RBB Klartext: Vorher schon wissen was nachher kommt

tl;dr: Das sogenannte Investigativmagazin „Klartext“ des RBB ist so investigativ, dass es bereits während der Recherche zu einem Beitrag über die Piratenfraktion eine Vorankündigung über diesen Beitrag veröffentlicht, der den tendenziösen Charakter der Berichterstattung des Magazins unterstreicht.

In der letzten Woche habe ich einen Gesetzesentwurf für eine Urheberrechtsreform veröffentlicht. Im Rahmen der Berichterstattung bekamen Fraktionsmitglieder, unter anderem auch ich, eine Anfrage vom RBB-Magazin Klartext. Klartext ist eine von den Sendungen, wo man als Zuschauer suggeriert bekommt, hier gingen die Redakteure ganz tief, bis dahin wo es wehtut. Die Dinge, über die halt sonst keiner berichten will. Daher spart man auch bei der Selbstbeschreibung nicht mit Eigenlob:

„Unsere Autoren decken mit eigenen Recherchen gesellschaftliche Missstände auf – unabhängig von politischen Parteien und Ideologien. Eine Sendung, die bei der Berichterstattung keine Konflikte scheut: glaubwürdig, aktuell und verständlich.

Alle 14 Tage Klartext. Mittwoch um 22:15 Uhr.

Leitung der Sendung: Reinhard Borgmann“ Quelle

Die Piraten kamen schon zwei oder drei mal bei Klartext vor, ich wurde zweimal von der Redakteurin Iris Marx interviewt. Die Gespräche laufen immer nach dem selben Muster ab: Es werden eine halbe Stunde oder länger aggressiv immer wieder dieselben Suggestivfragen gestellt, am Ende wird das denkbar dümmste Zitat in einen tendenziösen Bericht geschnitten.

Momentan sieht die sogenannte Recherche von Frau Marx in Sachen Urheberrechtsentwurf so aus, dass sie unsere Pressestelle mit Mails bombardiert und immer wieder dieselben Fragen stellt. Ein Fraktionsmitglied stand bereits für sie vor der Kamera, ein weiteres hat wohl für einen O-Ton zugesagt. Das heißt zum jetzigen Zeitpunkt könnte man davon ausgehen: Der Bericht ist noch nicht fertig, es wird noch recherchiert, die Redakteure von Klartext, namentlich Iris Marx, riskieren mal wieder ihr Leben, um schonungslos die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Aber: Weit gefehlt, die Redaktion von Klartext bzw. Iris Marx wissen schon worum es gehen wird. Auf der Webseite von Klartext findet man nämlich bereits jetzt eine Vorankündigung zur nächsten Sendung. Dort erfährt man:

„Piraten, die keine Piraten mehr sein wollen – von der Revolution zum Revolutiönchen

Die Legalisierung der Piraterie im Internet – war den Piraten von Beginn an so wichtig, dass sie das Thema sogar im Namen tragen. Die Partei ist angetreten, ein komplett neues Urheberrecht zu schaffen. Kurz vor ihrer Landesmitgliederversammlung haben die Berliner Piraten dazu nun einen ersten Entwurf vorgelegt: Die angekündigte Revolution bleibt aus. Anstatt die Politik von Grund auf zu ändern, hat die Politik offenbar sie verändert.“ Quelle

Auf eine telefonische Nachfrage bei der Redaktion von Klartext, seit wann denn dieser Text da schon stehen würde konnte man mir keine Antwort geben. Ein Versprochener Rückruf blieb aus. Bei Klartext würde man jetzt in reißerischem Ton sagen, dass die Redaktion mit den Vorwürfen konfrontiert zu einer Stellungnahme nicht bereit war.

Klartext und Iris Marx wissen also schon, wie der Tenor des Beitrags sein wird, zu dem momentan noch eine sogenannte Recherche stattfindet, zu dem noch O-Töne von Fraktionsmitgliedern eingeholt werden, ein Beitrag, der im Moment noch nicht mal geschnitten ist.

Da kann ich nur sagen: Chapeau! Ich bezahle gerne Gebührengelder, um tendenziöse Berichterstattung zu finanzieren. Nicht nur der Boulevard oder „Bild“ gehen mit grenzwertigen Methoden bei der Berichterstattung vor. Grade die vermeintlich investigativen Formate der öffentlich-rechtlichen Sender sind mit Abstand das mieseste, was mir bisher in Punkto Berichterstattung untergekommen ist.

