Warum es nicht gereicht hat und was wir daraus für die Zukunft lernen können

Eine erste Analyse zur Bundestagswahl, die in den nächsten Tagen mit Sicherheit noch verfeinert wird.

tl;dr: Wir müssen mal unseren Scheiß klar kriegen.

Es hat also nicht gereicht. Das ist frustrierend und bitter, wenn man bedenkt, dass die Piratenpartei im Mai 2012 von einigen Instituten bei 13% gesehen worden ist. Von 13% auf 2,x%, das ist ein harter Absturz. 2011 sagte ich im Dezember, dass die Bundestagswahl ein Selbstläufer werden wird, wenn wir uns nicht mit großem Kaliber ins Knie schießen. Wir haben uns mit großem Kaliber ins Knie geschossen.

Aber wir sollten nach vorne blicken.

Es würde mir jetzt große Freude bereiten mit dem Finger auf einzelne zu zeigen, zu erklären warum sie meiner Meinung nach für diese Wahlniederlage haupt- oder mitverantwortlich sind, aber das bringt nichts. Ich hoffe einfach, dass die betreffenden Menschen auf die eine oder andere Art politische Konsequenzen ziehen und den Weg freimachen, damit die Piratenpartei wieder politisch erfolgreich sein kann.

Die Wahlniederlage hat meiner Meinung nach vor allem strukturelle Gründe:

  • Die Piratenpartei hat sich nach der Bundestagswahl 2009 nicht auf die Bundestagswahl 2013 vorbereitet. Das bedeutet in vier Jahren wurden nicht die Strukturen aufgebaut, um bundesweit flächendeckend präsent zu sein. Spätestens 2011 hätte damit begonnen werden müssen. Es wurden nicht die Strukturen aufgebaut, um in einem Bundestagswahlkampf eine Kampagne fahren zu können. Wir waren nicht kampagnenfähig. Wir sind es im Moment nicht.
  • Darüber hinaus gab es auch gar keine Kampagne. Obwohl es im Vorfeld der Wahl ein Wahlkampftreffen gab, obwohl dort von Katja, fRED, Alf, Michael und mir mit „Neustart“ eine Kampagnenidee präsentiert worden ist, gab es keinen roten Faden, der Menschen erklärt hat, warum man den Piraten die Stimme geben sollte.
  • Wir haben die Wahlerfolge 2011/12 nicht analysiert. War 2011 die Zeit für die Piraten einfach reif? Wollten die Menschen 2012 den Wechsel? Oder hatten wir 2011 in Berlin einfach Glück und die Landtage Saarland, Schleswig-Holstein und NRW waren einfach Mitnahmeeffekte? Wir haben uns diese Frage nie gestellt. Wir haben uns weder die Frage gestellt warum wir in Berlin erfolgreich waren, noch haben wir uns die Frage gestellt, warum wir danach in drei weitere Landesparlamente eingezogen sind. Wir waren halt vom Erfolg verwöhnt. Wenn man in vier Landtage in Folge einzieht und bundesweit über 10% steht, dann stellt man sich wahrscheinlich nicht diese Fragen. Spätestens nach der Wahlniederlage in Niedersachsen hätten wir uns diese Fragen stellen müssen. Die Strukturellen Probleme der Piraten haben wir durch die Wahlerfolge und Wahlumfragen einfach ignoriert.
  • Wir haben keine Personen nach vorne geschickt. Zwar gab es einzelne Kandidatinnen und Kandidaten, die in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen worden sind, aber wir hatten keine Spitzenkandidatin. Das bedeutet, wir hatten niemanden der erster Ansprechpartner für Medien/Öffentlichkeit war, niemanden der den Piraten im Wahlkampf ein Gesicht gab und sie damit menschlich, wählbar machte. Auch deswegen waren wir in der Öffentlichkeit nicht präsent, als uns mit der NSA-Affäre ein Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt wurde, wie Sascha Lobo es formulierte.
  • Wir sind in der Gesellschaft nicht breit vernetzt. Uns fehlt ein Kreis an Unterstützerinnen, die sich im Wahlkampf für diesen mobilisieren lassen. Twitter ist schön, Facebook ist schön, aber Wahlen werden auf der Straße, in Kaffeeküchen und im Wohnzimmer gewonnen. Ohne Sympathisanten, die in Diskussionen am Arbeitsplatz, in der Familie und im Freundeskreis Partei für die Piraten ergreifen, lässt sich keine Wahl gewinnen.
  • Wir haben die Mittel die wir hatten nicht effektiv eingesetzt. Sicher ist es aufregend, auf Twitter neue Parteien zu kommentieren, aber statt sich an diesen zu reiben könnte man auch einfach auf die Straße gehen und Menschen erklären, warum man Piraten wählen sollte. Sicher sind Rechtsstreitigkeiten über Flyer lustig. Aber warum bringt man überhaupt nen Flyer raus, um zu erklären wie doof eine andere Partei ist, wenn man auch erklären könnte, warum die eigene Partei gut ist?
  • Was das Wurfmaterial anging, so hatten wir zu allem etwas. Die Erfahrung aus dem Wahlkampf Hamburg 2011 zeigt aber, dass es mit Sicherheit gut ist, zu jedem Themengebiet einen Flyer zu haben, am Ende des Tages aber 98% der Menschen eine allgemeine Information darüber haben möchten, was die Partei tut und seltenst an Spezialthemen interessiert ist. Der Effekt war eine uneinheitliche Ansprache mit gefühlt 20 Flyern, statt einem, in dem kurz, klar und prägnant erklärt wird, warum man die Piraten wählen soll.
  • Wir waren in Kernforderungen nicht glaubwürdig. Als Piraten fordern wir mehr Bürgerbeteiligung, mehr Mitbestimmung. Selbst setzen wir sie in der Partei nicht um. Wir haben keine Ständige Mitgliederversammlung, wir haben keine Urabstimmung, wir haben all das nicht, was wir in unseren Programmen fordern und im Wahlkampf predigen. In Neumarkt wurde die Chance vertan, hier Glaubwürdigkeit zu gewinnen, die anderen Parteien vor uns her zu treiben. Nach außen entsteht der Eindruck diese Beteiligung, diese Basisdemokratie, das funktioniert selbst bei denen nicht, die es fordern, warum soll es also für meine Stadt, für Deutschland funktionieren?

So deprimierend das alles klingt, positiv ist, dass man ja aus Fehlern lernen kann, das wir als Partei uns selbst reformieren können, um politisch schlagkräftig und erfolgreich zu sein. Daher muss meiner Meinung nach folgendes passieren:

  • Wir müssen innerparteilich demokratischer werden. Entweder lösen wir unser Versprechen von Beteiligung ein, leben es mit einer Ständigen Mitgliederversammlung, oder wir lösen die Demokratiedefizite der Piraten anders. Die klassische Lösung wäre ein Delegiertensystem, ich habe nicht das Gefühl, dass es hierfür eine Mehrheit gibt.
  • Wir müssen ab heute die Europawahl und die nächste Bundestagswahl vorbereiten. Wir brauchen eine Kampagne die Menschen prägnant erklärt, warum es sinnvoll ist Piraten zu wählen, wir brauchen eine Parteistruktur, die in der Lage ist eine solche Kampagne zu fahren. Das geht nur, wenn wir innerparteilich lernen, Verantwortung zu delegieren und Verantwortliche innerhalb ihres Mandates arbeiten zu lassen. Es bringt nichts Leute in einen Bundes- oder Landesvorstand zu wählen, sie mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder einem Wahlkampf zu beauftragen, wenn sie keine Entscheidungskompetenzen haben oder sie nicht wahrnehmen, weil sie aus Angst vor dem Shitstorm gelähmt sind.
  • Wir müssen uns vernetzen. Lokal. Baut Geschäftsstellen auf, macht Stammtische, vernetzt euch nicht nur mit anderen Piraten sondern bietet vor Ort niederschwellige Angebote an, Piraten und ihre Politik kennen zu lernen. Erklärt Menschen nicht nur wie man eine Email verschlüsselt, ladet einen jemanden ein, der zeigt wie schnell ein Türschloss geknackt ist und was man dagegen tun kann. Erklärt Menschen welche Mieterhöhung zulässig ist und welche nicht. Begleitet sie aufs Arbeitsamt, seid für andere da. Das darf nicht in Paternalismus ausarten. Wir sind nicht die Kümmerer, wir müssen diejenigen sein, die Menschen helfen, sich selbst zu helfen.
  • Wir müssen zwischen Wahlen präsent sein. Einmal durch Vernetzung, aber auch durch Stände. Ich hab es zwischen 2011 und 2013 auch nicht geschafft, außerhalb des Wahlkampfes Menschen auf der Straße zu erklären, was die Piraten machen und warum man uns wählen sollte, aber ich werde es jetzt tun. Wir müssen unsere Kommunikation mal klar ziehen. Klar ist Twitter nett, klar sind soziale Medien nett. Aber sie sind nicht die Welt. Es geht so viel Kraft, Zeit, Motivation und Energie drauf, auf Twitter oder sonst wo im Netz gegen Windmühlen zu kämpfen, lasst uns lieber was echtes machen, was man anderen zeigen kann und was auch außerhalb unserer Social-Media-Filterblase wahrgenommen wird.
  • Wir müssen mal endlich „Transparenz“, „Basisdemokratie“ und „Beteiligung“ definieren und mit Sinn füllen. Wir müssen definieren was Sozialliberal bedeutet und es vertreten.

Ich möchte in keiner Partei sein, die Angst statt Freiheit lebt. Ich möchte in einer progressiven Partei sein, die Chancen und Risiken des digitalen Wandels erklärt. Aber so, dass man es auch versteht. Ich will in einer Partei sein, die Menschen- und Bürgerrechte verteidigt, die sich gegen Überwachung stellt, die sich für ein Grundeinkommen und den fahrscheinlosen ÖPNV einsetzt, die Drogen entkriminalisieren möchte. Ich will eine Partei, die sich der Möglichkeiten des Internets bedient, um Menschen an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Wir müssen für eine solidarische Gesellschaft kämpfen, gegen den neoliberalen Mainstream. Wir müssen mutig, sein, wir müssen unsere Erfahrung aus den Parlamenten nutzen um eine Reform dieser Parlamente voran zu treiben.

Das alles geht nicht, wenn wir uns weiter selbst auf den Füßen stehen und „Anders sein“ zur holen Phrase verkommt, mit der jede Initiative niedergeknüppelt wird. Eine Piratenpartei, die in keinen Parlamenten ist bringt niemanden etwas.

108 Kommentare

  1. Ich konnte euch nicht wählen, obwohl ich es sehr gerne getan hätte. Ein Christopher Lauer allein reichte mir nicht als Grund. Es geht nichts vorwärts. Ihr habt den Hype nicht genutzt und euch aus der Öffentlichkeit verabschiedet. Und warum ihr den Elfmeter nicht genutzt habt, bleibt auch ein Rätsel. Warum warst du nicht das Gesicht? Zu unsympathisch? Ach scheiße.. ihr habt es heftig verkackt.

  2. mach mal deine links blau oder unterstreich sie.

  3. Kleiner Flüchtigkeitsfehler im letzten Abschnitt, es sei denn Sie wollen Phrasen “holen”…! ;)
    Ansonsten stimme ich in allen Punkten zu und hoffe, dass die Partei sich erholt! Viel Erfolg dabei; ich wünschte mir, dass Sie in Zukunft auf mehr Zustimmung und Unterstützung in Ihrer eigenen Partei setzen könnten…!

  4. Seems legit (größtenteils). Ich hab auch außerhalb des Internets alles gegeben, die Piraten in Diskussionen einzubringen, Themen präsent zu halten und, und, und. Aber die Reakionen sind einfach sehr zäh in der letzten Zeit, für viele waren die Piraten mehr oder minder tot. Ich hab mich aufgrund einiger öffentlicher Mitglieder-Diskussionen auch zeitweise gefragt, was das (bringen) soll; meine Motivation & Leidenschaft für diese Partei hat sich trotzdem nie verändert.
    Ich bin bereit für nen besseren, aktiveren Wahlkampf.
    Das ist kein Krebs im Endstadium, das war eine Lungenentzündung und die kurieren wir nun.
    Dann mal los.

  5. Christophers Erstanalyse wünsche ich weite Verbreitung und dass möglichst viele PIRATEN – gleich, ob wohlgesonnen oder abgeneigt – innehalten und reflektieren, was jetzt erforderlich ist, damit die Piratenpartei und ihre durch sie transportierten Themen endlich in den breiten politischen Diskurs Einzug halten und mit ihr originär assoziiert werden und bleiben. @Leakadealer

  6. Ich bin oft genug nicht deiner Meinung. Aber hier stimme ich dir zu.

  7. Sehr gut geschrieben, sehe ich auch größtenteils so.

  8. Danke Christopher du sprichst mir aus der Seele.

  9. Moins Christopher

    In vielen Dingen hast Du recht, in vielen Dingen liegst Du daneben.
    Imho natürlich.

    Du hast recht, wo Du auf das “reale” Leben hinweist, darauf wo die Meinungsbildung stattfindet. Sicherlich nicht in der digitalen Blase.

    Du hast recht wo Du auf unsere Glaubwürdigkeit hinweist und darauf, dass wir viel versprechen, aber wenig innerhalb unserer eigenen Partei umsetzen.
    Wobei das jetzt nicht eine SMV oder anderen Krimskrams betrifft, sondern so grundlegende Dinge wie Transparenz, Liberalität, Meinungsfreiheit, Vielfältigkeit a.s.o.
    Wer innerhalb des eigenen Parteivorstands mobbt, sollte nicht gegen Mobbing eintreten, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Menschen “draussen” nehmen das sehr wohl wahr, bewusst oder unbewusst, und erinnern sich.
    Wer selbst unfähig ist, Kritik anzunehmen und damit umzugehen, sollte nicht den Anspruch äußern, die Welt verbessern zu wollen. Die Welt zu verbessern beginnt nämlich bei sich selbst.

