenn ihr es schafft, Piraten zu bleiben – dann ist das allein schon Grund genug dafür, euch (weiter) zu wählen.

    Also mein Rat für dich/euch ist: Jetzt bloss nicht in eine Sinnkrise verfallen, die eigenen Ansprüche nicht zu hoch stecken, es eher wie ein Abenteuer verstehen. Eine Reise in fremdes, gar befremdliches Terrain, mit Echtzeit-Link zur „Aussenwelt“. Macht sichtbar, was ihr erlebt. Probiert aus, was geht und teilt eure Erfahrungen mit. Aber lasst euch nicht entmutigen, wenn es Rückschläge gibt. Wenn einmal in fast jedem Land- und im Bundestag ein paar Piraten sitzen, hat das System sich bereits irreversibel verändert. Es gibt dann kein Zurück mehr, zu alten Verhältnissen, weil die Piraten quasi instantan einen Transparenzdruck erzeugen, der sich auf die anderen Fraktionen überträgt. Sie müssen dem immer mehr nachgeben, ob sie wollen oder nicht.

    Alles weitere bleibt abzuwarten. ;-)

  25. Schön, dass so viele ähnliche Gedankengänge haben. Ich wäre gerne bei so einer Konferenz dabei und würde auch bei ihrer Realisierung helfen.

  26. Wir treten nun wohl auch in eine Phase ein, in der wir gefühlt etwas zu verlieren haben.
    Das stellt neue Herausforderungen an die rasant wachsende Partei.
    Macht man zwischen realpolitischem Pragmatismus im Mandat und eigenen programmatischen Anspruch eine Blutgrätsche? Lösen sich Spitzengruppen unbewusst vom wachsendem Feld der Basispiraten?
    Diese Gefahren lassen sich verringen, wenn es einen klareren Konsens bei der Definition der angesprochenen Begrifflichkeiten gibt, die uns verbinden. Deine Nachdenklichkeit ist angebracht, denn bald könnten wir, wie viele wachsende Unternehmungen in Krisen geraten, die dem Wachstum und dem Erfolg entspringen.

    „In den grundlegenden Fragen muß man naiv sein. Und ich bin der Meinung, dass die Probleme der Welt und der Menschheit ohne Idealismus nicht zu lösen sind. Gleichwohl glaube ich, dass man zugleich realistisch und pragmatisch sein sollte.“

    In meinen Ohren klingt das wie ein Pirat, oder? Achtung, es war Helmut Schmidt!
    Soviel zu Wort und Tat. Wir sind nicht die besseren Menschen, wir sind Menschen, die sich auf einen wahrhaftigeren Ansatz des Humanismus verständigt haben. Damit haben wir eine Chance, nicht mehr, aber viel mehr als Wähler zu erwarten gewohnt sind.

    Natürlich wird sich die Partei verändern, sich häuten, aber wir müssen rechtzeitig progressiv auch nach innen sein, schonungslos. Viele gute Ideen erleben Erfolge, aber sie erleben auch ihre Angst, diese Erfolge nicht verteidigen zu können. Das ist die Angst, die ich momentan auch in unseren Reihen wahrnehme. Diese Angst darf uns nicht steuern.
    Wir sollten nur den Erfolg anstreben, den wir erringen können, wenn wir wir selbst bleiben.

    Deshalb, – ja, klären wir, was uns ausmacht, klarer als bislang.
    Dann sind wir auch weniger Projektionsfläche für Neumitglieder, und wachsen stärker um Mitglieder, die unser Wesen stärken.

  27. Interessant, in etwa die Überlegungen, wie Simon sie gerade im Piratorama äußerte. Unser Freiheitsbegriff sollte wohl auch definiert werden und nicht nur im Hintergrund von Anträgen herumwabbern.
    Wenn da Dinge fehlen, um realpolitisch wirken zu können, dann muss das die Basis wissen und wir füllen die Lücke.
    Mich befremdet im realen Wahlkampf mehr, wenn mir jemand sagt, dass er gar kein Internet habe oder dass er real life andere Probleme habe als piratig vernetzt zu sein.
    Von einer guten Idee zur gesellschaftlichen Wirksamkeit ist ein weiter Weg und mitunter entstehen Wirkungen beim plenaren Individuum eher als wir mit unseren Themen bei den Menschen ankommen.