Besonders toll: Iris Marx ist auf Twitter richtig froh darüber, nicht selbst in ihren Beiträgen vorkommen zu müssen.

Manchmal bin ich froh, nicht mein eigener Protagonist zu sein. Auch Reporter irren…

— Iris Marx (@irisma8) September 6, 2012

 

35 Kommentare

  1. Die Frage lautet doch, was kann man in einem solchen Fall machen?
    Egal wie, man kann den Beitrag doch eh nicht mehr drehen, weil der nur aus Schnipseln besteht.

    Lässt man sich auf das Spiel ein, dann passiert genau das. Die unglücklichsten O-Töne werden zusammengeschnitten, mit suggestiven Fragen und tendenziösen Anmoderationen filetiert und dem Zuschauer als Wahrheit(tm) serviert.

    Könnte es gelingen, den Beitrag zu zerstören? Irgendwas, das mehr in den Vordergrund rückt als der eigentliche Beitrag, und auf das man sich beziehen kann. Z.B., indem man das Interview mit einem Schuh auf dem Kopf gibt. Ja, dann heißt es im Beitrag „Haha, die kindischen Piraten nehmen ihre Pflichten nicht ernst und machten alberne Faxen“. Aber mit Sicherheit würde jemand fragen, warum man das Interview mit einem Schuh auf dem Kopf gegeben hat. Und das ist viel leichter zu erklären, wie ein misslungener O-Ton. Zusätzlich könnten wir dann eine Gegenöffentlichkeit schaffen, und sei es als #SchuhDesManitou.
    Gibt jetzt sicher bessere Beispiele.

    • Christopher Lauer

      Bei diesen Sendungen hat man schon verloren wenn man mitmacht. Ich glaube aber, dass dieser Blogbeitrag zum Beispiel für Aufklärung sorgt.

      Gruß,

      Christopher

  2. Laut Kress war Frau Marx vorher bei der WELT, naja…..

  3. Lustig ist in Zusammenhang mit ihrem Tweet eigentlich der Wikipedia Artikel zu Protagonist http://de.wikipedia.org/wiki/Protagonist

    Für ein Realität betrachtendes Format eine überraschende Bezeichnung.

  4. Ich plädiere für eine Brillenaseschnurrbart-Kombi.

  5. Ich erinnere mich dunkel, letztens in einem piratennahen Blog die These gelesen zu haben, man möge doch am besten stets das Rohmaterial (oder Parallelaufzeichnungen mit eigener Technik) solcher Interviews einfach als Quellmaterial zugänglich machen.

    Damit ermöglicht man zumindest, dass interessierte Bürger (oder echt-investigative Magazine) sich selbst ein Bild machen können. Möglicherweise nicht nur über den Befragten, sondern auch über den Fragenden.

    Wäre das eine Möglichkeit?

    • Christopher Lauer

      Klar wäre es eine Möglichkeit parallel mit aufzuzeichnen. Dann hat man aber am Ende dieselbe Situation, nämlich einen tendenziösen Bericht.

      Gruß,

      Christopher

  6. Torsten Schrammen

    Mit kleinen Jungen und Journalisten soll man vorsichtig sein. Die schmeißen immer noch einen Stein hinterher. (Konrad Adenauer)

  7. Zieh doch ein T-Shirt an auf dem das Gegenteil dessen steht was sie mit ihrer Show aussagen wollen. Dann wird’s echt schwer, oder die verpixeln das. Da hilft dann nur noch ein während des Drehs getweetetes Foto mit originaltext auf dem Shirt ;)

  8. von der sendung zum sendungchen

  9. Im Grunde bewirken Blogeinträge wie dieser doch nur, dass die Klartext-Redaktion oder der RBB so tun kann, als hätte sie sowas von recht. Dann rufen sie ihren Zuschauern ein „Guckma, getroffene Hunde bellen!“ entgegen und haben einen weiteren Beleg für ihren investigativen Journalismus, der dahin geht wo es weh tut. So kann sich die Redaktion als hehre „Ins-Wespennest-Stecher“ darstellen.

  10. KoenigDickBauch

    Ich glaube Genschmen hatte mal so was erwähnt:

    „Es wäre schon schwer während eines Interviews seinen Kopf so zu bewegen und seine Stimme so zu halten, dass es nicht möglich wäre innerhalb eines ‚Sinnzusammenhaltes‘ zu schneiden.“

    Der Kopf ruckt, die Stimme knackt und jeder weiß, das kann er so nicht gesagt haben.