    Auch in unserem Kernbereich sind wir nicht glaubwürdig. Wer nimmt uns denn unseren Kampf gegen Überwachung ab, wenn wir ihn auf Facebook propagieren?
    Die Forderung nach garantierter Anonymität im Netz, wenn es parteiintern nach wie vor unendliche Klarnahmendebatten gibt?

    wer nimmt uns die Basisdemokratie ab, wenn wir, unsere Abgeordneten auf allen Ebenen, oftmals als Erstes versuchen, sich ihre kleinen Königreiche zu schaffen?

    Wir erheben den Anspruch, Politik 2.0 erreichen zu wollen, und praktizieren selbst noch die Version 0.8 – der Bürger, der Wähler ist nicht dumm, hat ein gutes Gespür und merkt das besser als wir es wahrhaben wollen.

    Wie Du selbst schon schreibst: wenn wir anders sein wollen, müssen wir auch den Mut haben, anders zu sein.
    Das ist nämlich eines der Dinge, die uns fehlen.

    Politspiesser gibt es genug, neue und bekannte, junge und alte.

    Mit diesen wird das aber nichts mit dem “Klarmachen zum Ändern”.

  10. Genau diese Punkte habe ich schon 2011/12 versucht hier in meinen lokalen Piraten KV/BzV/LV einzubringen, jedoch ohne Erfolg. Die Basis, oder was davon übrig ist, ist größtenteils bildungsfern und dem Prekariat zugehörig.

    Die Basis verfügt nicht über Lebenserfahrung, Leistungsbereitschaft und Leistungswillen bzw ist nicht leistungsfähig, sondern hat die Partei als Hort der Selbstbemittleidung angesehen. Mehr Geld für Alle! Billiger wohnen! In der Geschäftsstelle abhängen!

    Ursprüngliche Werte, aus dem 2009er Wahlkampf, wurden geleugnet, vergessen, ignoriert.

    Das Problem liegt noch viel tiefer als du glaubst: Es gibt keinen Grundkonsens, kein Wertefundament mehr. Was 2009 noch Zensursula war, ist heute NICHTS.

    Die Partei sollte sich spalten in Gruppen wo sich dann Leute je nach ihren Primärzielen engagieren können.

  11. tl;dr: Ja.

    Ich habe 2009 Piraten gewählt (“bevor es cool war”) – heute aber nicht mehr. Ich will versuchen, anzureißen warum:

    Es stimmt – eure Themen haben es “verdammt nochmal” verdient, im Bundestag Gehör zu finden, aber ich wähle Personen und keine Themen. (So funktioniert unser Wahlsystem, findet euch damit ab.) Ich denke auch; Piraten-Themen könnte es mindestens gleich gut mit einem Delegiertensystem geben.

    Ich finde die Piratenpartei intransparent. Ich habe sehr wenig Information über die inneren Entscheidungsstrukturen, gerade weil so viele Daten darüber verfügbar sind.

    Gruppen bilden sich in den Phasen Forming, Storming, Norming, Performing. Als Außenstehender habe ich das Gefühl, ihr wollt kein Norming (keine Entscheidungs-Hierarchie, etc.) und hängt deshalb ständig in der Storming-Phase fest (-> Shitstorms) und kommt gar nicht zum Performing.

    Ich glaube, politische Willensbildung findet (in Deutschland) viel über Gespräche im persönlichen Umfeld statt. Gemeinsame Selbstüberzeugung. Deshalb könnte es euch nützlich sein, erstmal zumindest wieder die Freaks, Geeks und Netzaktivisten für euch zu begeistern, um eine “Keimzelle” zu haben.

  12. @MKJaskolski

    Perfekte Analyse! Sehr gut! Ein dickes Wahlprogramm sagt dem Wähler eben nicht, was der Inhalt ist, der Inhalt muss gelebt werden. Er muss identifierzierbar…greifbar sein für die Bürger. Und hierfür auch startegisch aufgebaut sein. Das dies völlig fehlte trieft auch aus dem Wahlwerbespot heraus. Leer, weich, pauschal.

  13. Fadir Reineke

    Eine spannende Analyse die ich als Außenstehender normalerweise nicht Piraten Wähler nur bis zu einem gewissen Grad kommentieren kann, aber als politisch interessierter und engagierter Mensch habe ich 2009 vor der letzten Wahl gesagt, dass die Piraten zwar einen Nerv getroffen haben aber dass das alleine nicht reichen wird um sich dauerhaft im politischen Alltag zu etablieren.
    Denn eine Bundesweite Organisationsstruktur errichtet sich eben nicht mal eben über Nacht und selbst wenn man das Personal dazu hat ist es noch etwas ganz anderes dieses zu verwalten und im täglichen Geschäft bei der Stange zu halten, aber das ist ein Lernprozess den jede Organisation die auf Freiwilligkeit und Ideologien beruht im Laufe der Entwicklung durchmachen muss und deshalb glaube ich dass wenn ihr Piraten jetzt aus dieser Niederlage lernt und euch wie hier schon beschrieben Organisations- und Entscheidungsstrukturen gebt, die auf der einen Seite mehrheitsfähig aber eben auch handlungsfähig sind schaffen werdet. Nur dieser Wahlkampf hat denke ich eindeutig gezeigt dass die derzeitige Struktur nicht dazu in der Lage ist.
    Am besten konnte man das meiner Meinung nach an einem bestimmten Punkt der in diesem Artikel bereits angesprochen wurde festmachen:
    Die Snowden Enthüllungen waren nicht nur ein ruhender Ball der auf den Elfmeterpunkt gelegt wurde sondern zusätzlich wurde auch noch der Torwart und die gesamte gegnerische Mannschaft vom Schiedsrichter mit rot vom Feld geschickt sodass sich nur noch jemand des Balles hätte erbarmen müssen um ihn zu verwandeln und das gleich mehrfach.
    Was hätten die Parteistrategen der Linkspartei für eine Arbeitslosenquote wie in Griechenland gegeben? (ich meine das jetzt aus rein Wahltaktischer Sicht) Gregor Gisy wäre von einer Talkshow zur nächsten Zeitung und dann zum ersten Radiosender gelaufen und hätte ganz Deutschland erklärt, dass er immer gesagt hat dass es in dieser Republik so nicht weiter gehen kann und hätte für Beschäftigungsgarantien und was weiß ich geworben. Er hätte einfach einen Vorschlag nach dem anderen gebracht wie man diese Krise lösen müsste.
    Genau das hätte die Piratenpartei in diesem Wahlkampf auch machen müssen. Sie hätte zu jeder noch so kleinen Meldung rund um den Datenschutzskandal aufspringen müssen und Lösungen präsentieren müssen. Sie hätte die Regierung angreifen müssen und so laut aufschreien müssen, dass ähnlich wie bei der AfD und der Eurodebatte die Medien einfach nicht mehr umher kommen darüber zu berichten. Doch der Aufstand blieb aus und das haben auch die Wählerinnen und Wähler registriert und der Piratenpartei mit ihrer Stimme gezeigt was sie davon halten wenn sich eine Partei bei ihrem Kernthema nicht zu Wort meldet. Das ist so wie wenn die Grünen nach Fokushima sich einfach betreten zur Seite gedreht hätten und über Mindestlöhne gesprochen hätten. Das kann man einfach nicht tun und solange das nicht klar wird und klar kommuniziert wird, wird es die Piratenpartei auch nicht längerfristig schaffen sich im deutschen Parteienspektrum zu etablieren.

    Grüße,

    ein sympathisierender politischer Gegner

  14. Ich war vor einigen Jahren Mitglied, niedrig vierstellige Mitgliedszahl, hab in der Firma Unterschriftenlisten für die Zulassung zur Wahl gesammelt, heute aber nicht die Piraten gewählt.

    Mir erscheint die Partei auf organisatorischer Ebene dysfunktional, unfähig Probleme anzugehen oder überhaupt Strukturen zu bilden diese zukünftig Lösen zu können.

    Ich hatte damals den Eindruck das intelligente Technokraten in der Lage sind politische Probleme besser anzugehen als die Etablierten. Ausgehend von einigen Spitzenkandidaten vor allem auch aus Berlin hatte ich durchaus Hoffnung. Das hat sich nicht wirklich bestätigt, offenbar hat die Partei eher seltsam sozial-inkompetente ‘Individualisten’ angezogen statt die zuvor genannten.

    Ich habe wenig Hoffnung. Leider.

  15. Diese Selbstreflexion gefällt mir.
    Als angehender Pirat kann ich die internen Punkte dieser Reflexion nicht hinreichend beurteilen, deswegen möchte ich mich auf die Wirkung der Piraten auf mich als Aussenstehenden schildern.

    Es fehlten Köpfe als Ansprechpartner oder Identifikation.
    Es fehlten Themen die die Öffentlichkeit interessieren. Die NSA war kein solches Thema.
    Direkte Demokratie könnte so ein Thema sein. Mitbestimmung gegen Politikverdrossenheit

    Mindestlohn als Übergang bis zum BGE kann so ein Thema sein.
    “Wir sind anders als die etablierten Parteien” kann so ein Thema sein. Das bedient Ihr zwar aber es wird nicht erklärt.

    Bestimmt fiele mir noch mehr ein.

    Gruß
    Dirk Weimer

  16. 1.) Als Provinzpirat kann ich nur feststellen das die einzelnen lokalen Piratengruppen recht isoliert voneinander handeln. Kampagnenfähigkeit gibt es da teils noch nichtsmal auf Bezirksebene. Viele lokale Gruppen also die ihre eigene Suppe kochen.

    2.) Die SMV ist die einzige Chance, wenn man den Leuten am Infostand nen Flyer mit ner Internetadresse wo sie einfach mitmachen können in die Hand drücken würde liesen sich sicherlich sehr viel mehr Leute dazu bewegen sich zu engagieren als wenn man das nur einer Zeitelite überlässt die es sich leisten kann zu den Parteitagen zu fahren. Zumal ein Parteitag mit tausenden anwesenden Mitgliedern nicht sinvoll programmatisch arbeiten kann, personenwahl ok aber 1 BPT vor der Wahl im Schnellverfahren ein Programm durchzupeitschen ist halt nicht das wahre.

    3.) Es braucht charismatische Leute die Themen auch nach außen vertreten können. In der Mediendemokratie wird eben viel auf Emotionen gesetzt und teils weniger auf Inhalte.
    gerade für die Medien brauchen wir Leute die das Talent haben auch komplexe Dinge einfach zu erklären.

  17. Word!

  18. Ich wurde an den Infoständen oft danach gefragt wie wir das BGE finanzieren wollen. Dumm nur das dazu nix im Wahlprogramm steht, also zur Finanzierung.

    Da muss man sich dann irgendwas aus der Nase ziehen um argumentieren zu können. Der eine Pirat erklärt dann die Negative Einkommenssteuer der andere das Götzwernermodell andere wiederum haben dann gar keine sinnvolle Antwort.

    Das Resultat ist dann eben ein widersprüchliches Auftreten in der Öffentlichkeit das dann eben als “Chaotisch” und “Planlos” empfunden wird, wenn jeder was anderes erzählt.

    D.h lieber nicht so viele Themen im Wahlprogramm dafür dann aber die vorhandenen umfassend und gut aufgearbeitet.

  19. Piratenwähler

    Herr Lauer auch wenn Sie diese Kommentar vermutlich nicht veröffnetlichen möchte ich Sie bitten bei der nächsten Bundestagswahl für die Piraten am besten als Spitzenkandidat, Wahlkampf in Talkshows etc. zu machen. Dies habe ich vermisst, ich bin überzeugt das Sie dadurch am besten Wähler für die Piraten gewinnen können.
    Ein Piratenwähler aber nicht Mitglied.

  20. … und ihr solltet das mit dem “die Drogen entkriminalisieren möchte” etwas genauer erklären. Da gibts n Haufen unterschiedlicher Sichtweisen, von “Kiffen ist lange nicht so gefährlich wie Saufen” über “jeder soll sich selbst antun dürfen was er will” bis “die beste Methode um Drogenkriminalität und die damit verbundenen Probleme zu bekämpfen ist die Legaliserung und (je nach Droge) streng kontrollierte Abgabe in Apotheken auf Rezept o.ä.”.
    Hab jetzt keine Ahnung was ihr wollt, aber ich stolpere immer wenn ich lese “Freiheit, Bildung, ÖPNV, Drogen legalisieren, Bürger-WLAN” – viele schreckt das wohl ab. So ein kontroverser Punkt erfordert auch n bisschen mehr Argumente.
    Sorry, der Hinweis kommt wohl n bisschen spät, Kopf hoch!

  21. Lieber Christopher!
    Deine Analyse ist absolut zutreffend, es gibt in der Tat viel zu tun, Ich würde sagen, packen wir es an!