  28. Ich hab auch das Gefühl, die Piraten müssen sich dringend „impfen“ – ähnlich unserer wehrhaften Demokratie muss einerseits die Innovationsfreudigkeit aber auch die das Festhalten an den Grundsätzen gewährleistet werden.
    Das Grundsatzprogramm ist bisher schon eine super Sache und sollte imho auch in dieser Richtung weiter ausgebaut werden.

    Eine Unterwanderung durch „normale“ Politiker wäre vllt nicht das Ende der Piraten, aber der Idee dahinter.
    Deshalb auch einen breit anerkannten Codex im Umgang der Piraten untereinander, zu Medien und anderen Politikern sollte es geben.

    Etwa: Hart aber Fair, ehrlich und pragmatisch.
    Eine Art Unternehmenskultur, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Organisationskultur

  29. wie meldet man denn am besten interesse an?

  30. […] lohnt es sich, dort so zu differenzieren? Erstens lohnt es sich, um – wie Christopher Lauer geschrieben hat – nicht die Definitionsmacht aus der Hand zu geben: Schon jetzt wird, wie eingangs erwähnt, das […]

  31. […] macht sich in seinem Beitrag genau auf die richtige Suche. Er fordert die ganzen Kampfbegriffe einer modernen Gesellschaft zu definieren: Im Kern dreht sich aber alles um die Frage, was wir als Partei in Deutschland verändern wollen […]

  32. Thomas walter

    Ja, so sehe ich das auch so. Du kannst auch auf mich zählen, bin dabei! Bitte um Einladung. Aber es gibt immer noch viele in der Partei, die blocken, wenn es darum geht, tiefergehende Konzepte zu artikulieren, fühlen sich überfordert, überfahren, nicht mitgenommen usw. Auch die Resonanz zu Initiativen und die Mitarbeit ist verbesserungswürdig. Die Frage ist auch, wie schaffen wir es, alle unsere Mitglieder so zu mobilsieren, dass jeder seinen Beitrag, je nach Leistungsfähigkeit einbringen kann? Nur gemeinsam sind wir stark! Ansonsten passiert das,was bisher immer in der Politlandschaft zu sehen ist: Nur wenige machen was und alle folgen aus Bequemlichkeit. Darin liegt die Gefahr! Nur wenn wir es schaffen, dieses Phänomen zu überwinden, sind wir ANDERS! Und deshalb ist es noch lange nicht ausreichend, wenn vorwiegend „Superdeligierte“ im LQFB die Meinungen steuern können, denn auch hier ist die „Bequemlichkeit“ zementiert. Hier müssen Limitierungen geschaffen werden. Und nur wenn dann wirklich größere persönliche Beteiligung erfolgt, sind wir auf dem richtigen Weg.
    LG
    Thomas

  33. Michael Hartung

    Bin auch dabei.
    Bin aber der Meinung, daß wir eine Menge allein dadurch bewirken, daß wir das Getriebe auseinandernehmen wollen – nicht nur Sand reinstreuen. Klar müssen wir die Sachen, die wir wollen klar definieren, aber das findet doch tagtäglich statt. Auf keinen Fall dürfen wir dies so definieren, daß alle das genau Gleiche sehen. Vielfalt statt Einfalt sollte auch in den Definitionen herrschen. Übrigens … http://tractatus-artium.blog.de/2012/03/19/gibt-tatsaechlich-weltbewegendes-piraten-fordern-13216278/

  34. Ist ja derbe, was der BILD-Artikel für ’ne Scheiße aus diesem vernünftigen Artikel gebaut hat *schockiert … im Bild-Artikel klang es, als wenn du dir dessen bewusst geworden bist, dass die Piratenpartei zum Scheitern verurteilt ist, und wirfst aufgrund dessen resigniert das Handtuch.
    Doch hier liest man nicht mehr und nicht weniger als einen konzeptkritischen Blog-Eintrag, der parteiintern höhere Wellen schlagen sollte (konstruktiv, versteht sich).

