Gegen den gewohnten Schmerz

tl;dr: 2011 und 2012 waren für die Piraten erfolgreiche Jahre. Aufgrund unserer Sozialisation können die meisten von uns nicht mit Erfolg umgehen. Das müssen wir lernen, um weiterhin erfolgreich sein zu können.

2011 und 2012 waren für die Piraten sehr erfolgreiche Jahre. Es gelang uns aus dem Stand in vier Landesparlamente einzuziehen. Zwischenzeitlich sahen uns Umfragen bundesweit bei zweistelligen Werten. Wie kommt dann, so fragt man sich, ein Ergebnis wie Niedersachsen zustande? Meiner Meinung nach liegt es unter anderem am gewohnten Schmerz. Was ist der gewohnte Schmerz? Katja brachte mich mal darauf und dazu muss ich ausholen: Die meisten von uns sind den Piraten beigetreten, weil es eine Unzufriedenheit gab. Mit dem Leben, mit der Politik, mit der Gesamtsituation. Kurzum: Die Sozialisation der meisten Piraten ist davon geprägt, dass Dinge nicht so laufen, wie man es sich vielleicht wünscht. Mit der Zeit lernt man mit seiner individuellen Situation umzugehen, bis man ein hermetisches Weltbild hat, in dem man sich selbst und anderen erklären kann, woran es liegt, dass die Dinge nicht so laufen wie man es gerne hätte. Hat man einmal gelernt sich den Misserfolg und das Scheitern zu erklären, wird nichts so unberechenbar wie Erfolg. Eine Situation, die man bis dahin nicht kannte. Als Gewohnheitstiere versuchen wir aber Situationen herzustellen, die wir kennen, mit denen wir umgehen können. Damit möchte ich nicht sagen, dass wir alle aktiv am Misserfolg der Piratenpartei arbeiten, es ist vielmehr so dass wir in alte Muster zurückfallen, mit denen wir ja gelernt haben umzugehen. Somit ist Niedersachsen zwar ein politischer Misserfolg, absurderweise aber auch eine Situation, mit der die meisten von uns besser umgehen können als mit einem Erfolg, wie dieser Tweet unserer Schatzmeisterin ganz schön untermauert:

Endlich habe ich meine kleine, süße 2%-Partei wieder. Ich habe sie soooo vermisst!

— Swanhild (@schwan1) Januar 20, 2013

Doch wir müssen mit diesem Muster des gewohnten Schmerzes brechen. Als Partei, die in vier Landesparlamenten ist, die dieses Jahr in den Bundestag einziehen will, müssen wir endlich selbstbewusst mit unserem Erfolg klar kommen und verstehen, dass wir eben keine Loser mehr sind. Vier Landesparlamente sind eben ein Erfolg, den uns auch niemand mehr wegnehmen kann. Die einzigen, die uns jetzt noch behindern können sind wir. Wir müssen lernen mit Erfolg umzugehen, Erfolg anzunehmen und Politik zu machen, die das ausstrahlt. Wir müssen selbstbewusst nach außen tragen was uns gelingt und selbstkritisch an dem arbeiten, was uns nicht gelingt. Denn eins ist klar: Wir werden nach wie vor von denjenigen gebraucht, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben, die ihre Hoffnungen in uns gesetzt haben, ob uns das jetzt gefällt oder nicht.