  22. Wir haben für diesen Wahlkampf Programmlücken geschlossen, viele Bürger haben im Wahl-O-Mat plötzlich die Piraten auf den ersten Plätzen. Das war gut! Leider sind aber viele Programmpunkte keine echten Alleinstellungsmerkmale, vor allem gegenüber den linken Parteien. Wir müssen jetzt die Frage “warum aber Piraten wählen”, beantworten. Da ist weniger sicher mehr. Ich sehe es auch so, dass wir intern die Mitbestimmung von Bürgern und Mitgliedern operationalisieren müssen, als Beweis, das es geht. Das Thema BGE muss als realistische Lösung für die soziale Frage erklärt werden und schließlich müssen wir zur Europapolitik klare Ziele definieren, die auch die Probleme, auf die wir im Kommunalwahlkampf z.B. in Duisburg, Köln oder Dortmund angesprochen werden, lösen. Dann bekommen wir von AfD und REPs die Stimmen, die sie zur Zeit nur bekommen, weil sich die Bürger nicht ernst genommen fühlen.

  23. [...] Lauer beginnt die Kritik-Reihe der Piraten mit einem [...]

  24. Danke Christopher, mit jeder einzelnen Zeile sprichst du mir und wahrscheinlich vielen anderen aus der Seele. Ich bin nun seit über 4 Jahren Mitglied dieser Partei und am Anfang hat mich der “Spirit”, der Idealismus mitgerissen. Mit den schnellen Erfolgen ab dem Herbst 2011 kam die Selbszufriedenheit, die Bequemlichkeit, und ja, auch die Arroganz. Die Mitgliederzahl explodierte geradezu, doch die notwendigen Strukturen wurden nicht geschaffen, wir erstickten geradezu unter unserem eigenen Gewicht und mussten uns zudem mit manchen Gestalten herumschlagen, die aus reinem Opportunismus in die Partei drängten.

    Vielleicht bietet sich jetzt die Gelegenheit, in aller Demut zu unseren Idealen zurückzukehren und auf dieser Basis die Partei fit zu machen für die kommenden Stürme. Denn mit dem Ausscheiden der FDP und der höchstwahrscheinlich kommenden Großen Koalition sind erneut massive Angriffe auf unsere Bürger- und Freiheitsrechte zu befürchten. Und genau deshalb braucht es die PIRATEN.

  25. [...] Lauer hat sich ein paar Gedanken gemacht, warum es für die Piraten im Bund nicht gereicht hat – und woran wir arbeiten [...]

  26. Absolut richtige Analyse. In jedem Punkt. Ich habe mich heute erst 10 Minuten vor meinem Wahlgang für die SPD und gegen die Piraten entschieden. Obwohl mir der Überwachungsskandal im Moment das wichtigste bundespolitische Thema ist. Aber wie von Ihnen richtig analysiert, hat die Piratenpartei aufgrund struktureller, inneren Problemen das Thema nicht derartig bearbeitet, dass sie einen glaubwürdigen VERBESSERUNGSvorschlag hat liefern können.
    Was die AfD vorschlägt, ist vom Umfang her wenige DIN A4-Seiten[1] und trifft genau die wunden Punkte! Diese Aussagen von den Piraten, mit einem hübschen, dauerhaften Gesicht vertreten, hätte die Sache voran und nebenbei auch Stimmen gebracht!

    [1] siehe http://www.heise.de/newsticker/meldung/AfD-stellt-Plan-fuer-ein-digitales-Deutschland-vor-1956294.html

  27. Danke. Das liest sich sehr vernünftig.

    > Ich will eine Partei, die sich der Möglichkeiten des Internets bedient, um >Menschen an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

    Eine der Hauptmotivationen die Partei zu wählen. Die Webseite zum Flughafen Berlin, dieser offenerantrag.de sind klasse neue Ansätze, die zeigen, was Ihr drauf habt.
    Aber nur Informatiker sein ohne seine Tools mit politischen Inhalten zu füllen reicht eben nicht. Also, tut Euch mit anderen Opositionsparteien zusammen:
    * Mit den Grünen, um zu zeigen, dass der Netzausbau nicht so benöigt wird, das Energie auch mit Erneuerbaren günstiger sein kann
    * Mit den Linken, um weiter gegen PPPs-Verträge zu arbeiten oder Polizeiwillkür offenzulegen
    In Hessen hab es ein Wahlprogramm worin zwar viel von Bundesratinitiativen stand. Aber kaum Bezug zum Leben in dem Bundesland. Was soll ich mit einer Partei, die keine Stellung zum Land hat?

    Viel Erfolg auf dem weiteren Weg!

  28. Nicht zu vergessen: In meiner Umgebung gab es die Aussage: “Ich wähle doch keine Partei die sich nach Verbrechern benennt!”

  29. “in vier Jahren wurden nicht die Strukturen aufgebaut, um bundesweit flächendeckend präsent zu sein. ”
    Was hättest du dir denn konkret gewünscht?

  30. Nicht zu vergessen, dass wir jetzt beginnen sollten Wahl- und Parteiprogramme so auszuformulieren, dass sie jeder Interessent auch bis zum Ende lesen kann.

  31. Frank Stockhausen

    Tja,

    wie soll man es wohl auch treffender formulieren.

    Ich bin nun seit einiger Zeit Pirat (lange vor der Landtagswahl NRW) aber genau weiss ich das nicht weil ich immer noch kein Parteibuch geschweige denn sonstigePapiere habe.

    Was ich damit sagen will: Wer in den kleinen Orts- und/oder Landesverbänden keine Struktur hinbekommt kann es im grösseren auch nicht und genau dieses Bild wird zur Zeit von den Piraten vermittelt.

    Alles übers Net zu managen kann zwar für den ein oder anderen praktisch sein, aber wir müssen uns auf dieses unangenehme Klientel besinnen welches irgendwo zu uns gehört: Der Wähler.

    Viel wurde gesagt und getan in alle möglichen Richtungen aber der Wähler wurde vergessen.

    Ändert es. Löst euch von nicht wirklich praktikablen Mustern, auch wenn sie euch noch so basisdemokratisch vorkommen und auch sogar sind, aber ihr verliert darüber die Möglichkeit am Wähler zu arbeiten.

    Just my 2 Cents

  32. Lieber C.,

    bitte hör´ nicht auf. und halte die meute zusammen, setzt die segel neu. (scheiß phrasen, aber weil ich wegen der beschissenen Wahlergebnisse gleichermaßen wütend und sentimental bin – meine ich sie sogar) ein gutes parlament braucht eine starke und breite opposition. die piraten fehlen nun. damit fallen einige themen auf bundesebene einfach weg. das schmerzt. es fallen auch die versuche weg, politik anders anzugehen. egal ob es letztlich funzt oder nicht – wichtig ist dranzubleiben und kontinuierlich themen, begriffe und standpunkte zu platzieren, deren existenz sich beim beobachten des gewohnten politischen alltags in massenmedien nicht vermuten lässt. ihr seid an der lebenswirklichkeit vieler menschen dran, die widerum von der wirklichkeit der mehrheit entfernt leben. ihr könnt mittler und erneuerer zugleich sein. ein demokratischer pontifex. ich bin selten so zielstrebig wählen gegangen wie heute mittag. nicht, weil ich sonst weniger politisch denke und handle, aber weil es sich diesmal “richtig” angefühlt hat. kopf und bauch haben ja gesagt. erstmals. ihr seid die notwendigen und überfälligen (hihi) anderen. ihr seid eine gute sache. gebt ihr auf – seid ihr eine herbe enttäuschung für die hoffenden und eine bestätigung für die etablierten.

    alle parteien haben stimmen verloren. außer cdu und afd. so beängstigend das auch ist, es sagt einiges über motive der mehrheit der wähler: angst, überforderung und unsicherheit – aber damit auch sehnsucht, bedarf und eben hoffnung. die cdu und afd können nur den teil vor dem bindestrich bedienen, der teil danach gehört zum beispiel euch.

    liebe grüße
    von einem, der euch bis vor wenigen wochen noch für unwählbar, mitllerweile aber für zwingend und folgerichtig hält.

    P.S. auch wenn sich somit 2013 meine erst- und zweitstimme nicht im deutschen bundestag widerspiegeln – ihr seid eine gute wahl.

  33. Danke Christopher, das du immer noch da bist, um dir den A*** aufzureißen, dir nen Kopf zu machen, dich zu engagieren. Viele gute Persönlichkeiten haben die Partei bereits aufgegeben, weil die Trolle und Querschiesser die vermeintliche Überhand genommen haben. Vielleicht findet mit dem Ergebnis der jetzigen BTW eine Art “Reinigungsprozess” statt und die ganzen Machtgeilen Verschwörungstheoretiker und Dumpfbacken ziehen weiter und der “harte Kern” an progressiv denkenden, mutigen Leuten bleibt, um von Neuem Anlauf zu nehmen!
    Danke für die Arbeit der Piraten in den Landtagen (speziell im AGH!). Ihr macht eine gute und wichtige Arbeit. Eure Ziele werden meiner Meinung nach nicht so richtig verstanden weil die Menschen a) entweder schon zu Lange das Gegenteil gehört haben (“Leistungsgesellschaft”, neoliberale Weltanschaauung) oder vielleicht noch gar nicht so weit sind, sich mit euren weitblickenden Ideen zu befassen – denn es erfordert mehr als ein paar Catchphrases um die komplexen Dinge und Zusammenhänge zu erklären, die ihr in euren Programmen ausgearbeitet habt – das mag für einige Wenige interessant und nachvollziehbar sein, die Meisten jedoch schalten bei längeren Erklärungen dessen leider ab, weil es ihnen zu kompliziert und abstrakt ist vielleicht.
    Ihr habt jetzt weitere 4 Jahre, in denen ihr uns (den Wählern) Politik erklären könnt, Sachverhalten auseinandernehmen und neu definieren könnt und den Menschen damit eine Perspektive darlegen könnt, die vielleicht längerfristig gedacht ist, als bis zur nächsten BTW.
    Danke dir und allen Piraten für euren Mut und das Engagement, die Gesellschaft zum Positiven verändern zu wollen!

  34. “Eine Piratenpartei, die in keinen Parlamenten ist bringt niemanden etwas.”

    Du widersprichst dir selbst, in dem du die Bedeutung der Piraten und Piratenthemen im Alltagsleben betonst. Das ist doch viel wichtiger. Klar kann man im Parlament nette kleine Anfragen stellen. Wäre die LINKE nicht im BT wären viele dieser Anfragen nicht gestellt worden.

    Aber andersrum wird ein Schuh draus: Sind Piraten und Piratenthemen, bzw. allgemeiner, der Wille und die Praxis zu anti-neoliberalem, solidarischem Verhalten und Neuerfindung in der Gesellschaft verankert, z.B. bei so 10%, dann erfolgen Wahlerfolge automatisch. Dann gibt es auch eine langfristige Anbindung der Wählenden.

    Insofern waren die früheren Erfolge der Piraten auf Sand gebaut. Wenn es da um Inhalte gegangen wäre, wären die Piraten nun, bzgl. NSA-Skandal, mit wehenden Fahnen in den BT eingezogen. Da ging es aber eher um Protest und “den neuen mal eine Chance geben”. Die Herausforderung liegt darin, den “Merkel über alles, alles ist super – Leuten” klar zu machen, dass in Wirklichkeit fast alles Scheiße ist. Was totale Überwachung bedeutet.

    EIn Ansatz, das hinzukriegen, wäre, zu versuchen, die knapp 1 Mio Erstwähler, die die Piraten gewählt haben, zu organisieren. Das muss nicht sofort Parteieintritt bedeuten. Dieser erfolgreichen Organisation würden dann fast automatisch Wahlerfolge folgen. Die langfristig u.U. natürlich auch nicht viel ändern – Bewegung auf der Straße und im RealLife(tm) ist wichtiger, insofern gut für die Piraten, dass sie nicht eingezogen sind, sie wären das nächste mal hochkant wieder raus.

  35. Hi,

    Ich stimme dir weitgehend zu. Doch das eigendliche Problem der Piraten ist meiner Meinung nach ein anderes: Wenn eine Person rationalisierbaren Mist erzählt oder sich allgemein unangemessen verhält und dabei die PC-Regeln nicht zu sehr verletzt wird er von seinen Mit-Piraten mit Scheiße beworfen. Das erzeugt a) Medienaufmerksamkeit und b) Abscheu. Andere Parteien behandeln solche “Abweichler” geschickter.

    Solange die Piraten keine medienverträgliche Konfliktkultur entwickeln werden sie für 90% der Bevölkerung unwählbar sein, unabhängig davon wie wichtig, richtig und angemessen ihre Politik ist.

    tl;dr: Themen statt Drama!

    Gruß Marcel

  36. Sehr schön! Wegen Mitgliedern wie Dir habe ich euch (leider vergebens) gewählt!

  37. Finde in dieser Zusammenfassung vieles, was ich bereits vor der Wahl befürchtet habe. Leider finde ich es aber auch jetzt noch schade, dass Begriffe wie “Scheiß” in einer “Analyse” zu finden sind. Das macht die Piraten nicht nur von Medien angreifbar sondern bildet am Ende auch das unprofessionelle Bild, das die Wähler am Ende von uns haben.
    Auch der Drang lieber auf andere zu zeigen, als sich selbst zu fragen, was man hätte tun können ist immer noch viel zu präsent.

  38. Ich habe euch die letzten drei Jahre gewählt und auch dieses Mal. Bitte kommt wieder auf die Beine.

    Knüpft bei Datenschutz (NSA, Apple TouchID) & Soziale Ungerechtigkeit an und nehmt zB Gender-Themen etwas aus dem Fokus.

  39. Perfekte Analyse! Mehr ist eigentlich nicht dazu zu schreiben. Das hätte alles gemacht werden sollen. Chance vertan.

  40. Du sprichst mir aus der Seele. Die Piraten agieren unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle. Man weiß, dass sie da sind, aber was sie wirklich wollen, hat sich kaum einem, mit dem ich diskutiert habe, erschlossen.
    Ich habe “uns” auch nur mit Bauchschmerzen gewählt. Hinter vielen Wahlaussagen stehe ich einfach nicht.