    Das Leben könnte so einfach sein…

  11. „unabhängig von politischen Parteien und Ideologien“ ist vllt. in so fern richtig, dass da Musikiindustrie im Satz rausgelassen wurde. Der Twitter Account von @irisma8 ist bei jedem einzelnen Netzthema – ACTA, Leistungsschutzrecht, GEMA – deutlich positioniert.

  12. In der Antwort immer erstmal die Frage richtig formulieren (tendenz raus nehmen) und vergewissern, dass man die so richtig verstanden hat.
    Das dann ins Pad in großen Buchstaben und bei der eigentlichen Antwort hoch halten.

  13. Mich wundert diese Vorgehensweise nicht. Das scheint bei den sog. ‚Polit-Magazinen‘ der ARD gängige Praxis zu sein. Gerne ‚lauert‘ (soll hier kein Wortspiel sein) man den Politikern auch bei öffentlichen Anlässen auf, um ihnen vermeintlich investigative Fragen zu stellen. Die Angesprochenen reagieren dann, m.E. zu recht, genervt und lassen die Journalisten einfach stehen. Im späteren Beitrag wird die Situation dann so dargestellt, als wollten sich die Politiker den heiklen Fragen entziehen. Neulich hat ein ARD-Journalist auf diese Weise versucht, Berlins RB Wowi auf einer Gedenkveranstaltung zu den Mauertoten zu einem Kommentar zur BER-Chaos zu interviewen. Wowi hat den Reporter dann ordentlich in den Senkel gestellt. Ich bin wahrlich kein Wowi-Fan, aber in diesem Fall hatte er vollkommen recht. Das ist nicht investigativ, das ist einfach nach unprofessionell.

  14. oder, Du blamierst die Redakteure, indem Du tatsächlich einen radikalen Gesetzesentwurf einreichst.

  15. […] ein interessanter Blogeintrag von Christopher Lauer, Mitglied des Berliner Landtages für die Partei Die […]

  16. Wenn mich nicht alles täuscht, ist es bei „Zapp“ im NDR z.B. usus, dass Interviews in ihrer „vollständigen“ (zumindest einer längeren, ungeschnittenen) Version auf der website der Sendung zur Verfügun gestellt werden, wenn daraus für einen Beitrag nur kurze Schnipsel verwendet werden.

  17. @KoenigDickBauch: Als Technikmensch will man da sofort dem Interviewten ein T-Shirt mit Zeitstempelanzeige verpassen. Aber das führt dann nur dazu, dass der Rumpf im Bild weggeschnitten wird.

  18. journalistenbashing ist ja sehr modern geworden. und es gibt die tendenz, kritische berichterstattung durch allerlei tricks zu unterbinden. gerne wird da von politikerseite ein immens voller terminkalender vorgeschoben. der ist dann auch schon mal drei monate lang komplett voll.
    während eines interviews wird dann ausgewichen, phrasiert, an der entscheidenden stelle absichtlich gestottert (o.ä.) oder einfach gelogen. politiker hier ganz allgemein als opfer der bösen journalisten hinzustellen ist naiv.
    zum speziellen fall: natürlich gibt es in den sogenannten „investigativen“ formaten kollegen, die mit einem fertigen film im kopf zum dreh gehen und dann alles tun, um ihre realität mit belegen zu füttern. das ist journalistisch unsauber. ich kann aber nicht beurteilen, ob und in wieweit die kollegin marx das getan hat. ihre „beweisführung“ gibt da jedenfalls keine hinweise. sie haben sich ihre eigene realität im kopf gebastelt und belegen das jetzt mit dem dünnen argument, es gäbe eine inhaltliche vorankündigung auf die kommende sendung.
    gerade bei einer gründlichen recherche und nach etlichen interviews sollte ein journalist abschätzen können, wie der film laufen wird. ja mehr noch: bereits VOR dem dreh sollte er wissen, was ihn erwartet, um entsprechend vorbereitet zu sein. das hält übrigens nicht von überraschungen ab. machmal wendet sich eine geschichte während des drehs. manchmal stimmt dann eben die vorankündigung nicht. aber jeder gute journalist hält augen und ohren offen, um den kern der sache so zu erfassen, wie er ist und nicht wie er ihn gerne hätte.
    aus einer vorankündigung zu schließen, dass ein journalist nicht recherchiert oder kommendes nur tendenziös in seine berichterstattung einzuflechten ist übrigens sehr investigativ. sie legen den finger offensichtlich in die offenen wunden unseres berufsstandes. da wo es weh tut. und sie machen sich die welt so, wie sie ihnen gefällt.