  35. […] Kulturkrise bevorsteht muss man gar nicht vorhersehen, man kann zusehen, wie sie hergestellt wird (hier, hier, hier, hier, hier, usw. – eine Auswahl der letzten zwei […]

  36. Ich denke viele Piraten haben bereits Vorstellungen wie die politische Zukunft in Deutschland aussehen könnte. Die Frage ist ja nur wie man dann dahin kommt. Vielleicht sollte man die Vorstellungen mal gemeinsam konkretisieren und in einem professionellen Sci-Fi mäßigen Kurzfilm (z.B. „Piraten Agenda 2030“ oder so…) anschaulich darstellen. :-)

    Was könnte so ein Film z.B. beinhalten ? (PS: Träumen ist schön)

    Die meisten Daten der Verwaltungen wurden digital und standardisiert verfügbar gemacht. Auf Basis dieser Daten ist eine Vielzahl freier Applikationen entstanden die den Bürgern viele Dinge in der Stadt erleichtern. Digitale vernetzte Live-Visualisierungen von Verwaltungsdaten erlauben jedem Bürger jederzeit einen einfachen und übersichtlichen Einblick in die politischen Prozesse, Ausgaben, Gesetze usw. ihrer Stadt.
    Die Piratenpartei hat es durch ihre Initiativen geschafft ein politisches System zu schaffen in dem grundsätzlich jeder Bürger
    Vorschläge einbringen kann. Die Bevölkerung hat in weiten Teilen gelernt dass sie selbst Verantwortung an der Entwicklung ihres Landes trägt und beteiligt/informiert sich verstärkt in der Politik. Das Bildungsniveau ist gestiegen. Politische Parteien wurden weitgehend überflüssig.
    Die Bevölkerung kann sich, dadurch dass sämtliche politischen Prozesse für jeden jederzeit zugänglich sind und verwaltungstechnische Änderungen wegen Digitalisierung dynamisch möglich sind, zunehmend selbst verwalten. Änderungen im politischen System ergeben sich durch Merheiten in der Bevölkerung. Gute und sinnvolle Ideen geraten wegen digitaler Vernetzung verstärkt in die Öffentlichkeit und setzen sich meistens durch. Experten aus unterschiedlichsten Bereichen bringen viele sinnvolle Ideen und Vorschläge ein.

    Die Piratenparteien weltweit haben sich verstärkt etabliert und sind gut vernetzt. Internationale Gespräche, Kommunikation und Austausch ist wegen der Verfügbarkeit von Echtzeit-Universalübersetzungsprogrammen kein Problem mehr.Die Weltbevölkerung wächst durch digitale Kommunikationsmöglichkeiten immer stärker zusammen.
    Piratenparteien international arbeiten an einem kontinuierlichen gemeinsamen Prozess zur weiteren Vernetzung politischer Systeme und Gesellschaften.
    ——-

  37. Einen Top-Down-Ansatz haben wir dazu schon 2010 in Bielefeld verfolgt, wir haben versucht aus unserem Grundsatzprogramm Maximen und Hauptziele abzuleiten, der nächste Schritt wäre, daraus konkrete Forderungen abzuleiten, leider schläft die Diskussion über die gemeinsame Identität und auch die von dir gestellte Frage „was wir eigentlich wollen“ immer wieder ein.

    Es ist eine Grundsatzdebatte darüber nötig, da gebe ich dir recht.

    Eventuell als Einstiegspunkt nützlich, unsere damaligen Ergebnisse:

    https://wiki.piratenpartei.de/Bielefeld/Bielefelder_Thesen

  38. Oder nennen wir es Deutungshoheit?
    Zuerst sollten wir uns auf die richtigen Fragen einigen.
    Um uns dann im Austausch nicht sofort in der Unendlichkeit zu verlieren.

  39. […] Definitionsmacht Baby!:Für diese ist es aber unabdingbar, dass wir die Dinge, über die wir die ganze Zeit reden, endlich einmal definieren. Es muss um die Fragen gehen, was uns als Partei ausmacht: Was ist für uns ein anderer Politikstil? Was läuft an unserem momentanen politischen System gut/schlecht und was wollen wir daran wie verändern? Was ist Transparenz in Politik und Verwaltung, was ist Bürgerbeteiligung, was ist Basisdemokratie? Was sind unsere Lebenslügen? […]