  41. und das erste was man heute wieder von piraten auf twitter sieht sind bashings gegen die AfD…es ist zum Mäuse melken.

  42. Ich habe dies Jahr erstmals Piraten gewählt, vor vier Jahren noch Grüne.

  43. Arschtritt? Wer hätte sich denn die Mühe machen sollen? Glaubt ihr ernsthaft, der Wähler hat sich gedacht: “ha, ich wähl halt mal die CDU damit die Piraten endlich mal aufwachen”? Endet die Hybris nichtmal bei einer solchen Niederlage?

    Lieber Herr Lauer, wenn Sie Ihre Analyse ernst meinen, dann gründen Sie entweder eine neue Partei oder schmeissen die Hälfte Mitglieder aus der Partei. Sie könnten ja mit denen anfangen die ihre Beiträge nicht zahlen.

    Ach ja. Und dann ist es so, dass es das eine ist wenn eine Partei es nicht schafft ihre eigenen Forderungen wirklich zu leben. Das sind wir seit Jahrzehnten so gewohnt.

    Aber es ist nochmal etwas völlig anderes wenn eine Partei das genaue Gegenteil von dem macht was sie fordert. Und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Ohne erkennbares schlechtes Gewissen.

  44. Vielleicht noch eins der Probleme: Viele potentielle Piraten-Waehler sind Nerds, fuer die das Parteiprogramm 100% zu ihrer Einstellung passen muss, sonst koennen sie ihren Autismus oder ihre Zwangsstoerung nicht befriedigen ;)

    Dass aber keine Partei komplett zu einem passt vergessen sie dabei und werden dann zu Nichtwaehlern *sigh*.

    Es geht doch erstmal nur darum dass die Piraten als einzige Partei in die richtige Richtung segeln..

  45. Kendel, ich schließe daraus, dass professionelles Politikertum bedeutet, möglichst schwurbelige Phrasen zu finden, die kein Wähler versteht, ihn aber so verwirren, dass er sein Kreuzchen macht?

    Das Tragische an Wahlanalysen ist, dass sie zu spät kommen. Und kommen sie doch rechtzeitig VOR der Wahl, dann will sie in der Partei keiner wahrhaben.

    Nichts aus dieser Analyse ist neu. Wenig daraus war vorher noch kein Kritikpunkt. Und doch wollte es keiner hören, sehen und lesen, und selbst nach Niedersachsen saßen viele zurückgelehnt im Sessel, strichen sich über den Bauch und waren felsenfest sicher, dass die Piraten in den Bundestag kämen.

    Tja, so ist es eben, wenn man auf dem Bahnsteig neben dem Zug steht, klönt und denkt, der würde schon nicht ohne einen abfahren. Umso größer ist das Staunen, wenn sich plötzlich die Türen schließen…

  46. Hallo Christopher,

    ich stimme dir hier hundertprozentig zu. Wir haben versagt. Meine eigene Analyse sieht nicht wesentlich besser aus.

    http://piratmatzka.wordpress.com/2013/09/23/piraten-haben-verloren-wirklich/

    Aber ich sehe auch die Chance darin, zu verschnaufen und uns nach den Höhenflügen der letzten zwei Jahre wieder zu erholen und auch wieder zu uns selbst zu finden, uns auf uns und unsere Ziele zu besinnen.

    Haben wir wirklich verloren? Zum einen ja, zum anderen Nein. Wir brauchen jetzt die Ruhe und sollten sie nutzen.

  47. Seid nicht traurig, ihr habt euren Zweck erfüllt. Über Jahre konnte ich als Informatiker niemanden wählen, der auch nur ein bisschen was von netzpolitik versteht. Ihr habt allen gezeigt, das man mir starken Positionen gegen Überwachung und gegen Zensur Wähler begeistern kann. Und manche Parteien ( Linke, Grüne) haben da jetzt endlich reagiert. Ihr habt es leider verpasst, DIE neue Bürgerrechtspartei zu werden obwohl die FDP diese Position seit Jahren langsam aber stetig frei macht. So wie ihr momentan politisch Aufgestellt seid, ist für mich fast keine Unterscheidung zur Linken mehr zu erkennen.

  48. Ich konnte euch nicht wählebn ich habe mich das erste mal in meinem Leben enthalten weil ich niemand für wählbar hielt – ich glaube jedoch ihr habt dadurch eine einmalige chance diejenigen die nur karrieristen waren wieder ziehen zu lassen und euch auf eure Anfangswerte zu konzentrieren. “BGE, Fahrscheinloser ÖPNV” etc sind gute Themen die sollten einfach GANZ gross sein und ständig wiederholt werden mit einfachen Argumenten die für jeden zu Verstehen sind – ich finde auch es gab zu viele Plakate – zu verworren der ganze Wahlkampf – aber was einfach am enttäuschendsten war – das weswegen ich euch am Ende nicht gewählt habe -> ihr habt es nichtmal geschafft innerhalb der Partei eine neuartige Politik zu machen – das war das gleiche rumgeschachere mit Posten und Positionen und Macht wie bei den anderen Parteien und dann hat eure verbliebene Führung seid Jahren einfach das Liquid und die SMV blockiert und das einfache Parteivolk schien nicht dagegen anzukommen. Ja sowas dringt nach aussen, das ist was ein subtiles Gefühl erzeugt das da was grundsätzliches nicht stimmt – das war für euch schädlicher als es Ponader und Co. weil ihr einfach nichtmal innerhalb beweisen konntet das es eine neue Art der Politik gibt – und ich glaube nach wie vor Gesichter schaden Euch mehr als Sie euch nützen – es gilt erstmal zu zeigen wie ihr euch so neue Politik vorstellt und da müsst ihr ganz weit weg vom althergebrachten Papierzettel erheben für einige Priviligierte – vorher glaubt euch halt kein Mensch das Ihr anders seid.

    Radikaler Neuanfang muss radikal sein – ansonsten bleibt ihr da bei 3% – jmho

  49. Weitgehende Zustimmung mit Ausnahme der Flyer: Es gab genau einen “Universalflyer”, abgebildet z.B. hier: http://flaschenpost.piratenpartei.de/2013/08/07/das-programm-der-piraten-in-kurzform-themenflyer/

    Das Problem war offenbar, dass viele (auch an Infoständen) das eigene Infomaterial nicht gelesen hatten (das war zugegebenermaßen schwer – ca. 2/3 der Flyer sind mir 2 Wochen vorher das erste Mal begegnet). Wie ich hier in den Kommentaren lese, hatten einige Regionen offenbar ein analoges Problem – Antworten zu Drogen und BGE liest man *vorher* nach und zieht sie sich nicht am Infostand aus der Nase.

    Und können bitte alle, die dauernd jammern, dass wir zuviel Menschlichkeit usw. im Programm haben und wieder Kernis werden sollen, jetzt endlich weggehen? Die etwas besseren Ergebnisse gab es in den Ecken, wo der linke Teil der Piraten sitzt (was nicht an der Geographie liegt – Sachsen z.B. ist anderweitig eine der schwärzesten Gegenden Deutschlands nach Bayern).

  50. Treffende Analyse, aber zum unpassenden Zeitpunkt und ein Schlag in die Magengrube für diejenigen, die sich im Wahlkampf engagiert haben.

    Seiltanz für die nächsten Jahre: die Basis abholen, einbinden, motivieren und zeitgleich die Spitze handlungsfähig machen.

    Oberstes Ziel muss – aus meiner Sicht – sein: trotz aller Beteiligung und interner Reibereien nicht zerstritten zu wirken.

  51. Das: “Das bedeutet in vier Jahren wurden nicht die Strukturen aufgebaut, um bundesweit flächendeckend präsent zu sein. Spätestens 2011 hätte damit begonnen werden müssen.” ist bezogen auf die Verwaltung der Piratenpartei schlichtweg falsch. Ich meine da besonders Schatzmeisterei und Mitgliederverwaltung. Ebenso wie die Organisation des Wahlkampfes und die (besonders technische) Abwicklung waren sehr gut, übrigens auch seit 2011!

    “Inhaltlich” gebe ich Dir recht. Wir müssen unseren Politischen Geschäftsführer (Rolle), deren Aufgabe es war/ist Strukturen zu schaffen, kritisch hinterfragen.

    Bratwurst

  52. Ich bin Piratin und habe nicht die Piraten gewählt, weil ich mich aktuell nicht mehr mit der PP identifizieren kann. M.E. haben wir die Grünen links überholt, dabei hatten wir doch libertär und antiautoritär angefangen. Statt so wenig Gesetze wie möglich, legten wir mit Forderungen und Verboten noch eins drauf.

    Für mich waren die Piraten Sebastian und Marina. Ich habe alle ihre Clips angeschaut, bevor ich eintrat. Später dann die Meldungen von Bernd und Johannes gelesen. Das war dann nicht mehr meine Meinung.

    Ich bin noch Piratin, weil ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, dass die liberalen “Arbeiter” sich noch durchsetzen können. Die Parteitage geben Hoffnung, das LQFB jedoch nicht.

    Mal sehen, was nächstes Jahr passiert: wenn die nächsten beiden Parteitage weiterhin nach links abdriften, bin ich draussen.

  53. Ich wünsche mir eine einzelne Frage, die an die *Mitglieder* gestellt wird:

    “Weshalb hast du nicht die Piraten gewählt?”

  54. Weitergehend: statt darüber zu streiten, wohin die Reise gehen soll und alles demokratisch dezisionistisch zu framen, kann man einfach auch alles erst mal alles rein thematisch vertiefend machen. Dann gibt es beispielsweise Workshops úber Freifunk für Parteimitglieder, zu denen vielleicht 40-50 Leute zusammen kommen und als Nebenprodukt ein Papier formulieren. Oder Diskussionsveranstaltungen mit Vertretern von anderen Parteien und externen Fachreferenten von NGOs zur Urheberrechtsreform. Oder Workshops über wie man “technisch” Wahlkampf macht, wo jeder seine Ideen einbringen kann. Die Lösung für die Piraten ist mehr eine Art Bugtracker wo jeder sich ein Ticket holen kann für eine Aufgabe, als das Lamentieren und Abstimmen und Kritteln darüber wie vorzugehen ist, was ja doch am Ende irgendwer zu *machen* hat. Die Piraten, die erfolgreich waren, hatten dieses Macherprinzip, es wurde ermutigt zum Machen, zum Entwickeln von eigenen Ideen, die jeder auch umsetzen konnte. Die Piraten des Scheiterns sind die der Kritiker, Besserwisser und Trolle.

    Ein Parteiprogramm kann man am besten von einer Redaktion schreiben lassen, und zwar so gut und überzeugend, dass es alle super finden. Das basisdemokratische Refaktorieren funktioniert nicht. Im besten Fall kann man zwei Teams ransetzen mit Textvorschlägen und eines gewinnen lassen. Wenn man parteiintern auf die Themen fokussiert und in den Themen und für die Themen die Diskussion stattfindet, ergibt sich das Programm nur noch als Schreibarbeit zur Beschreibung der Ist-Agenda, die natürlich demokratisch abgesegnet werden muss. Der Parteitag mag beschliessen, wir wollen die Energiewende, aber nicht genau welche kruden Phrasen ins Programm kommmen.

    Die Piraten haben ein einfach grottig geschriebenes Parteiprogramm (die deutsche Aussenpolitik, die der gesamten Menschheit zu dienen habe etc.) und sich von den Kernthemen entfernt. Sind Piraten für Linux-Migration der öffentlichen Verwaltung? 2006 wäre das klarer Konsens gewesen. Heute weiss der gemeine Pirat gar nicht mehr was das überhaupt ist und hält das für kein relevantes Thema für den Wahlkampf. Parteimitglieder sollten die Erfahrung machen, dass die Piraten der Ort sind, wo man mitmachen kann und was lernen über Themen, welche die anderen Parteien nicht angehen, nicht, dass die Piraten was sind, wo jeder Verpeilte über wirklich alles mitentscheiden darf und soll, und jeder Funktionsträger hemmungslos gemobbt werden soll. Wenn die Piraten thematische Führung haben, dann ist wirklich nichts verloren, selbst wenn sie es nicht in die Parlamente schaffen, sind die Mitglieder über die Themen gebildet und beeinflussen den herrschenden Diskurs.

  55. SirSlackalot

    Macht euch nicht viel draus, während die Linke und die Grünen BGE und Genderdebatten vertreten hat die AfD sich um die Protestwähler gekümmert. Wahrscheinlich hat sogar ein kleiner Teil der potentiellen Piratenwähler nun die FDP wegen Leutheusser-Schnarrenberger gewählt.

    Natürlich hat die Piratenpartei, wie sie treffend schildern, ein strukturelles Problem, nach innen wie nach aussen. Nach innen braucht es mehr Struktur im Sinne von Bereichsleiter(kommissionen) die, wenn was nicht funktioniert, eingreifen können(andere nennen es “ein Machtwort sprechen”).

    Nach aussen braucht es Themen von gesellschaftlicher Relevanz die aber nicht schon als “Kernkompetenz” anderer Parteien verstanden werden. Wahlgewinne mit “fremden” Themen können meiner Meinung nach nur erzielt werden wenn die Partei mit Deutungshoheit über das Thema gerade in der Regierung sitzt und dieses Thema nicht oder nicht zufriedenstellend bearbetet hat.