    (offenlegung: ich bin seit 20 jahren redakteur bei öffentlich/rechtlichen sendern. zehn davon beim fernsehen)

    • Christopher Lauer

      Vielleicht wurde das nicht ganz klar: Noch während durch unsere Pressestelle Anfragen von Frau Marx beantwortet worden sind, ging dieser Teaser online. Die Redaktion ruft, trotz Versprechen, nicht zurück. Mir geht es gar nicht um Journalistenbashing, im Gegenteil. Ich verteidige oft Journalisten vor überempfindlichen Piraten. Das was Frau Marx macht ist in meinen Augen halt kein Journalismus. Sie können sich auch gerne mal anhören, worüber ich mit Holger Klein so rede, da spare ich auch nicht mit Kritik an mir und der eigenen Partei. http://www.wrint.de/?s=Lauer

      Und: In Berlin wird grad ein Flughafen nicht fertig, wir müssen einen Nachtragshaushalt über 440 Mio. Euro verabschieden und das RBB-Investigativmagazin setzt sich mit nem Antrag der kleinsten Oppositionsfraktion auseinander. Cool.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Christopher Lauer

  19. doch. das wurde klar. ich weiß nur aus eigener erfahrung, dass man mit der ankündigung von themen und einem „teaser“ nicht immer warten kann, bis eine pressestelle sich bemüht, antworten zu geben.
    und nochmal: ich kann die arbeit von frau marx nicht beurteilen, weil ich „klartext“ nicht gucke. ich kann aber klar sagen, dass der abdruck einer vorankündigung nichts mit der offenheit für neue erkenntnisse zu tun hat. ich habe schon hanebüchene vorankündigungen gelesen, über filme, die ich gemacht habe und die mit der gesendeten realität dann nur wenig zu tun hatten. leider werden solche ankündigungen dann oft von redaktionsassistenen verfasst, die selbst nicht im thema sind. das ist ärgerlich.
    aber ab einem gewissen recherchestand traue ich mir durchaus zu, ein thema auch vor dem schnitt und vor dem letzten interview zu umreißen. da ist prinzipiell nichts unsauberes dran. das ist schlicht und einfach eine serviceleistung für den zuschauer, der gerne wissen möchte, was in der sendung kommt.
    was mir sonst noch auffällt. wenn frau marx sich tatsächlich die mühe macht, jemanden eine halbe stunde lang zu interviewen (ich kenne niemanden, der das im bereich aktuelles fernsehen macht), spricht das eher für ihre gründlichkeit. da kann man ihr natürlich einen strick draus drehen. wenn man denn zu ihrem schluss kommt, dass sie nur darauf wartet, dass endlich der blödeste satz fällt. aus meiner erfahrung kann ich nur berichten, dass politikerinterviews umso länger ausfallen, je mehr sie sich winden und ausweichen.

    mich hat an ihrem blogeintrag einfach geärgert, dass da mal wieder schwarz/weiß gezeichnet wird. es mag gut sein, dass ihnen beiträge inhaltlich nicht passen. aber damit werden sie als politiker leben müssen. es sind nämlich nicht alle menschen der gleichen meinung. und das spiegelt sich auch in der fernsehlandschaft wider.
    es ist übrigens völlig unerheblich, was da am berliner flughafen für murx gemacht wird, wenn eine redaktion über die piratenpartei berichten möchte. ich denke, dass das verhältnis da durchaus gewahrt ist. denn von ihrer arbeit an einem vorschlag zu einem neuen urheberrecht habe ich heute zum ersten mal gelesen. von BER gibts jeden tag alles – überall.
    und da entdecke ich ein politisches selbstverständnis, dass ich sonst nur von den etablierten parteien kenne. nämlich dass politiker gerne entscheiden würden, worüber journalisten berichten sollenoder eben nicht. zum glück scheint das beim rbb nicht zu funktionieren.