  40. […] ist kein Risiko eines Kandidaten, sondern ständige Gefahr durch die Partei. Sie lähmt. Es ist wie Christopher Lauer sagte: “Wir reden viel über Transparenz und Bürgerbeteiligung. Was es für uns konkret bedeutet […]

  41. Die Idee eines Piratenpartei-Think-Tanks stelle ich mir sehr interessant vor. Es gibt bei den anderen Parteien ja keinen direkteren Zugang auf den „Wertekern“, oder wie man das in Anlehnung an den berüchtigten Markenkern nennen mag, gleichwohl immer noch im industriegesellschaftlichen Vokabular gefangen (früher waren „Werte“ „Tugenden“, in Zukunft wird dieser Begriff vielleicht weiter verschwimmen in Richtung „Wahrheit“, „Information“ und noch anderen Bedeutungen), als über die verfügbaren öffentlichen Kanäle und in Einzelfällen durch Hinterzimmer oder Schnappschussmomente.

    Also sowas wie ein Think Tank mit dem Thema „Piratenpartei“. Ich finde es ungeheuer wichtig, hier nicht nur Piraten zu laden, vor allem auch kritische Personen, wobei nicht nach Nation oder Parteizugehörigkeit generell gefragt wird.

    Alles nur themenbezogen diskutieren. Oder wie wird das dann formell eingeschränkt? Es soll ja kein Vortragspanel mit Diskussionsrunde werden. Das Pad müsste genutzt werden, um in Echtzeit Gedankengänge zu visualisieren und zu unterfüttern.

    Ein weiteres Problem ist natürlich, dass gewisse Dinge wie vor allem Paradigmenwechsel Zeit brauchen – wie politische Entscheidungen deswegen ja auch. Man muss sich erstmal klar machen, was da eigentlich passiert. Denn auch wenn wir nicht mehr im zum Beispiel 3. Reich leben, so passieren ja Dinge mit uns, mit anderen, mit der Sprache, die wir benutzen, mit der Teilhabe an den Dingen, die unsere Einzelperson übersteigen.

    Also, das ist vielleicht jetzt auch schon klar, lieber Herr Lauer, ich wäre gerne auch dabei, irgendwie. Die Piratenpartei muss die Perspektive wahren, die sie auch vertritt: das größere Ganze. Sie hat jetzt schon einen Einfluss auf die gesamte Bevölkerung, und sie ist nur in zwei Landesparlamenten. Allein dieser Moment darf nicht vergessen werden, denn er zeigt, dass jede Partei im sich immer verändernden Jetzt jederzeit Verantwortung für die Gesamtbevölkerung und nicht nur die Wählerschaft (was ist das überhaupt? Man fragt sich, was die Netzgemeinde ist, und hat noch selten länger über das Wort Wählerschaft diskutiert. Eine ebenso unberechenbare Masse wie zum Beispiel Anonymous, von der Zusammensetzung, oder? Man trifft sich halt einmal alle fünf Jahre unter dem Motto „Wahl“ und darf einen Knopf drücken. etc. pp.) trägt.

    Auch emotional. Obama hat damit den Wahlkampf gewonnen, ihr haltet euch bitte damit über Wasser, solange die Kritiker das Zählen noch nicht bei 1 aufgehört haben. Mit der Hoffnung auf positive tatsächliche Veränderbarkeit des Systems, das uns betrifft.

    Danke dafür schon bis jetzt von einem Außenstehenden, der aufmerksam, informiert und gut unterhalten beobachtet. Das Limit ist nicht die Zimmerdecke…

  42. Danke. Diese Fragen stellen sich viele Mitbuerger.

    Ihr steht nun mit in der Verantwortung, und fangt bei euch an. Transparenz, Offenheit, und weiter schoen den etablierten den Spiegel vorhalten damit die ihr haessliches tun sehen.

    Wenn man sich die Daten pragmatisch anschaut, dann habt Ihr leider typisch deutsch nur einen Anfaengerbonus. Also bitte ich euch hart daran zu arbeiten, und viel zu diskutieren, um dann auch tatkraeftig Definitionen festzusetzen.
    Das geht aus der Opposition heraus leichter. Und ich glaube Ihr werdet schon merken wann man euch das Vertrauen fuer eine Regierungsbeteiligung schenkt.