  56. Ich glaube, das Problem liegt zu einem guten Teil nicht nur an den Piraten selbst. Ich hatte in meinem Bekanntenkreis viele, die aus Angst, die Piraten koennten die 5% nicht schaffen, eine andere Partei gewaehlt haben(SPD, manche CDU,…).

    Das wiederum darf man zu einem grossen Teil auch den Medien ankreiden. Wenn bei pseudowissenschaftlichen Umfrage die Piraten zum Teil nur unter “Sonstige” gelistet werden, Parteien wie die AfD dagegen mit einem eigenen Balken im Graph, vermittelt das schon bestimmte Signale..

    Ich hoffe ganz ehrlich, dass es bei der naechsten Wahl klappt. Ihr braucht ja im Prinzip auch nur sagen, dass alles super tippitop ist und es den Deutschen wunderpraechtig geht, BAEM, Wahl gewonnen…

  57. Eine Chance liegt im Wegfall der FDP: Was nun fehlt, ist eine Partei, die das Banner des Liberalismus wehen lässt, ohne die marktradikalen Züge der FDP zu tragen.

    Mit dem Hype-Erfolg haben sich bei den Piraten leider auch Ideologismen angedockt, die besser bei den Grünen beheimatet sind ( — eine Partei dagegen, für die zB auch Fefe trommeln wollte, fehlt).

    “Knüpft bei Datenschutz & Soziale Ungerechtigkeit an und nehmt zB Gender-Themen etwas aus dem Fokus” — volle Zustimmung.

  58. Vincent Garron

    Hi Ho

    Zunächst einmal: RESPEKT an Christopher für diese deutliche und ehrliche Selbstkritik ! Bringt nicht jeder zustande.

    Eigentlich kann man an dieser Stelle nicht mehr viel sagen/schreiben, aber ich würde gerne erläutern wie sich das “Problem” der Piraten aus meiner Sicht darstellt. Vielleicht nützt es ja bei der Analyse.

    Vor ca. 2 Jahren begann ich (Baujahr 1969) mich für die Piraten zu interessieren. Ich surfte durchs Internet, las mir dies und jenes durch und war sehr schnell sehr begeistert, da ich feststellte, dass das Wissen und die Kompetenz mancher Piraten-AGen mein eigenes Wissen überstieg und zum Nachdenken anregte. Das war etwas, das ich bei den alteingesessenen Parteien schon lange nicht mehr erlebt hatte. So ging ich dann auch irgendwann zu einem der Stammtische und wurde dort regelmäßiger Gast. Ich erlebte den NRW-Landtags-Wahlkampf live und in Farbe mit und war erneut sehr angetan von der Innovation mit der die Piraten vorgingen. Ein Wahlplakat hat mich damals besonders begeistert: “Trau keinem Wahlplakat. Auch diesem nicht. Informier dich selber”
    Einfach TOP ! *thumb_up*
    Rückwirkend betrachtet war das die Wahl, bei der ich mit der größten mir selbst bewussten Entschlossenheit meine Kreuzchen (natürlich bei den Piraten) gemacht hab.

    Aus beruflichen Gründen konnte ich seit letztem Herbst leider nicht mehr auf die Stammtische gehen und verfolgte die Entwicklung der Piraten daher nur noch aus der Entfernung.
    Und was ich sah gefiel mir immer weniger….

    Statt mit eigenen Inhalten auf sich aufmerksam zu machen (viele erwähnten es schon: Die Snowden-Affäre und alles was da drumherum geschah) gingen die Piraten zu einem sogenannten “schmutzigen Wahlkampf” über.
    Man gewinnt _definitiv_ keine Stimmen, indem man mit dem Finger auf andere zeigt (hier meine ich: auf die AfD und die Vorwürfe des Rechtspopulismus), zumal dann nicht, wenn man selber als Protestpartei aus der Taufe gehoben wurde und anfänglich dieselben Probleme hatte. Jede Protestpartei ist – gerade zu Beginn – auch eine Anlaufstelle für jene, die zwar wenig mit Demokratie, aber viel mit Protest zu tun haben oder zu tun haben wollen.
    Man kann eine solche Kritik anbringen, ja. Sie darf aber niemals Grundlage einer Kampagne sein, zumal der Kampagnenführer sich damit selber als höchst undemokratisch entlarvt. Meinungsfreiheit ist immer und vor allem zunächst einmal die Freiheit des Andersdenkenden und das auch dann, wenn uns die Meinung des Andersdenkenden überhaupt nicht gefällt (Eigentlich unglaublich, dass ich das in einem Blog der Piraten überhaupt schreiben muss…).

    Ein weiterer Punkt (den auch schon einige andere aufgegriffen haben):
    Menschen wählen Menschen !
    Menschen wählen keine Parteiprogramme !
    Würden Menschen Parteiprogramme wählen, müssten die Piraten mehr als 40% haben. Die Piraten haben keine 40% also ist meine Aussage richtig (Ja ok, die Beweisführung ist etwas innovativ. Aber bevor jemand meint auf mich dreinhauen zu müssen, solle er sich bitte genau fragen wieviel Wahrheit dabei zwischen den Zeilen steht).
    Die CDU war Merkel, die SPD war Steinbrück, die FDP war früher mal Westerwelle, heute weiß man das nicht mehr so genau, die Grünen sind Trittin, die AfD ist Lucke und die Piraten…. tja
    Mit Sätzen wie “Jeder der mehr als dreimal vom Fernsehen interviewt wird ist TV-geil” stehen sich die Piraten nur selber im Weg.
    Ich wiederhols nochmal (weils stimmt): Menschen wählen Menschen.
    Man kann es auch an den beiden potentiellen Kanzlerkandidaten sehen. Merkel ist zwar nicht zwingend ein Sympathieträger, aber im Vergleich zu Steinbrück, der mit der Sozialkompetenz einer Splittergranate mit eingebautem Fettnäpfchen-Suchgenerator daherkommt muss eigentlich jeder besser aussehen.
    Aber wenigstens hat die SPD mit Steinbrück ein Gesicht gehabt. Ob einem jenes Gesicht gefällt sei mal dahingestellt, aber sie hatte eins.
    Bei der FDP kann man sich da nicht so sicher sein wer das Gesicht der FDP ist, logische Konsequenz => raus
    Die Grünen haben auch ein eindeutiges Gesicht, die LINKE sowieso und auch die AfD hatte eindeutig ein Gesicht. Sie hat zwar nicht mehr Prozente bekommen als wie die FDP, kommt aber – was die Prozente angeht – im Vergleich zur letzten Wahl aus der anderen Richtung als wie die FDP.
    Kurzum: Ich sehe meine “Menschen wählen Menschen”-Theorie bestätigt.
    Daher sollten sich die Piraten _sehr genau_ überlegen, ob sie in Zukunft lieber Prozente einfahren wollen oder weiterhin der “TV-Geilheit” abschwören wollen. Beides steht sich diametral gegenüber. Ja sorry liebe Piraten, is aber so ! Ihr wollt Prozente ? Dann formt einen Kandidaten heraus, der einmal pro Woche im Fernsehen zu sehen ist, der argumentativ und rhetorisch in der Lage ist sich gegen einen Markus Lanz durchzusetzen (ok, das ist nicht schwer :D ) oder gegen einen Michel Friedmann (schon schwerer, weil man muss erst mal zu Wort kommen), der ein positiveres Bild abgibt als Steinbrück mit seinen um mehr als 30° nach unten hängenden Mundwinkeln und der mehr draufhat als Merkels Raute. Das ist nicht unmöglich. Das ist sicher eine Konzession _gegen_ einige ursprüngliche Piratenprinzipien, aber an dem Punkt an dem ihr jetzt seid müsst ihr euch fragen: cui bono ?

    Dann, aber auch erst dann, werdet ihr das zweistellige Ergebnis bekommen zu dem ihr – durchaus – das Potential habt.
    Is eure Entscheidung.

  59. [...] Warum es nicht gereicht hat und was wir daraus für die Zukunft lernen können (Christopher Lauer) [...]

  60. “Spätestens nach der Wahlniederlage in Niedersachsen hätten wir uns diese Fragen stellen müssen.”

    Ich hatte angefragt. kein pirat hat je geantwortet, bzw. wenn dann ‘ja das wurde analysiert’ aber wo?

    Ich stimme dir zu es hat strukturelle, aber auch programmatische Gründe:

    links-ruck (Mindestlohn statt/und BGE, etc.) – Warum muss ich für den Mindestlohn Piraten wählen, wenn ihr dochn BGE fordert?

    kleinmachen / beschränkung auf nur netz-themen

    fehlende öffentlichkeitsarbeit eurer angebote über europa ! Vorschläge zur Krisen-Lösung Europas wurde nicht deutlich gemacht

    fehlender straßenwahlkampf in ubahnen/sbahnen?

    ne menge PR fehlte/Mundpropaganda, unfähiger+ überheblicher Vorstand der Systempartei spielen wollte

    zu viel AFD-Bashing auf Twitter/Realität…

    verrat an eigenen piratigen idealen

    ( http://wiki.piratenpartei.de/Kodex#Piraten_sind_fair , spätestens auf dem letzten Bundesparteitag )

    kein richtiges Wirtschaftsprogramm/Innovationsprogramm

    kein Zusammenhang innerhalb des Wahlprogramms.

  61. [...] wir hingehören, nach dem, was wir die letzten 18 Monate geliefert haben. Sorry, aber ist so. Christopher Lauer hat das schon aufgeschrieben, das muss ich alles nicht selber wiederholen. Frappierend finde ich [...]

  62. Man hatte es aber auch nicht hinbekommen mit den Wählern einen Dialog zu führen.

    Ich wurde teilweise von Piraten beleidigt, diskreditiert, etc.

    “Idioten wie XY und dich will ich nicht unter meinen Wählern” – Pirat N.H.

    Sogar nach der Wahl beleidigen viele Piraten die Wähler einer bestimmten Partei.

    Bevor man gewählt werden kann muss man motiviert werden, dann am Wahltag mobilisiert.

  63. Das selbige haben wir vor zwei Jahren auch schon propagiert, aber es wurde belächelt nun ist der Katzenjammer groß.

  64. Hmm … ein sehr guter Text. Aber um ehrlich zu sein: zu spät. Die Wahl ist gelaufen :).
    Jetzt sind es wirklich vier lange Jahrte, die nicht nur zum lernen, sondern auch durchzuhalten sind. Viel Zeit, die lang und anstrengend werden kann. Und doch zu wenig Zeit, da grundlegende Dinge geändert werden müssen.

    Was der Partei fehlt ist eine “Philosophie”, um die sich die Mitglieder schaaren können. Und anhand derer man auch sagen kann “deine Ideen passen nicht zu uns, geh lieber in eine andere Partei.”

    in diesem Sinne
    D. Nabert

    p.s.: Herr Lauer, am 23.04.2012 schrieb ich Ihnen eine Mail, die diese Entwicklung fast schon vorweg genommen hat. “Ich habe es ihznen gesagt” trifft es nicht ganz, aber ein “es war absehbar” ist angebracht :).

  65. Werter Christopher Lauer.

    Ich mag Deine Art nicht besonders, aber das hindert mich nicht daran, Dir für diesen Beitrag zu danken! Meiner Meinung nach triffst Du in allen Punkten den Nagel auf den Kopf.

    Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre das dieser: Bleib dran an diesen Punkten. Halte Dich fern von Shitstorms und Personalquerelen und arbeite nüchtern und neutral, wie in diesem Beitrag an den wichtigen Punkten. Setze Dich für diese Ziele ein und sei Vordenker einer innerparteilichen Umstrukturierung.

    Wie das nur leider mit Wünschen so ist…

    Alles Gute und vielen Dank für alles!
    Daniel

  66. Ich habe euch gewählt!

    Ich habe euch gewählt, damit ihr mit dem Geld, das euch meine Stimme und die der anderen bringt, euch neu organisieren und strukturieren könnt. Der Erfolg kam zu schnell. Begreift dieses Ergebnis als Chance euch in Ruhe neu aufzustellen.

  67. Sebastian Jurk

    Wieso klingt das eigentlich so wie wenn nur alle anderen Fehler gemacht haben und bitte ihren Posten räumen sollen? Das klingt wie wenn du keine Fehler gemacht hast (gibt ja genug Schlagzeilen) und du dich für die freiwerdenen Posten empfiehlst. Etwas Selbstkritik hätte hier auch gut reingepaßt.
    Ansonsten viele gute Kritikpunkte bezüglich Demokratie. Spitzenpolitiker ist aber gefährlich. Wenn die einmal aufgebaut sind kann man die nicht mehr so schnell loswerden wenn sie Unsinn machen. Und dann hat man viel Arbeit in sie gesteckt. Solche Abhängigkeiten sollte man vermeiden.

  68. Hallo Piraten,

    ich habe Euch gewählt, in der Erwartung das Ihr die 5% Hürde nicht schaffen werdet und darauf spekuliert, dass Ihr die Hürde für die Wahlkampfkostenerstattung nehmen werdet.

    Ich hoffe Ihr nutzt die Mittel, um Euch zusammen zu raufen, so das Ihr nächstes Mal eine Chance habt… Nochmal wähle ich Euch nicht, wenn Ihr weiterhin so ein jämmerliches Bild abgebt.

    Beispiel: Ich bekam an Eurem Stand erklärt, dass ihr ja Stellung zum NSA Skandal bezieht, aber die Medien nicht mehr drüber berichten. Als Partei ist es Euer verdammter Job den Medien eine Story zu liefern und nicht rum zu jammern. Und es ist echt nicht sooo schwer was in die Medien zu bekommen (und ich meine hier jetzt nicht die popcorn-piraten;-).