  20. und noch ein kurzer nachtrag, weshalb ich mich beim lesen so geärgert habe.

    passage 1:

    „ich wurde zweimal von der Redakteurin Iris Marx interviewt. Die Gespräche laufen immer nach dem selben Muster ab: “

    wenn ein journalist so etwas geschrieben hätte, hätte sein chefredakteur ihm den text um die ohren gehauen. sie können aus zwei interviewsituationen kein immergleiches muster ablesen. und außerdem können sie, da der beitrag ja noch nicht gesendet wurde, nicht beurteilen, was frau marx daraus gemacht hat. im grund gehen sie noch einen schritt weiter, als den, den sie frauf marx vorwerfen. sie behaupten zu wissen, wie ein noch nicht gesendeter film aussehen wird, obwohl sie selbst ihn nicht gestalten. das vermuten sie einfach mal. gleichzeitig wird die klartext-redaktion aber unglaubwürdig, wenn sie ankündigt, womit sie sich in der nächsten sendung inhaltlich auseinandersetzen wird.

    passage 2:

    „Grade die vermeintlich investigativen Formate der öffentlich-rechtlichen Sender sind mit Abstand das mieseste, was mir bisher in Punkto Berichterstattung untergekommen ist.“

    ihre zwei erfahrungen mit einer redakteurin gipfeln in einem rundumschlag gegen investigative formate der öffentlich/rechtlichen. das muss man auch erstmal fertig bringen. die kritik an einer sendung auf tönerne füße stellen und daraus dann ein grundsätzliches rechercheproblem aller journalistischen sendungen der ard ableiten. das ist großes kino. das wäre ungefähr so, als wenn ich jetzt sagen würde: alle piraten haben ein problem mit kritischen medien.

    so funktioniert das einfach nicht.

  21. hi christopher.

    ich denke nicht das etwas anderes zu erwarten war als diese form von journalismus. die trennung von staat und medien hat doch nie funktioniert, was wir machen ist staatsfernsehen zu finanzieren. viele meiner kollegen glauben (und ich lange auch) bis heute das ard und zdf unanbhängig berichtet und zahlen deswegen gez sogar gerne.

    ich würde dennoch in jedem fall einen eigenen mitschnitt mit einer kleinen poketcam machen. die fragen sind natürlich suggestivfragen, und natürlich sind alle antworten die, die die journalisten gerne publizieren. aber du kannst dann deine sicht der dinge online stellen, im nachhinein kommentieren, zusammenschnitte der sender richtigstellen usw.

    verschwende nicht zuviel energie darauf ihnen ihre fragen zu beantworten wenn die antwort schon fest steht. öffentlichkeitsarbeit ist sehr wichtig, aber da die ör es mit der objektivität nicht so genau nehmen würde ich das genau so kommunizieren und versuchen mit den privaten die zielgruppe zu erreichen. wer modern talking zum exportschlager machen kann, macht sicher auch eine partei ganz groß. und wenn die etablierten, regierenden die medien steuern, warum solltest du dann nicht das recht dazu haben? die privaten bringen das, was quote bringt. die merkel bringt keine quote. die piraten und du aber schon.

    medienschlachten sind nicht schön, „amerikanische zustände“ sind vielleicht auch nicht wünschenswert, aber wer weiss? vielleicht interessieren sich dann wieder viel mehr für politik wenn eine mediale schlacht im gange ist.

    an deiner stelle würde ich auch mal wieder die gescheiterte schlecker-aktion ansprechen. wieviele haben trotz staatshilfe, die irgendwo versickert ist, den job verloren? welcher politiker hat sich groß und breit in den medien dafür stark gemacht?

  22. @olfinger:

    Klar sollte man nie pauschal über alle *beliebige Berufsgruppe einfügen* bashen. Ich muss aber sagen, dass gerade der Herr Lauer hier immer sehr fair berichtet hat. Und das die sogenannten inverstigativen Sendungen teilweise sehr fragwürdig recherchieren ist nicht erst seit den Berichten über sogennante Killerspiele bekannt. Das betrifft nicht nur die ÖR Sendeanstalten. Aber bei denen macht es halt noch mal mehr Bauchschmerzen.

    Ich bin ein großer Freund von inv. Journalismus und finde den Misbrauch von Interviewfreigaben zum kotzen, aber ich denke schon, dass bei so manchen Themen zu viel persönliche Meinung einfliesst.

