Von der Mitmachairline

Es gab eine Zeit, da wurden einige Menschen der klassischen Airlines überdrüssig. Weil die waren zu teuer, der Service war zu schlecht und sowieso, Unternehmen kann man doch nicht hierarchisch führen, es müssen doch mal endlich neue Wege her, auch wie man die Passagiere beteiligt, z.B. an der Erstellung der Flugrouten oder bei der Auswahl des Essens auf Flügen und und und. Außerdem war es unfair, dass nur Piloten Flugzeuge steuern durften, denn es gab ja mit Sicherheit auch viele Passagiere, die das eigentlich auch ganz gut könnten, aber halt nicht durften, weil bei anderen Airlines waren die Einstiegshürden ja auch so hoch und der Auswahlprozess so elitär.

Es kam also, dass eine Mitmachairline gegründet wurde. Die wollte alles anders machen. Die Passagiere wählten vor jedem Flug den Piloten, das Bordpersonal und wo es langgehen sollte. Das lief so ab: Alle Passagiere fanden sich ein, dann ging die Vorstellungsrunde los, jeder der wollte stellte sich vor, natürlich nicht zu lange, denn man wollte ja auch irgendwann mal ankommen, wenn sich da alle die wollten so lange vorgestellt hätten wie sie gerne möchten, dann hätten sich die Flüge ja hoffnungslos verspätet. Deswegen wurde die Vorstellung derjenigen, die Pilot werden wollten kurz und knapp gehalten.

Das Essen wurde gewählt, der Film der auf dem Flug gespielt werden sollte und alles war ziemlich von unten nach oben geregelt, denn das wusste man von den anderen Airlines, von oben nach unten ist immer schlecht. Das kostete Zeit, aber das war es den Passagieren wert, denn die Mitmachairline war halt anders als die anderen Airlines, da nahm man Nachteile schon mal gerne in Kauf. Denn es wirkte frisch und modern und so fertigte die Mitmachairline immer mehr Passagiere ab.

Problematisch wurde es, wenn die Flugzeuge der Mitmachairline abstürzten, was eigentlich immer der Fall war. Die Passagiere waren dann natürlich enttäuscht. Und verwundert. Denn eigentlich hatten sich die Piloten in der Kürze der Zeit doch ganz anders vorgestellt. So war es gang und gäbe, dass man nach einem solchen Absturz Sätze wie „Also vom Jürgen hätte ich das gar nicht erwartet, der hat in der Vorstellung doch gesagt, dass er im Herzen immer Pilot war“ hörte. Manche Passagiere waren der Meinung, man hätte die Piloten besser befragen müssen, manche wollten wenigstens einige Strukturen, aber das wurde abgelehnt, denn wenn man eins nicht wollte, dann so werden wie andere Airlines. In diesen Diskussionen ging es dann auch oft gar nicht mehr darum, dass man als Mitmachairline Menschen an ein Ziel bringen wollte, es ging nur noch darum, welche Struktur denn jetzt die beste für die Airline wäre oder gewesen wäre. Derweil machten die anderen Airlines einfach wie bisher ihre Arbeit.

Ein weiteres Problem waren die klammen Kassen der Mitmachairline. Natürlich bezahlten einige Passagiere, aber viele halt auch nicht. Die Preise waren bewusst sehr niedrig gewählt, damit jeder mitfliegen konnte. Ein Mahnwesen gab es nicht. Das hatte zur Folge, dass Piloten, Bodenpersonal und alle anderen, die versuchten die Mitmachairline zu betreiben, ehrenamtlich arbeiteten. So mussten diese Zeitraubenden Aufgaben neben dem Brotjob gemacht werden, was dazu führte, dass diejenigen, die sich am meisten engagierten auch am schnellsten wieder aufhörten. Entweder weil sie ausgebrannt waren oder weil sie es sich schlichtweg nicht mehr leisten konnten, sich so stark bei der Mitmachairline zu engagieren.

Die ganzen Flugzeugabstürze blieben auch von der Öffentlichkeit nicht unbemerkt. Innerhalb der Mitmachairline war man aber der Meinung, dass das ja jetzt nicht gegen die Mitmachairline sprechen würde, im Gegenteil. Es zeigte halt, dass die Mitmachairline anders ist. Es muss doch okay sein dürfen, auf dem Weg zum Ziel auch mal abzustürzen, sagte man sich bei der Mitmachairline. Besser abstürzen als so ankommen wie bei den anderen, sagte man sich bei der Mitmachairline. Außerdem stürzten bei den anderen Airlines ja auch mal Flugzeuge ab und die Mitmachairline ist halt anders. Sowieso sei es ja nicht dem genialen Konzept der Mitmachairline geschuldet, dass die Flugzeuge ständig abstürzen, sondern das liegt an den Piloten und manchmal auch an den Passagieren, die halt die falschen Piloten wählen. So wandten sich viele Passagiere und die Öffentlichkeit wieder ab, denn sie hatten sich unter der Mitmachairline eigentlich etwas anders vorgestellt.

Das Grundkonzept aber wurde nicht verändert. Denn anders sein, das war das Ziel der Mitmachairline, nicht so werden wie die anderen Airlines, das war das Ziel der Mitmachairline. Koste es was es wolle.

6 Kommentare

  1. Klarmachen zum Ändern.

  2. Wie war, wie war … ich möchte es mal mit den Worten eines Hessichen Piraten sagen, ich möchte meine Piraten zurück.

    Warum können nicht die ganzen Pappnasen gehen, und wenn die Pappnasen gehen, sollen die bitte die ganzen Trolle mitnehmen, egal ob Bergtroll, Links-Rechts Troll oder Femtroll.

  3. *schmunzel* – Was soll ich mehr schreiben?! ;o)
    Auf den Punkt.

  4. Keine Ponys?

  5. […] Sascha Lobo erklärte als Spezialist das Internet kaputt,  Christopher Lauer die Piratenpartei zur Mitmach-Airline, meine piratigen Freunde sich auf Twitter gegenseitig als abartig (die Auswürfe erspare ich mir) […]

  6. Jacky Neiwel

    Wenn die Konkurrenz ausgebildete Piloten hätte, hätte es die Piraten nie gegeben!!!

    Politiker sind die Schwachmatenpriester des Informationszeitalters! Zu ehrlicher Arbeit nicht in der Lage.

    Die Piraten hingegen haben zumindest teilweise vorher echte Jobs ausgeübt und sind die weit besseren Piloten.

Was denkst du?