    Mit freundlichen Grüßen,
    Günther

  69. Warum ich die Piraten nicht wählen konnte, mal ein wenig krasser formuliert:
    1. Nach außen seid ihr immernoch ein diskutierender Kindergartenhaufen, wo alle was sagen wollen und wenn einer mal was mehr sagt, dann sind die anderen sauer und beschimpfen ihn. Und da man anonym ist, kann man so viel schimfen und treten wie man will, es gibt ja keine Konsequenzen wie im echten Leben, wo man nach einem Fehler gerade stehen muss. Und nicht einfach ein neues Leben unter einen anderen Namen führen kann.
    Schön dass ihr Anonym sein wollt. Aber kenn ihr den Spruch “Dafür stehe ich mit meinem Namen?”. Wenn ihr es noch nichtmal innerhalb der Partie schafft dass Leute hinter ihren Aussagen stehen, wie wollt ihr es den Wählern vermitteln? Soziale Kommunikation ist nicht möglich wenn man komplett anonym ist. (Wenn einer einen Nickname seit Jahren behält, dann ist es nicht mehr komplett anonym, da er seinen Namen nicht verlieren will)
    Dann überlegt mal selber: Stellt euch vor ihr wollt einen teuren Computer kaufen, der die nächsten 4 Jahre halten soll.
    Es gibt zwei Angebote für den selben Preis. Bei Ebay wird ein Produkt bezeichet “vom Markenhersteller” verkauft. Von der Person computer432. Mit den ähnlichen Features gibt es einen Computer von Lenovo bei Atelco. Ich nehme Atelco, die wirken vertrauenswürdiger.

  70. Eine Analyse, viele Eindrücke und ein starker Zusammenhalt.

    Es ist erstaunlich:

    Der Bundestag wird nur noch aus Mitglieder bestehen, die keine Bürger- und Verbraucherrechte – geschweige Internet- und Meinungsrechte kennen bzw. ihre Bürger diesbezüglich vertreten wollen / können.

    Ich wünsche Euch, dass Ihr nach #Altland, #Neuland die #Zukunft neu mitgestaltet und diesbezüglich ein klares #bpt132 – Konzept, was die Menschen – inhaltlich (thematisch) und persönlich (personell) – wieder erkennen. Ihr könnt aus der FDP lernen (sowie am Wechsel der Grünen), Eure Kernthemen voranbringen und überlegen, ob BGE & extreme Linksausrichtung ein richtungsweisener Weg ist. Was sind die Sorgen der Menschen im Land und welche Lösungswege zeigt Ihr auf, die wählbarer sind?

    Zudem machen es die Kernthemen schwer – weil viele Menschen Überwachung & Datenschutz nicht fühlen, besser wäre es, sie würden es spüren. Das Experiment ist nicht gescheitert, es ist ein längerer Weg, selbst die FDP muss sich über die Länder und Kommunen beweisen.

    Stellt Eure Stärken, Eure neuen Möglichkeiten – möglichst ohne viel Querelen in der Öffentlichkeit – klar in den Vordergrund .- und gibt den Wahlthemen erkennbare Gesichter.

    Das Experiment, vielleicht zu einer falschen Zeit. Es ist erschreckend, dass eine rechtspopulistische Partei so viele Stimmen fängt, während der größte Überwachungsskandal scheinbar stillschweigend hingenommen (bzw. indirekt auch noch bestätigt) wird.

    Zeit für Verwortung: Relaunche-Chance 2014:
    http://www.golem.de/news/piratenpartei-das-experiment-kann-beginnen-1309-101662.html

  71. [...] Piraten: Warum es nicht gereicht hat und was wir daraus für die Zukunft lernen können. [...]

  72. [...] hätte nie gedacht, dass ich Christopher Lauer mal zustimmen würde, aber seine Analyse der Piraten ist korrekt. Für mich aus Wählersicht hatte ich permanent das Problem, dass ich [...]

  73. [...] Wir machen weiter! Und zwar besser als zuvor. Als am Besten organisierte moderne und friedliche APO und als global denkende Partei natürlich auch bei der Europawahl im Mai 2014. Auch in Landtagen und bei der nächsten Bundestagswahl werden wir uns weiter für unsere emanzipatorischen politischen Ideen einsetzen. [...]

  74. Ich bin bekannterweise kein allzu großer Fan der Piraten und habe diese auch nicht gewählt. Die Gründe dafür finden sich trefflich in der o.g. Auflistung von Christopher wieder. Ein Text, der mich erstaunt hat in der Offenheit und Klarheit und ich wünsche den Piraten mehr solcher Momente, mehr Klarheit und mehr Greifbarkeit, statt nur Experimente. Vielleicht kann man sie dann eines Tages doch wählen.

  75. Ich bin keine Piratin, gab Euch aber von Beginn an meine Stimme. Was Euch anders machte – und dadurch für mich interessant – war hauptsächlich ein Punkt: die Forderung nach Transparenz.

    Mit dem Thema Transparenz gewinnt man jegliche Diskussion, mit Transparenz gibt man Lobbyismus und Korruption keine Chance, Transparenz bedeutet Aufklärung, Transparenz involviert mehr Bürgerbeteiligung, Transparenz exkludiert Überwachung, Transparenz involviert neue Urheber-/Patenrechte, Transparenz fördert Bildung, Transparenz steht für gelebte Demokratie usw. Ein Schlagwort – mit dem sicher nicht alle, aber sehr viele (Piraten-)Themen bürgernah, verständlich und positiv beschrieben werden können.

    Ob Schwarzwähler, Gelb oder Rot – beim diesem Thema ist das Volk sich einig, Transparenz wird gewünscht, Korruption will niemand. Ich war (und bin) begeistert von der Arbeit vieler Piraten, die unermüdlich in den Sumpf der politisch-lobbyistischen Mauschelei etwas Licht bringen, die Fragen stellen, Anträge verschicken, Klagen einreichen usw.

    Nur leider hat es niemand wahrgenommen.

    Ich bin nur über die Arbeit der Piraten informiert, weil ich aktiv nach solchen Informationen suche. Erzähle ich meinen Bekannten dann etwas darüber, finden es alle toll, was ihr so treibt. Eure Öffentlichkeitsarbeit ist schlicht katastrophal, faktsch nicht vorhanden. “Tue Gutes und berichte darüber” ist die so bekannte Floskel für eine funktionierende PR-Arbeit. Und solche Informationen werden dann auch gerne von den Medien aufgenommen.

    Und noch ein Wort zur “kopflosen Partei”. Ich hatte wirklich gehofft, daß es funktionieren kann – sehe aber leider auch das Problem, wie es Christopher und einige andere hier beschrieben haben. Die Bürger brauchen Köpfe. Es ist schon viel verlangt vom Bürger, sich ein “anderes politisches System” vorzustellen (was es als Ergebnis ja darstellen würde), dies muss ihm aber wenigstens von Angesicht zu Angesicht erklärt werden. Vielleicht funktioniert eine kopflose Partei mal in der Zukunft – noch ist es aber zu früh. Die (meisten) Menschen sind noch nicht soweit. Sie wollen jemanden als Ansprechpartner und als Vertrauensperson. Ich denke, die “Piratenidee” ist es wert, nochmals darüber nachzudenken, ob man auf eine (zugegebenermaßen nicht ganz unwichtige) Zielsetzung zu verzichten bzw. umzuwandeln, um die anderen Ziele zu erreichen.

    Ich wünsche Euch (und mir) den unbedingten Einzug ins EU-Parlament, wir brauchen Euch dort vor Ort!

  76. Warum die Piraten es nicht geschafft haben? 1. Die Prognosen waren zu schlecht. Die Leute wollten nicht riskieren, dass “die Stimme verloren geht”. Es war ja wie in Niedersachsen wieder eine Lagerwahl, und die Unzufriedenen wurden von der AfD abgefischt. 2. Die Wähler sind noch nicht reif für die Piraten. Die Leute wollen als Politiker anscheinend keine Menschen, die ehrlich sind und ggf. auch Fehler zugeben, sondern einen Teflonkanzler. Lieber einen perfekt inszenierten Superhelden, der den Karren zuversichtlich in den Dreck fährt, als unperfekte “normale Menschen”, die sich wirklich Mühe geben.

  77. Wer politische Veränderungen erreichen will, benötigt ein dickes Fell, einen langen Atem, tiefe Wurzeln und viele Freunde. Das zu erreichen wünsche ich den Piraten.

  78. Wie die erfolgreiche Umsetzung einer smv funktioniert zeigt sich seit einem jahr in Österreich. also seit piraten und kopiert unsere Ideen und unsere Umsetzung – viel besser geht’s nicht

  79. Ich hatte euch einst gewählt,

    da ich an mehr Bürgerbeiteiligung glaubte. Leider führte euere bisherige Umsetzung zu der Erkenntnis, dass in der Masse doch die dummheit siegt, bzw. die Lautesten, mit genügend Zeit sich den ganzen Tag in den sozialen Medien und Foren zu tummeln. Ergebnis: Unrealistische Leitprogramme, wie bedingungsloses Grundeinkommen (wie starb das alte Rom?).

    da ihr die einerseits eine links liberale Ausrichtung hattet, was in diesem Wahlkampf wieder keine verkörperte.

    das einstehen für Datenschutz und individuelle Freiheit. Seit 9/11 wart ihr die erste Partei, die ganz klar persönliche Freiheit vor Sicherheitsinteressen stellte.

    In der Hoffnung das ihr einiges besser machen könnt aber vor allem aus Mangel an einer Partei die man wirklich wählen möchte, bekamt ihr trotzdem meine Stimme.

    Viel Erfolg bei der kritischen Selbstbetrachtung.

  80. ..., oder piraten!

    warum gab es eigentlich diesmal keine breitgestreuten “…, oder piraten!”?

    vielleicht nicht der optimale platz für diese feedbackfrage;
    eine stimme aus berlin

  81. Ich weiß nicht, ob es an der Kampagnenfähigkeit lag.

    Man kann nicht nur sagen, man will das Gute, sondern man muss nachweisen, dass das funktioniert.

    Zum Beispiel hat das BGE Schwachstellen:
    - Ich Unternehmer zahl nur n’Appel und n’Ei, Jetzt brauchst Du die Aufstockung ja nicht extra beantragen, das BGE gibt es sogar ohne Antrag.
    - Also muss man zwingend Mindestlohn einführen, hoch genug, dass sich das bei BGE noch lohnt, arbeiten zu gehen.
    - Die Preise steigen aber mit den Einkommen.
    - Es kommt also zur Inflation.
    - Nun muss eigentlich das BGE wieder aufgestockt werden. Dann steigen alle Einkommen und die Preise wieder.
    - Also dann keine allgemeine BGE-Erhöhung mehr, weil das zu teuer wird und zu inflationär.
    - Dann eine BGE-Aufstockung für arbeitslose, berentete und kranke BGE-Bezieher – sozusagen eine Grundsicherung zusätzlich zum BGE.

    Es muss nicht so kommen, aber man kann das Szenario nicht ausschließen.

    Folglich muss man dann, wenn man denn mal in einer Regierung ist, die Wähler darüber informieren und fragen, ob man es probieren soll. Ohne eine ausdrückliche Zustimmung der Wähler hat man keine Legitimation.

    Und man braucht auch immer Plan B für den Fall, dass es nicht wie gewünscht funktioniert, also notfalls die Rücknahme.

    Und man darf auch nicht alles ungeprüft übernehmen, was unter dem Mäntelchen des Fachlichen von Lobbygruppen kommt. Ich nenne dass unausgegorene EEG. Wäre Photovoltaik und Windkraft wirklich ökologisch, dann würden die großen Energiekonzerne das Geschäft selber machen, weil geringer Ressourceneinsatz einen günstigen Preis bedeutet. Auch beim Thema Klimaschutz bin ich bestimmt nicht verlegen zu fragen, wieso so nah am Wasser gebaut wird, obwohl doch der Meeresspiegelanstieg kommen soll. Doch irgendwie unlogisch ! Oder ist das mit der Klimakatastrophe doch nur ein Märchen um Geld zu aquirieren ? Dieselben, die uns Super-E10 als “klimaneutral” verkaufen, holzen für die Bio-Ethanol-Produktion die Wälder ab und wandeln Nahrungsmittelanbau in Biomasseproduktion um.

    Und warum das Kiffen legalisiert werden soll – soll es das ? – versteht kein Mensch. Man hat in den USA mit der Legalisierung des Alkohol die Kriminalität nicht wegbekommen. Die hat sich eben andere Geschäftsfelder gesucht und gefunden: z.B. Heroin.

    Was ich damit sagen will. Man muss Politik auch erklären können.

    Und die Renten ?
    Wenn man in die Regierung kommt, dann gibt es keine Themen, die man aussparen kann.
    Die Rentenkürzungen seit 1996 müssen zurückgenommen werden und die Nettorenten müssen an die Nettolöhne gekoppelt werden – und die Deutsche Wirtschaft geht nicht daran kaputt – Im Gegenteil.
    Neue Verträge in privater Rentenversicherung (Riester- und Betriebsrenten) dürfen nicht mehr von Staat gefördert werden. Die Sicherungsfonds sind im Ernstfall zahlungsunfähig. Da ist nichts kapitalgedeckt.

    Und es gibt noch viel mehr zu tun.