    Eigentlich war ja die Minderheitsregierung in NRW ein idealbild wie es laufen kann, fuer bestimmte Themen Mehrheiten zu finden. Das wollen die etablierten Parteien aber nicht.
    Genau deswegen bitte ich euch auch heftig zu kommunizieren dass Ihr es ernst meint mit Themen anstatt Gesichtern. Und unterwerft euch nicht dem Fraktionszwang. Das waere das schlimmste Signal das Ihr aussenden koenntet.
    Auch deswegen ist es richtig und wichtig ein schnelles feedback system, wie Ihr es in Berlin entwickelt habt, weiter zu entwickeln und auch einzusetzen. Das wiederum waehre eines der besten Signale die Ihr aussenden koenntet.

    Gruessle aus Asien,
    Rene

  43. Hallo Christopher,
    ich finde deinen Beitrag interessant und wichtig und hoffe, dass er noch möglichst viele Piraten und Sympathisanten erreicht.

    Bin jetzt auch bald als Pirat bestätigt und mache mir bereits Gedanken wie man die Partei und besonders meinen Landesverband Bayern voranbringen kann.
    Wie du schon angesprochen hast, ist ein mögliche Regierungsverantwortung bzw. Koalitionen ein noch recht vager Punkt der Klärung bedarf.
    Zwar ist das jetzt länderspezifisch und zu den Wahlen in BY ist es noch lange hin, aber ich denke das ist eine wichtige Frage, die vorab geklärt und den Menschen erklärt werden muss. In Berlin und Saarland war ja im Vorfeld absehbar was für eine Regierung rauskommen wird (auch wenn es bei euch ja doch anders kam), bei uns wird das anders. Es scheint spannend wie noch nie zu werden, darum wird wohl extrem taktisch gewählt werden und es kann sein dass die anderen Parteien „für und gegen den Wechsel“ gegen/für uns argumentieren werden.

    Darum wird es wichtig sein dass wir klar sagen können, was wir beabsichtigen, damit nicht bloß *über* uns geredet wird, wie jetzt wo es gerne heißt ein Erfolg der Piraten z.B. bundesweit würde eine Große Koalition erzwingen und Alternativen unmöglich machen.
    Das nur so als beispielhafter Einwurf meinerseits wie wichtig solche Positionsklärungen sein könnten.
    Bin daher an deiner Idee auf jeden Fall interessiert!

    Zum Abschluss möcht ich noch sagen, dass ich es super finde, wie ihr Abgeordneten den Rest der Partei an euren Erfahrungen und Erkenntnissen (wie dieser Gedanke) teilhaben lasst, da es denen die nach euch auch ein Amt erkämpfen, zeigt was sie erwartet.

    Grüße aus dem Frankenland!

  44. […] Gedenkstätte Hohenschönhausen, Schlossparktheater, Lobbyvertreter bei Christopher Lauer, Lauer stellt Fragen, Zum falsch zitiert werden, Passend dazu zum Verhältnis Sender und Empfänger, Christopher […]

  45. Lieber Christopher, dein Bitten um Definitionen der Begriffe ist nachvollziehbar, nicht nur aus Argumentationsgründen. Die PP muß um im Politischem Geschäft mithalten zu können konkrete Entscheidungen zu Themen treffen, aus diesem Grunde sitzt ihr in Berlin im Abgeordnetenhaus.
    Politik ist sehr direkt und hat konkrete Auswirkungen, gerade aus diesem Grunde benötigst du konkrete Definitionen um Entscheidungen treffen zu können in die Eine oder Andere Richtung. Ja ich stimme deiner ANALYSE absolut zu, das du zur Zeit nur unkonkrete Anhaltspunkte hast um Entscheidungen treffen zu können und genau aus diesem Grunde unterstütze ich deinen Vorschlag zu dieser Konferenz .
    Danke auch für deine bisher geleistete Arbeit innerhalb der Partei.

  46. Rainer Thiem

    Hallo Christopher,
    leider habe ich Deine Überlegungen zur Lage der Partei erst heute wahrgenommen. Die Ehrlichkeit mit der Du die piratischen Defizite und Widersprüche beschreibst, gefällt mir sehr. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn die angedachte Konferenz in naher Zukunft stattfindet. An der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung möchte ich gerne mitwirken. Gibt es bereits erste Planungen?

    Viele Grüße Rainer

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