  23. Der Journalistin unseriöses Arbeiten zu unterstellen, ist in diesem Fall sehr weit hergeholt. Ihr ist der aktuelle Stand des Diskussion innerhalb der Piratenpartei bekannt, sie hat zusätzlich bereits ein erstes Interview geführt. Und es ist offensichtlich, dass die aktuellen Positionen zum Urheberrecht nicht mehr so radikal sind wie zu Anfangszeiten durch Teile der Partei geäußert. Und im Teaser steht nur das.
    Im Detail ist der Beitrag sicher noch nicht fertig, aber wieso kann das offensichtliche nicht bereits als Teaser veröffentlicht werden ?
    Von Seiten von Klartext ist hier kein falsches Verhalten erkennbar.

  24. Da kann ich mich olfinger nur anschließen, der nun wirklich ein sehr ausgewogenes Bild zeichnet. Von der beanstandeten Schwarz-Weiss-Malerei, die Sie in Ihrem Text betreiben, lässt er jedenfalls die Finger. Und Ausweichmanöver der Art: wie kann man denn über uns berichten wollen, wenn es so wichtige Dinge wie BER gibt – die sind so fadenscheinig, da kann sich jeder selbst seinen Teil zu denken.

  25. Ach ja, die Iris. Mit der hatten wir ja auch schonmal zu tun.
    http://www.youtube.com/watch?v=5CZ_w5M1cHY

  26. @olfinger

    Selbst mir als reinem Konsumenten fällt auf, daß die öffentlich-rechtlichen Magazine sehr häufig extrem tendenziöse Beiträge senden. Da werden regelmäßig Gegenpositionen nicht vertreten oder mit offensichtlich unvorteilhaften Kommentaren illustriert, es werden Selbstverständlichkeiten skandalisiert und die Meinung der Redaktion wird mehr als deutlich vorgekaut – abweichender Standpunkt unerwünscht.

    Wenn das Subjekt der Recherche sich nicht äußern möchte, könnte man das so stehenlassen. Stattdessen belagert man es vor der Haustür oder bei Veranstaltungen. Glaubt wirklich ein Redakteur, auf diese Weise doch noch ein Statement zum Thema zu bekommen? Nein – es geht offensichtlich nur darum, diesen Menschen in ein schlechtes Licht zu rücken.

    Es betrifft keineswegs nur die Piraten: Jeder, der sich gegen den Redaktions-Konsens stellt, wird gnadenlos bloßgestellt. Daß die politischen Magazine aufgrund ihrer jeweiligen Ausrichtung jeweils andere „Opfer“ wählen und so am Ende jede Position mal schlecht dasteht, ist ein sehr schwacher Trost.

    Wenn das noch Journalismus ist, dann ist es zumindest kritikwürdig. Ich erwarte vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen Informationen, keine Stimmungsmache. Ihre Reaktion zeigt freilich, daß mit Selbstkritik nicht zu rechnen ist.

    Sie haben völlig recht: So funktioniert das einfach nicht.

  27. Wer wurde denn alles interviewt? Auch jemand vom AGH? LV Berlin? Da mich folgender Tweet irritiert und ich diesen auf genau das Format münzen würde:

    https://twitter.com/MichaSchulz/status/243712698217549825

    Man achte auch auf das Datum

  28. @ hiro:

    die gegenseite muss grundsätzlich gefragt werden. das ist journalistisches grundhandwerk. sie werden kein investigatives ör magazin finden, das von diesem grundsatz abweicht.
    oft gibt es aber den hinweis, dass die gegenseite nicht mit dem reporter spricht. das würde dann kritischen zuschauern genügen zu behaupten, bestimmt haben die gar nicht gefragt.
    und deshalb gibt es auch oft die szene in der die gegenseite befragt wird, aber keine antwort geben möchte. es dient also oft als dokument, um zu belegen, dass man sich wirklich um eine stellungnahme bemüht hat.
    zum anderen arbeitet fernsehen mit bildern. als journalist habe ich grundsätzlich das problem den hinweis, dass die gegenseite nicht mit mir spricht zu bebildern. da kann man dann die konzernzentrale zeigen, oder das parteihaus. oder man klingelt an der gegensprechanlage etc…

    aber wenn herr lauer diese maßstäbe anlegt, dann fragen wir uns doch einfach mal, ob er sie auch an sich selbst anlegt.

    zitat:

    „Auf eine telefonische Nachfrage bei der Redaktion von Klartext, seit wann denn dieser Text da schon stehen würde konnte man mir keine Antwort geben. Ein Versprochener Rückruf blieb aus. Bei Klartext würde man jetzt in reißerischem Ton sagen, dass die Redaktion mit den Vorwürfen konfrontiert zu einer Stellungnahme nicht bereit war.“

    journalistisch wäre das mehr als unsauber. und das aus zwei gründen. ein anruf bei einer redaktion, auf den es keinen rückruf gibt, reicht nicht aus, um von verweigerung zu sprechen. die anfragen werden meist auch über mehrere wege gestellt. also auch per mail. und natürlich wird bei nicht erfolgtem rückruf nochmal nachgefragt. und wenn beim dritten anruf dann immer noch ein „wissen wir nicht“ kommt, wird das entsprechend formuliert.
    nun kommen wir zum „mehr als“ unsauber. denn bisher wäre es nur unsauber, wenn herr lauer davon ausgeht, das EIN anruf bei der redaktion ausreicht:
    herr lauer schießt in seinem bloggeintrag nicht auf die redaktion. er schießt auf iris marx (ich kenne frau marx nicht, mich regt das grundsätzlich auf). er hat offfensichtlich nicht bei iris marx angerufen, ums sie um eine stellungnahme zu bitten.
    und jetzt frage ich mich natürlich, ob das nicht eigentlich eine ungeheuerlichkeit ist. ein berufspolitiker über dessen partei kriktisch berichtet werden soll, stellt die autorin öffentlich an den pranger. bevor der beitrag überhaupt gesendet wurde.
    ich habe schon viel erlebt, auch schon viel druck von politikern NACH einem beitrag. aber VOR einem beitrag bereits über die autorin herziehen, das kann man nur ein pr-desaster nennen.

    polemikmodus a´la lauer an:

    da kann ich nur sagen: chapeau! ich bezahle gerne steuergelder für berufspolitiker, die die pressefreiheit mit füßen treten. nicht nur christian wulff oder roland koch möchten ihre interessen geltend und die presse zu ihren willfährigen instrumenten machen. gerade die vermeintlich für meinungs- und pressefreiheit eintretenden piraten sind mit das verlogenste, was mir in sachen journalistenschelte untergekommen ist.

    polemikmodus aus

  29. @olfinger

    Ich denke, Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen. Ein journalistisches Format, das deutschandweit ausgestrahlt wird und ein Blogeintrag eines städtischen Abgeordneten sind nicht dasselbe. Herr Lauer muß in seinem Blog keine journalistischen Qualitätsregeln einhalten, weil sein Blog eben kein Journalismus ist und auch nicht sein will. Im Gegenteil, von einem Politiker erwarte ich Politik. Die darf auch polemisch sein.

    Bei RBB Klartext sieht das schon anders aus. Das wird als Qualitätsjournalismus verkauft, dort darf man gutes Handwerk erwarten. Ob das im RBB fehlt oder nicht kann ich nicht beurteilen. Herr Lauer vermißt dieses Handwerk offenbar und stellt das dann etwas reißerisch dar. Okay. Aber zu sagen, Du machst es ja selber nicht besser, ergibt keinen Sinn.

    Persönlich muß ich sagen, daß ich den RBB-Beitrag entweder für sehr schlecht recherchiert oder extrem tendenziös halte. Es gibt durchaus eine Position der Piraten zum Urheberrecht, die ist auch recht lang und konkret, und es gibt die schon eine ganze Weile (Recherche als Übung für den Leser). Der Beitrag stellt hingegen das Papier von Lauer als das Einzige hin, was die Piraten dahingehend zuwege gebracht haben.

    P.S.: Das ist meine Meinung, kein journalistischer Beitrag.

  30. Lieber Herr Lauer, Frau Marx hat dazu gestern im „Medienmagazin“ (radioeins/INFOradio, rbb) Stellung genommen. Man kann es nachhören.

    Vielleicht sollten Sie die vielen Rechtschreib- und Orthographiefehler beseitigen, damit man das, was Sie schreiben, ernster nehmen kann. Kommt besser!

    Viele Grüße,

    Stefan Krüger.

  31. Hallo Herr Lauer,

    hier ist der investigative Bericht von Iris Marx der Sendung Klartext im RBB:

    http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_12_09/aenderung_des_urheberrechts.html

    Ziemlich billiger TV-Journalismus!

  32. […] Marina kann davon – der Kalauer sei mir erlaubt – ein Lied singen, und der Herr Lauer auch. Ähnlich bei den Linken: Die kommen so gut wie gar nicht mehr vor, es sei denn, sie demonstrieren […]

Was denkst du?