  82. danke für die gut formulierte reflektion, ich kann die darin eingeflochtene enttäuschung gut nachvollziehen und wünsche das durchhaltevermögen, von hier aus konstruktiv weiter zu gehen.

    als prinzipieller piraten-sympathisant fiel es mir leider noch immer schwer, unglaubwürdigkeiten wie julia schramms ‘klick mich’ copyright-enttäuschung und selbstgefällige äusserungen einzelner parteimitglieder zu vergessen. dennoch halte ich auch weiterhin viel von den piraten doch bedauere, dass auch hier mittlerweile wichtigtuer angekommen sind, welche aus meiner sicht große sympathie-lecks in den rumpf schlagen.

  83. Ich habe euch gewählt, obwohl mir eure Fehler bewusst waren. Und ich bin ein Beispiel dafür, dass ihr nicht nur bei18 – 30jährigen Symphatisanten habt. Ich bin nämlich 60.
    Was Christopher schreibt ist sicher alles richtig. Er spricht vor allem das Organisatorische, das Strukturelle an.
    Auch wenn ich weiß, dass ein Ratschlag auch immer ein Schlag ist (nicht meine Weisheit), gebe ich euch doch einen Rat, der eure Inhalte angeht.
    Bitte, versucht nicht noch grüner als die Grünen zu sein. Und bitte, versucht nicht, die Linken links zu überholen. Überdenkt euer Programm, beschränkt euch auf eure Kernthemen. Christopher hat sie in seinem letzten Absatz umrissen. Weniger ist mehr. Lasst euch nicht von links, von grün und natürlich auch nicht von rechts vereinnahmen. Ihr müsst nicht zu allem eine Meinung haben!

    So Papi ist jetzt still.

  84. Als Piratensympathisantin sehe ich das ähnlich wie Chris. Ich bin einer der wenigen Menschen (wenn man die Kommis von anderen zu ihrer Präferenz so liest), der primär nach Inhalten und dann erst nach Personen wählt.

    Aber ich bin auch nur deshalb so gut über euch informiert, weil mich Politik interessiert und ich die derzeitige Staatsform höchstens als eine Pseudo-Demokratie bezeichnen würde. Und weil meine Ausbildung mich dazu befähigt hat, Wahlprogramme am Stück zu lesen und auch zu verstehen (das ist heute leider nicht mehr ganz selbstverständlich und war es vermutlich auch nie), bzw. mit intelligenten Online-Helferchen umzugehen (94% Piraten-Übereinstimmung waren dann doch ziemlich eindeutig).

    Das Gros der Menschen ist nunmal eher auf Input von Außen angewiesen und dieses Input besteht zum Großteil aus TV, Radio, Presse und Internet. Wobei “Berieselung” übers Fernsehen mit Sicherheit die konsumfreundlichste und verbreitetste Methode sein dürfte. Und da sind die Botschaften auf Überbringer angewiesen. Auf Leute, die sich rhetorisch geschickt anstellen, aber dabei kein Politiker-Sprech verwenden. Auf Leute, die eine gewisse Selbstsicherheit ausstrahlen und Charisma haben. Und seien wir mal ehrlich – der Großteil der CDU-wähler wird das Produkt “Merkel” und nicht deren Parteiprogramm gewählt haben.

    Und ihr habt solche Leute, die euch repräsentieren können! Marina fand ich zum Beispiel in ihrer Wirkung nach Außen unglaublich charismatisch, nett und intelligent. Nur weil ihr nach den besten Repräsentanten schauen solltet heißt das ja noch lange nicht, dass ihr diesen auch mehr “Macht” innerhalb der Partei geben sollt.

    Und ganz wichtig: Es ist zwar okay, dass ihr eure Streitkultur öffentlich macht, aber ihr solltet dann auch etwas am Ton ändern. Sachliche, freundliche (!!!) Diskussionen um ein Thema herum können auch Debatten nach Außen anstoßen. Aber das sollte in keinem Fall so ausufern, dass es in Richtung Mobbing läuft und so gegebenenfalls sensiblere Mitglieder am Mitdiskutieren abhält oder im Schlimmsten Fall aus der Partei verschreckt. (((Ein freundlicherer und offener Umganston nach Innen würde vielleicht auch euer “Männerproblem” lösen ;) )))

    Ansonsten Toi toi toi für die Europawahl. Tut was! Ihr seid nämlich wirklich die einzige Partei, die meiner Meinung (fast) voll und ganz entspricht

  85. Danke für diesen Beitrag.

    tl;dr hatte ich tatsächlich gestern, heute endlich geschafft in einem Rutsch zu lesen und zu verstehen (ist beides ja nicht immer unbedingt kausal) :D.

    Als gebürtiger Berliner haben mich deine Ansprachen im Berliner Abgeordnetenhaus sehr gut gefallen. “Herr oder Frau Referentenentwurf” ist extrem hängen geblieben!

    Das du mit deiner Art auch polarisierst ist für dich nix Neues, daher bitte ich Kommentar wie z.b. auf G+:

    “Auch wenn bei Herrn Lauer oft dieser Impuls einsetzt, der einen früher eventuell dazu verleitet hat dem Streber der Klasse eine in die Fresse zu geben … er hat mit seiner Analyse zu 100% Recht.

    Genau diese Gründe haben selbst mich daran gehindert, bei der Bundestagswahl die Piraten zu wählen. Sie sind Bundes-Politisch auch meines Erachtens noch nicht arbeitsfähig!”

    richtig zu verstehen, nein, heute würde ich dir keine mehr in die Fresse geben wollen … aber diese ständige Besserwisserei bringt das eigene Umfeld oft auf 180 … das kenne ich aus eigener Erfahrung.

    Trotz der strukturellen Probleme die ich für den Bund ebenso sehe, hat mich das nicht abgehalten, lokal “bei mir” zum Piraten-Stammtisch zu gehen … sind die Bayern-Piraten (Freising).

    Leider ist deine Art zu argumentieren, und politische Arbeit zu leisten einer der Hauptgründe, warum ich da mal hinmarschiert bin. Hm … liest sich extrem wie “Fan-Boy”, soll aber nur deine bisher geleistete politische Arbeit honorieren.

    Nichts desdo trotz würde ich bei “merkwürdiger” Argumentation nicht zu allem “Ja” und “Amen” sagen was von dir kommt. Von daher glaube ich, dass die nächsten vier Jahre wirklich sinnvoll genutzt werden können, um die Piraten als eine sinnvolle Option für die Bundespolitik darzustellen.

    Packen mers an ;)

  86. Sehr gut zusammengefasst!

    Dennoch würde ich gerne vor allem einmal den Vergleich zu anderen Parteien ziehen, die deutlich erfolgreicher aus den Bundestagswahlen herausgehen.
    Meiner Meinung nach zeigt das Wahlergebnis, dass ein großer Bevölkerungsteil offensichtlich nach ruhigen und stabilen Verhältnissen strebt und diese in den etablierten Parteien zu finden hofft.
    Der passive Wahlkampf der CDU hat offenbar den Zeitgeist mehr denn je getroffen. Ich würde fast behaupten die Mentalität des schläfrigen deutschen Michels ist so präsent wie 1848 und kaum jemand verkörpert sie so gut wie Frau Merkel. Mit dieser Einstellung sind wir auf dem besten Weg die politischen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts aus Bequemlichkeit wieder zu vergessen.
    Das revolutionäre Auftreten der Piraten trifft vielmals leider nicht einmal die Politikvorstellungen junger Leute.
    Daher sollten die Piraten aus dieser momentanen Stimmung ihr Fazit ziehen, damit meine ich allerdings nicht, sich diesen Parteien anzugleichen. Denn ihr habt etwas, dass den anderen fehlt – Ihr seid anders und könntet dennoch glaubwürdig sein.
    Ich denke was die Wähler sehen wollen, ist ein geschlossenes Auftreten der Partei, ein Gefühl von Zusammenhalt und Leistungsstärke.
    Wie du bereits festgestellt hast, bringen Shitstorms die Piraten ihren Zielen nicht näher, daher sollte man ein besonderes Augenmerk auf den freundlichen und konstruktiven Umgang miteinander, im Internet, wie auch außerhalb, legen. Die Piraten brauchen meiner Meinung nach besonnene Vorzeigepersonen, die in der Öffentlichkeit und auch parteiintern diplomatisch handeln.
    Außerdem möchte ich gerne auf ein Wahlplakat der CDU verweisen mit den Worten “gemeinsam erfolgreich”. Auch wenn mir persönlich nicht ganz klar ist, was dies zu bedeuten hat, so denke ich, dass viele Bürger der CDU Vertrauen schenken, da diese über lange Zeit unter Beweis stellen konnte, dass es sich um eine regierungsfähige Partei handelt.
    Das bedeutet, dass Wählerstimmen durch Versprechen allein nicht geholt werden, sondern durch (mehr oder weniger aktives) Agieren. Vielleicht sollte man daher bei der Öffentlichkeitsarbeit stärker betonen, was Piraten konkret tun und schon bewältigt haben.

    Vor allem wünsche ich euch viel Erfolg bei den kommenden Wahlen und dass die Partei geschlossen und glaubwürdig für die überragenden Grundideen einstehen kann!

  87. Herr Lauer,

    ich habe gerade auf der Berliner Zeitung gelesen, dass Herr Schlömer zurücktritt. Auf der Seite des Bundesvorstands der Piraten habe ich das nicht gelesen.

    Als Nachfolgekandidaten handelt die Berliner Zeitung unter anderem Sie.

    Sollte das stimmen, dann will ich wissen, was Sie konkret in Deutschland in welcher Weise ändern wollen, was das Ergebnis sein soll – und – eine Darlegung dass und wie es funktioniert, und wie Sie vorzugehen gedenken, für den Fall, dass es nicht funktioniert, dass etwas übersehen wurde.

    Scherbenhaufen angeblich guter Ziele gibt es bereits genug, wobei aktuell insbesondere der “Klimaschutz” und das EEG zu nennen ist. Das ist ein Grund, warum die CDU/CSU die Wahl gewonnen hat. Es scheint das kleinere Übel zu sein.

    Ich selbst stehe vor der Frage, ob ich den Piraten beitrete. Dann will ich gründlich durchdachte Politik.

    Übrigens habe ich die Piraten gewählt – weil diese Partei die Menschenrechte oben an stellt.

  88. Hallo,

    die Analyse ist ja nicht schlecht, aber vielleicht liegt es ja auch an den Inhalten, die ihr im Wahlkampf vertreten habt (ich will nichts konkretes nennen um nicht gleich die Hälfte gegen mich zu haben ;-)). Wenn ihr den Inhalt nicht wegen eines Wahlergebnisses ändern wollt ist das natürlich löblich, aber in die Analyse des Wahlergebnisses sollte man das schon einbeziehen.

  89. Christopher, das war eine korrekte Analyse. Lasst euch nicht ins Bockshorn jagen, denn wenn es die Piratenpartei nicht schon gäbe, müsste man sie neu erfinden! Ihr fangt nicht bei 0 an, sondern bei 2, das ist doch schon was, und es ist ein viel besseres Ergebnis, als bei der letzten BTW!

    Christopher, sei bitte so freundlich, und lasse dich beim nächsten BPT zum Vorsitzenden wählen. Du bist ein genialer Pirat, genau die richtige Mischung aus Intelligenz und Wahnsinn. – Hau rein! Vielleicht unterstützt dich ja Marina dabei. – Wehe ihr werft den Bettel hin!

  90. Ich habe bewusst nicht Piraten gewählt, obwohl ich mich mit vielen Themen und Aussagen der Piratenpartei identifizieren kann. Hierfür gibt es mehrere Gründe (außer denen oben im Blogpost):

    # Ständige Besserwisserei
    # Respektloses Umgehen mit anderen
    # Einige (auch Bundestagskandidaten und -Innen werten jede noch so sachliche Kritik als “Beleidigung” und blocken z.B. auf Twitter
    # Fehlende Selbstkritik
    # Unreflektiertes Verbreiten von Aussagen (vermeintlicher) Autoritäten, ohne den Wahrheitsgehalt zu prüfen
    # Gegenseitiges Bashing

    Kurz: Der Umgang miteinander und der Umgangston ist schlicht unterirdisch und es gilt immer noch: Der Ton macht die Musik. Dahinter treten die Themen massiv zurück.

  91. Ich habe die Piraten nicht gewählt, denn diese Partei ( so sympathisch sie mir auch grundlegend erstmal in NRW war) wirkt wie ein großes, unaufgeräumtes Desaster.

    Wir sind ein stabiler Wirtschaftsstandort, und als Techniker muss ich für meine Familie die Brötchen verdienen – das geht nur mit Stabilität, denn das zeichnet unseren WIrtschaftsstandort BRD aus, ich arbeite für internationale Unternehmen und weiß daher was an unserem Land geschätzt wird.

    So gern ich auch eure Themen (teilweise) in diesem Land verwirklicht sehen will – ich kann euch nicht wählen damit ihr 5% bekommt, ich kann nur jemanden wählen wo ich mich nicht davor fürchten muss wenn er eine absolute Mehrheit bekommt.

    Solang die PP wie ein zerstrittener Haufen aus Nerds, Linken und arbeitslosen Kiffern in mein Sichtfeld gelangt sind mir eure Themen egal – ihr müsst trotz allem Protest seriös sein können und eure Strukturen – egal wie sie am Ende sein mögen – festigen und verbindlich machen.

    Man kann es NIE allen recht machen – diese Einsicht ist bei der PP anscheinend nicht vorhanden.

    Ich hoffe ihr bekommt das hin, wir brauchen eine neue, starke liberale Mitte, aber
    so aufzutreten wie damals die Grünen funktioniert heute nicht mehr, Jobangst ist keine Idee der CDU um uns einzuschüchtern, wir haben tagtäglich mit knallhartem Kapitalismus zu kämpfen, da ist es wichtig auch für Unternehmen Perspektiven zu bieten.

    Mir fallen da so viele Ansatzpunkte ein um in diesem Land erfolgreiche Menschen zum Nachdenken zu bringen – ich sehe aber leider das ihr ausschließlich in dem politischen Bereich “Sonstige” um Stimmen buhlt – das sei euch gegönnt, aber ihr dürft nicht vergessen das es den meisten Leuten in diesem Land immer noch sehr gut geht!

    Ich drücke euch die Daumen und hoffe das ihr einen Weg findet damit Menschen wie ich Lust haben bei euch aktiv mitzuwirken.

    In dem Moment wo ich allerdings mit einem Jungspund ohne Familie und berufliche Perspektive am Tisch sitze und über Drogenpolitik diskutieren muss (Kindereien in meinen Augen, viele waren mal Jung) werde ich gezwungen die PP nicht zu wählen.

    Mit freundlichem Gruß,

    Christian Soika

  92. [...] Wahl: Piraten – christopherlauer.de: Warum es nicht gereicht hat und was wir daraus für die Zukunft… • publikative.org: AfD: Betrugsvorwürfe und “entartete Demokratie” • AfD: Danke, Bernd • [...]

  93. Ihr solltet vor allen Dingen mit den ständigen internen Streitereien und Machtkämpfen aufhören bzw. die zumindest nicht in der Öffentlichkeit austragen. Man hat(te) ja zeitweise echt das Gefühl, Ihr seid keine politische Partei sondern ein Kindergarten. Das hat Euch eine Menge Stimmen gekostet.
    Und -ich kann einigen Vorrednern nur zustimmen- Ihr wart im Wahlkampf absolut nicht präsent. Ich kenne viele Leute, die sich gefragt haben, ob Ihr überhaupt teilnehmt.

  94. Lieber Christopher,

    beginnend mit einer der Deinen strukturell ähnlichen Analyse wird es eine Traditionspartei wie die FDP wieder zurück in die Parlamente schaffen, aber um es auf diesem Weg wieder schaffen zu können fehlt den Piraten eine solche Tradition in Form einer Stammwählerschaft und in Form eines gefestigten Image. Ähnlich hilfreich erscheint mir Deine Liste der Versäumnisse, denn diese Versäumnisse sind ja nur zum Tragen gekommen wegen des großkalibigen Schusses in’s Knie. Entsprechend erscheint mir das Unterlassen des Analysierens dieses Schusses als eine Art Folgefehler, denn das große Kaliber war zweifellos Ponader, aber dass der Schuss in’s Knie ging war ebenso zweifellos die Unfähigkeit der Piraten, sich Ponader kurzfristig zu entledigen.

    Diese Unfähigkeit der Piraten, sich Ponader kurzfristig zu entledigen, hat die Piraten zur Spaßpartei gemacht, und diese Einordnung wird man nicht los indem man sie ignoriert und so tut, als sei man keine Spaßpartei geworden.

    So scheint mir am Anfang der Wiedererlangung der Ernstnehmbarkeit eine Analyse der innerparteilichen Wirkung Ponaders angesagt: Wie konnte es kommen, dass die Piraten sich ein dreiviertel Jahr lang von Ponader auf der Nase herum tanzen ließen, und wie ist dadurch die seit Sommer 2012 bestehende Sprachlosigkeit in der Außenkommunikation von Sachthemen entstanden?

    Meine Einschätzung steht aber auf dem Eindruck, dass der 2011/12er-hype weniger durch Sachthemen bedingt war,- beispielsweise tendieren die Piraten innerhalb ihres einzigen real-live-Kernthemas trotz eindeutiger psychologischer und technologischer Gegenanzeigen und im krassen Gegensatz zu ihren Freiheitsvorstellungen für Erwachsene zur möglichst totalen Totalüberwachung der Nochnichterwachsenen-, sondern mehr bedingt war durch die Hoffnung, dass die Piraten es tatsächlich schaffen könnten dem öden Politsprech und den diesen tragenden Strukturen etwas Tragfähiges entgegen zu setzen im Sinne einer Weiterentwicklung des politischen Betriebs.

    Gruss
    Harry

  95. Trotz meines Alters von 65 Jahren habe ich diesmal die Piraten gewählt, weil es mir auf den Keks ging, wie alle anderen Parteien das Thema NSA totgeschwiegen und verniedlicht haben. Leider habt ihr es auch totgeschwiegen, jedenfalls kam in meiner Gemeinde keinerlei Wahlmaterial der Piraten an, das die Piratenmeinung zur NSA erklärt hätte. So bin ich mal einfach davon ausgegangen, dass das euer Kernthema war und ihr im Bundestag für eine Aufklärung des Skandals und für eine bessere Netzpolitik gestritten hättet. Nur mit dieser Vermutung alleine gelassen hatte ich natürlich keine Chance, mein Umfeld zu überzeugen, ebenfalls Piraten zu wählen.
    Ihr dürft euch auch nicht nur bei Twitter tummeln, wenn ihr Leute wie mich erreichen wollt. Ich habe diesen Beitrag von Herrn Lauer heute nur ganz zufällig gelesen. Ja, und es wäre auch sehr hilfreich, wenn man die Piraten mit ein paar realen Gesichtern verbinden könnte, die die Piraten länger als 12 Monate repräsentieren.
    Also verbessert mal umgehend eure Aussenkommunikation, damit nicht auch die Europawahlen wieder versemmelt werden. Und konzentriert euch auf das, was ihr wirklich könnt, statt euch mit Albernheiten wie leistungslosem Grundeinkommen oder freier Drogenbenutzung abzugeben.

  96. Ich glaube man dachte damals einfach die Piraten machen mal was anderes.. bloß bis ihr ma anfangt habt ihr euch wahrscheinlich alle tot diskutiert..

  97. Hei Mr. Lauer,

    Interessante Analyse.
    Zu einem Punkt eine kurze Info/Frage.

    Kennst du den Flyer der (hessischen?) Piraten mit den “100 Gründe Piraten zu wählen”? Der wäre ja so in etwa diese Zusammenfassung, die du erwähnt hattest.
    Mir hat er zumindest gefallen. :)

    Und ich gebe dir in wei Punkten absolut Recht:
    - Ihr braucht ein Basisdemokratisches System wie die SMV.
    - Straßenaktivität ist enorm wichtig.

    Liebe Grüße

  98. [...] Deutsche Ruderverein einen größeren Impact auf die Wahl als die Netzgemeinde.” Der Pirat Christopher Lauer postete eine Art Grundsatzpapier zur Neuausrichtung seiner Partei. Immer wieder kam dabei ein Punkt zur Sprache, den man in einer [...]

  99. [...] werden? Müssen sie die Pressearbeit verbessern? Sich intern besser vernetzen? Oder muss die Partei die interne Mitbestimmung revolutionieren, um glaubwürdig [...]

  100. Herr Lauer,

    ich habe gerade beschlossen,
    dass Sie sich mal ein paar Fachbücher zum Thema erfolgreiche Werbekampagnen besorgen und ein Konzept erarbeiten. Das ist naheliegend, da Sie das Thema eröffnet und schon Vorstellungen dazu haben.

    Ich würde es ja selbst tun, bin aber als angehende Piratin derzeit noch mit der Durcharbeitung der Inhalte der Piratenpartei beschäftigt.

    Viele Grüße

  101. [...] Piraten das endgültige Grab geschaufelt. Da wurde abermals und immernoch und erst richtig beklagt, dass ja niemand außerhalb der netzpolitischen “Filterbubble” zur Kenntnis nehmen will, dass unsere Grundrechte im großen Stil missbraucht werden. Alles richtig, alles [...]

  102. [...] Lauer, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, veröffentlichte gleich nach der Wahl mehrere Thesen, warum es seiner Meinung nach nicht für den Bundestag gereicht [...]

  103. Ich habe die Piraten mit meiner Zweitstimme unterstützt, obwohl sie es angesichts eines enttäuschenden und nur halbherzig geführten Wahlkampfs eigentlich nicht verdient gehabt hätten.
    Allerdings bin ich davon überzeugt, dass wir eine Partei im Bundestag brauchen, die nicht nur die Netzpolitik (siehe NSA-Affäre) stärker in den politischen Vordergrund rückt, sondern auch das, wofür die groteske Glaskuppel auf dem Reichstag steht – nämlich politische Transparenz – fest in den politischen Alltag verankert. Nicht zuletzt würde mir eine Verjüngung des politischen Personals gefallen, da ich angesichts des demographischen Wandels die Befürchtung habe, dass die Anliegen der jüngeren Generation sonst gänzlich unter den Tisch fallen bzw. hinten angestellt werden.
    Die Tatsache, dass sich die Piraten bei dieser Bundestagswahl mit 2,2% nicht sonderlich zu 2009 (2,0%) verbessern konnte, zeigt, dass es ihnen nicht gelungen ist, neue Wähler für ihr Programm zu begeistern. Dies mag damit zusammenhängen, dass die Partei in der breiten Öffentlichkeit immer noch als die chaotische „Gurkentruppe“ wahrgenommen wird, die sich zwar zu einzelnen Spezialthemen wie Netzpolitik fundiert äußert, aber zu den großen Themen, den Kernthemen des politischen Alltags, nichts oder nichts Konkretes zu sagen hat.
    Angesichts des Wahlprogramms 2013, das seine Schwerpunkte eher auf Randthemen wie bspw. die Pflege der Fankultur im deutschen Fußball verlagerte als sich Themen wie der Euro-Krise und dem deutschen Gesundheitssystem angemessen zu widmen, ist dieser Vorwurf durchaus nachvollziehbar.
    Gerade Finanz- und Wirtschaftpolitik sind die vernachlässigten Stiefkinder der Piraten. Auch das ist wiederum verständlich, da es sich hierbei nicht um Themen handelt, die so intuitiv wie die Fankultur im Fußball analysiert und bewertet werden können. Es bedarf fundierter Fachkenntnisse und auch Erfahrung, um politische Probleme dieser Art erkennen, bewerten und lösen zu können. Diese Kompetenzen hat verständlicherweise nicht jeder in der Piraten-Partei – diese Fachkompetenzen hat aber auch nicht jedes Mitglied der CDU, SPD etc.. Man organisiert sich aus diesem Grund. Man bildet „Kompetenzgremien“, die sich auf Umweltpolitik, Gesundheitspolitik etc. spezialisieren und in denen Menschen sitzen, die sich fachlich mit diesen Themen auseinandersetzen können. Zudem gibt es verbindliche Ansprechpartner, die diese Arbeit koordinieren und die sich als „Experten“ zu aktuellen Themen innerparteilich und öffentlich äußern können.
    Eine Organisation dieser Natur scheint in der Piraten-Partei derzeit zu fehlen bzw. nicht richtig koordiniert zu sein (siehe Wahlprogramm 2013). Dabei bin ich mir sicher, dass die nötigen Kompetenzen zur Lösung komplexer politischer Probleme innerhalb der Partei vorhanden sind. Sie müssen nur effizienter genutzt werden.
    Hierzu ist es wichtig, dass die richtigen Leute zusammengebracht werden, die sich durch berufsbedingte Fachkenntnisse, Interesse oder persönliche Betroffenheit auszeichnen und sich an politischen Problemlösungsstrategien in den entsprechenden Bereichen beteiligen können. Das Internet macht einen solchen Austausch auf Bundesebene möglich.
    Letztendlich basiert der Erfolg des Ganzen auf dem „Invisible-Hand-Phänomen“ (nach Adam Smith). Wenn es möglich ist, dass sich jedes Parteimitglied hinsichtlich seiner individuellen Kompetenzen an Problemlösungen eines bestimmten politischen Teilbereichs beteiligt, kann das bestmögliche Ergebnisse in diesem Teilbereich, durch die volle Ausschöpfung der vorhandenen Kompetenzen, erzielt werden. Geschieht dies in allen Teilbereichen, folgt daraus das bestmögliche Ergebnis für das gesamte Parteiprogramm.
    Ein zielgerichtetes Arbeiten in diesen „Kompetenzgremien“ setzt natürlich eine klare Organisation voraus, inklusive ständiger Mitglieder und verbindlicher Verantwortlicher. Hier ist die Partei gefordert!

    Ich werde die Piraten auch weiterhin wählen, da ich von ihren Grundzielen überzeugt bin.
    Ihre Aufgabe, Herr Lauer, und die Ihrer Partei wäre es, zukünftig dafür zu sorgen, dass ich dies ohne mulmiges Gefühl tun kann.

  104. Wisst Ihr eigentlich wie entäuscht wir sind??? Jede Menge Steilvorlagen was unser Ding gewesen wäre!!!!Ja wir haben gewählt und haben fast geweint^^ aber hier diesen Haufen an Selbstdarstellern kannsde vergessen. Es ist noch nicht solange her da hatten wir gemeinsame Ziele und auch ne Aussendarstellung ” Marina” bitte erweckt sie !!!!! Am Piratenstammtisch in Siegen reden wir jetzt über Bürgersteig Mindestmaße !!! Ja genau unser Thema.. will da jemand in den Stadtrat ?? Also Leute endlich mal ein Ziel suchen und dann geschlossen angreifen, wir sind die Guten !!!

    apropos bei uns im Forum reissen sich 1-2 Piraten den Arsch auf DANKE Jungs nur so gehts !!

    Gruss Shabby

  105. […] Analysen schon früher da [1] , auch konkrete Handlungsempfehlungen wurden ausgesprochen [2]. Was davon wurde […]

Was denkst du?